Kreuzberg - Die Parkplätze des Vorstands der Inhaberfirma CG waren am Freitagvormittag nicht belegt. Vielleicht lag es daran, dass im Streit um das ehemalige Postscheckamt an der Möckernbrücke endlich ein Kompromiss gefunden wurde – immerhin das größte Umbauprojekt von Kreuzberg und eines der spektakulärsten in ganz Berlin.

Wie der Tagesspiegel zuerst berichtet hatte, haben sich der Eigentümer Christoph Gröner (CG) und der Bezirk darauf geeinigt, dass Gröner im Turmgebäude keine Wohnungen baut, sondern Büros und Gewerbe. Stattdessen soll die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo der CG umliegende Flächen abkaufen, um günstigen Wohnraum zu errichten. Die CG-Gruppe bestätigte die Einigung auf Anfrage der Berliner Zeitung.

Die Rede ist nun von 311 sogenannten leistbaren Wohnungen, davon sollen drei Viertel höchstens 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten. Gröner hatte 623 Wohnungen geplant – davon „182 geförderte und 55 preisgedämpfte Wohneinheiten“.

Irritation über plötzliche Wende des Baustadtrats 

Dem Kompromiss war ein langer, auch öffentlich ausgetragener Streit zwischen Gröner und Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt vorausgegangen. Immobilienentwickler Gröner baut derzeit auch den Steglitzer Kreisel in ein Wohnhochhaus um und hatte dem Grünenpolitiker Blockadepolitik und Dilettantismus vorgeworfen. Denn Schmidt, der auch schon als „Robin Hood der Mieter“ bezeichnet wurde, hatte immer wieder auf neue Verhandlungen über das Verhältnis von Wohnen und Gewerbe bestanden. Zuletzt ließ Gröner ein großes Plakat an seinem Hochhaus anbringen, auf dem er das Bezirksamt und den Senat angreift.

Umso abrupter empfinden manche nun die Wende von Stadtrat Schmidt. „Ich bin ein bisschen irritiert“, sagt John Dahl, Stadtentwicklungspolitiker der SPD in der BVV. Noch am Mittwoch habe Schmidt nichts über die neuen Pläne sagen mögen. „Jetzt lese ich in der Zeitung, dass bereits die Sektgläser klirren“, sagt Dahl. „Das ist doch keine Art.“

„Schlecht verhandelt“

Doch es ist nicht nur der mitunter rüde Umgang Schmidts mit den Bezirksparlamentariern, der Dahl ärgert. Auch die Inhalte des Kompromisses – jene, die bisher öffentlich bekannt sind – stören ihn. Vor allem die halbierte Anzahl neuer Wohnungen (311 statt 623) kritisiert Dahl, der – ganz auf SPD-Linie – sagt: „Jede Wohnung mehr kann helfen.“

Mit dem Kompromiss seien auch alle Pläne für Kita- und Schulplätze hinfällig, die Gröner hätte finanzieren müssen, wenn er den Turm aus Stahl und Glas tatsächlich zum Wohnhaus umgebaut hätte. „Das ist schade“, sagt Dahl.

Schlecht sei auch, dass in die neuen Wohnungen fast nur Menschen mit wenig Geld einziehen würden. „Wir hätten gerne mehr soziale Durchmischung gehabt.“ Stattdessen habe man Gröner „ein Mehr an Baurecht“ eingeräumt, sodass dieser nach Dahls Rechnung einen „Mehrwert von 70 Millionen Euro“ davontrage. Dahls Note für Stadtrat Schmidt jedenfalls fällt vernichtend aus: „Schlecht verhandelt!“