Potsdam: Einsame Insel zu verkaufen

Bad Saarow - In der heutigen hektischen Welt gilt eine einsame Insel für viele als heimlicher Traum vom Glück. Und dieses Angebot klingt wirklich verlockend: Eine Insel mit 16.600 Quadratmetern reinster Natur. Und dann auch noch ganz idyllisch gelegen im berühmten Scharmützelsee.

Der Berliner Alexanderplatz ist keine 80 Kilometer entfernt und gleich nebenan ist Bad Saarow, ein legendärer Kurort, der seit 1923 eine Thermalquelle hat. Die ganze Gegend ist eine reine Wohlfühlregion, denn dort wurden seit dem Ende der DDR eine Milliarde Euro in Hotels und Wellness-Oasen investiert.

Mindestgebot 20.000 Euro

Und dann liegt das Mindestgebot für die einsame Insel gerade mal auf dem Niveau eines kleinen Mittelklassenwagens: 20.000 Euro werden am Donnerstag bei der Deutschen Grundstücksauktionen in Berlin für das Objekt namens „Großer Werl“ aufgerufen. Auch die Schwester-Insel namens „Kleiner Werl“ soll einen neuen Eigentümer finden. Für 2780 Quadratmeter liegt das Mindestgebot bei nur 2000 Euro.

Doch die Sache mit den vermeintlichen Trauminseln hat einen Haken. Dort leben Kormorane – und diese Vögel sind streng geschützt. Und auf der Insel leben nicht nur ein paar davon. Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) waren es im Vorjahr 370 Brutpaare. „Das ist ein Viertel des gesamten Bestands im Land“, sagt Geschäftsführerin Christiane Schröder.

Kormorane sind die Konkurrenten der Fischer

Kormorane sind bei vielen Menschen allerdings nicht sehr beliebt, jedenfalls wenn sie Fischer sind. Denn die Vögel leben in großen Kolonien, gern an Seen, in denen sie Fische jagen können – oder noch lieber an künstlichen Fischereiteichen, an denen die Jagd besonders leicht ist.

Da ein Kormoran ein halbes Kilo Fisch am Tag frisst, galten die Tiere als große Konkurrenten der Fischer und wurden jahrhundertelang bejagt, bis sie fast ausgestorben waren. Deshalb wurden sie unter Schutz gestellt. Doch als sich die Bestände auch in Brandenburg wieder erholten, jammerten die Fischer erneut und forderten ab 2010 eine Freigabe zum Abschuss.

Der Kormoran soll überleben

Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, bezifferte den Schaden an den Teichen der Fischer durch Kormorane im Jahr 2010 auf 600.000 Euro. Um alle Wirtschaftsteiche im Land komplett mit Netzen zu sichern, wären 37 Millionen Euro nötig. „Die hungrigen Vögel sollten nicht ausgerottet werden“, sagte Dettmann. „Aber nicht nur der Kormoran soll überleben, sondern auch wir Fischer und seltene Fischarten.“

Gegen die Forderungen der Fischer stemmten sich Naturschützer und klagten auch gegen die Kormoranverordnung des Landes. Die Fronten waren verhärtet. Doch inzwischen ist es ruhiger geworden, denn die Natur entschärfte das Problem selbst: Waschbären, die vielerorts selbst als Plage betrachtet werden, schleichen gern zu den Vögelnestern und fressen Eier und Jungtiere – denn sie sind dann besonders leichte Beute.

Inseln für die Natur erhalten

Weil der Kormoranbestand seit Jahren wieder sinkt, will der Nabu, dass der Bund die kleinen Inseln im Scharmützelsee nicht an einen Investor verkauft werden. „Es wäre wichtig, die Inseln langfristig für die Natur zu erhalten“, sagt Geschäftsführerin Schröder. Denn am Ufer des Scharmützelsees finden Kormorane meist keine Nistplätze mehr wegen der vielen Steganlagen, dafür auf den beiden Inseln.

Nun will der Nabu selbst mitbieten. In anderen Fällen gibt der Bund auch Gebiete, die für die Natur besonders wertvoll sind, kostenlos an Naturschutzverbände ab. Doch in diesem Fall wolle der Bund offenbar mit den Inseln Geld verdienen.

Höllischer Gestank

Wie weit der Nabu mitbieten kann, der sich unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert, will Schröder nicht verraten.

Die Naturschützer hoffen, dass potenzielle Käufer davon abgeschreckt werden, dass die Kormorane in großen Kolonien leben und dass ihr Kot einen höllische Gestank verursacht. Das sei in etwa so, sagt Schröder, als ob man Guano – also getrockneter Vogelkot – für den Garten kauft. Die Naturschützer könnten auch davon profitieren, dass die Inseln zu einem großen Landschaftsschutzgebiet gehören und dort kein Wohnhaus gebaut werden darf. Da es aber auch sein könnte, dass die Vögel irgendwann weiterziehen, haben die Naturschützer vor Ort inzwischen bereits bei den Behörden beantragt, dass die beiden Inseln selbst nun unter Naturschutz gestellt werden. (mit dpa)