Potsdam - Er hat es wieder getan: Günther Jauch spendet. Diesmal gibt er 1,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Soll sie neu erstehen oder nicht? Diese Frage steht ganz weit oben auf der Liste von Themen, über die in der brandenburgischen Landeshauptstadt gestritten wird. Die Befürworter wollen wenigstens den Turm der 1968 gesprengten Hof- und Militärkirche zurück, weil er das Bild der barocken Stadt prägte. Den Gegnern des Bauwerkes ist das verschwundene Gotteshaus Symbol für die unheilige Allianz zwischen preußischem Militarismus und faschistischer Diktatur.

Im Streit um die Kirche hat der 60-jährige Fernsehmoderator, der seit den 90er-Jahren in Potsdam lebt, schon vor Jahren Position bezogen. Er ist für den Turm. Jetzt wurde bekannt, dass er es nicht nur bei Worten beließ. Die Spende sei vor einiger Zeit anonym eingegangen, hieß es. Jauch greift nicht zum ersten Mal für Potsdamer Wahrzeichen in seine Tasche. Dass er für das Fortuna-Portal des Schlosses gespendet hat, für den Kloebersaal im Marmorpalais, die Neptungrotte im Park von Sanssouci, das Belvedere auf dem Pfingstberg und den Stadtkanal, das ist bekannt.

Skandal angezettelt

Denkmalschutz ist eines von Jauchs Lieblingsthemen, wenn er nicht im Fernsehen den netten, jovialen Herrn gibt. Er ist auch ein Geschäftsmann, dessen breitgestreute Interessen manchen irritieren. Jauch firmiert als Quizmaster, Entertainer, Journalist, Werbeträger, Weinbergsbesitzer, TV-Produzent und eben auch als Potsdamer Immobilienunternehmer, der für seine Interessen kämpft und der sich einmischt.

Vor zehn Jahren zettelte er einen Skandal an. Damals bekam Jauch den Schinkelpreis der Denkmalpflege, und er nutzte die Gelegenheit zu einer Brandrede. Es sei ein Weckruf gewesen, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs – als sich der Rauch verzogen hatte.

Sozialistischer Realismus und barocke Pracht

Zuvor mussten die Stadtoberen verdauen, dass Jauch manchen in den Bau-Behörden Ungleichbehandlung, Willkür und Schikane vorgeworfen hatte. Der Unternehmer fühlte sich beim Verkauf von städtischen Immobilien benachteiligt. In seiner Dankesrede bemerkte er auch süffisant: „Ich will nicht verhehlen, dass ich eine Zeit lang bei den Behörden genau das Gegenteil beantragt habe, von dem was ich wollte. Es hat funktioniert.“ Jauch ist überzeugt, dass privater Denkmalschutz die Architektur rettet. Ein Jahr später erhielt er ausgerechnet von den harsch Kritisierten einen weiteren Preis: für die „Überwindung bürokratischer Hürden“.

Für die Garnisonkirche gibt es seit drei Jahren eine Baugenehmigung, in zwei Jahren erlischt sie. Der Wiederaufbau des Turmes würde 40 Millionen Euro kosten. Der goldene Turmschmuck liegt seit einiger Zeit an der Breiten Straße vor einem Rechenzentrum aus DDR-Zeiten. Die Preußen-Reliquien sind eingesperrt in einen Käfig wie konfisziertes Diebesgut. Sie passen schon jetzt nicht zu dem Mosaik „Der Mensch erobert den Kosmos“, das Fritz Eisel für das Gebäude dahinter schuf. Man kann absehen: Sozialistischer Realismus und barocke Pracht werden sich nie organisch verbinden. Aber vielleicht besteht gerade darin der Reiz.