Sieht eigentlich noch jemand durch in diesem Chaos? Und bekommt man da jemals wieder Ordnung rein? Unsere Fotos aus Postfilialen in der Region Berlin/Brandenburg zeigen, welche Auswirkungen der Streik der Postangestellten auf den Post- und Briefverkehr hat.

Von „chaotischen Zuständen in den Filialen“ sprechen Angestellte - und ein Ende ist nicht in Sicht, denn von Tag zu Tag steigt die Zahl liegengebliebener Briefe und Pakete weiter an. In vielen Zustellstützpunkten würden sich seit vier Wochen sehr viele mit Post gefüllte Kisten stapeln.

„Es sieht ganz schlecht aus“, sagte ein Berliner Briefzusteller: „Selbst wenn der Streik sofort beendet sein würde, dauert es sicher noch mehrere Monate, ehe alle Rückstände aufgearbeitet sind“. Weil es keinen Platz mehr in den Filialen gebe, würden sortierte Briefe wieder in die Briefzentren zurückgeschickt und dort in Zelten und Containern lagern.

Allein in den Paketzentren in Börnicke bei Nauen (Havelland) und in Rüdersdorf (Märkisch Oderland) würden jeweils „hunderttausende Pakete“ liegen, in den Briefzentren könnten es „etwa eine Million Sendungen“ sein, schätzt Benita Unger von der Fachgruppe Postdienste bei der Gewerkschaft Verdi in Berlin.

Verhärtete Fronten

In Berlin und Brandenburg streiken derzeit etwa 2300 Postangestellte, bundesweit sind es nach Verdi-Angaben über 25.000 Beschäftigte. In den für Paketzusteller gegründeten Unternehmen DHL Delivery Regionalgesellschaften sollen die etwa 6000 Mitarbeiter nur noch nach dem niedrigeren Tarif der Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden.

Verdi will die 49 regionalen Gesellschaften wieder in den regulären Haustarif aufnehmen. Im Gegenzug hatte sie Anfang Juni einen moderaten Gehaltsabschluss angeboten Das Angebot lehnt die Deutsche Post aber ab. Sie müsse „den Lohnkostenabstand zum Wettbewerb ausgleichen“, heißt es, die Regionalgesellschaften mit geringerer Bezahlung seien unverzichtbar. Die Post zahlt im Haustarif 17,70 Euro, in den Regionalgesellschaften im Schnitt 13 Euro. Damit liege sie vielfach noch über der Konkurrenz.

Bisher hat der seit dem 8. Juni dauernde Streik keine Annäherung gebracht. „Es tut sich nichts, die Fronten sind verhärtet“, sagt Sören Keidel, Betriebsratsvorsitzender der Niederlassung Brief Berlin-Südost. „Die Stimmung bei den Streikenden ist gereizt und sehr geladen“, sagt der Gewerkschafter.

Die Deutsche Post versucht, den Stau an Paketen und Briefen mit Aushilfskräften abzuarbeiten. Allein am vergangenen Sonntag waren bundesweit mehr als 2700 Helfer im Einsatz. „Auch unsere zweite Sonntagszustellung gestern war ein Erfolg“, sagte Uwe Brinks, Produktionschef Brief und Paket bei der Post.

Der Berliner Senat will das verbieten. „Unsere Rechtsauffassung ist eindeutig: Die Sonntagsarbeit bei der Post AG ist gesetzlich unzulässig und illegal“, sagte der Staatssekretär der Senatsarbeitsverwaltung Boris Velter am Montag im Gespräch mit der Berliner Zeitung.