Grace T. erlebte am Donnerstag schwere Stunden: Eine fremde Frau verschwand mitten in Potsdam einfach mit ihrer vier Monate alten Tochter Lani. 

Die Folge war ein Großeinsatz der Polizei mit Hubschraubern, Suchtrupps und Hunden. Einige Stunden später wurde die vermeintliche Helferin von der Polizei gefasst. Das Baby war unverletzt.

Am Freitag erzählt Grace T. der Berliner Zeitung ihre Geschichte. Die gebürtige Kenianerin, die seit mehr als zehn Jahren in Deutschland lebt, sei mit ihren drei Kindern in einem Supermarkt in der Nähe ihrer Wohnung einkaufen gewesen. Das sei natürlich stressig und anstrengend gewesen. Als sie von einer freundlichen und völlig normal wirkenden jungen Frau angesprochen wird, ob die ihr helfen dürfe, habe sie sich einfach gefreut. „Wir haben uns wirklich nett unterhalten. Ich habe ihr dann auch meine Nummer gegeben, als sie mich danach gefragt hat.“ Dann habe ihr die Frau auch geholfen, die Einkäufe nach Hause zu bringen.

Gemeinsam in der Wohnung

Zusammen gehen die Frauen mit den Kindern in die Wohnung. Während die Mutter in der Küche die Einkäufe auspackt, durchsucht die Unbekannte das Nebenzimmer. Als Grace T. die Geräusche hört und nachsieht, erklärt ihr die Frau, sie suche nur Babysachen. Lani, das Baby, brauche frische Luft, man könne doch einen Spaziergang machen. „Auch da bin ich noch nicht stutzig geworden.“ Als Grace T. in die Küche geht und weiter auspackt, schnappt sich die scheinbar so hilfsbereite junge Frau in einem unbeobachteten Moment die kleine Lani – und macht sich mit dem Kind aus dem Staub. Erst jetzt dämmert der Frau, dass etwas nicht in Ordnung ist. „Als ich gemerkt habe, was los ist, bin ich sofort losgerannt und habe meine Tochter und die Frau gesucht. Aber beide waren wie vom Erdboden verschluckt.“

Nachdem sie eine Stunde verzweifelt die Gegend abgesucht hat, alarmiert sie die Polizei. Die Großfahndung beginnt: mit Einsatzhundertschaft, Spürhunden und Hubschrauber. Einige Beamte bei bleiben bei Grace T. und betreuen die verzweifelte Frau. Um 20.15 Uhr klingelt das Telefon. „Da war diese Frau dran. Und hat gesagt, sie komme bald wieder nach Hause.“ Noch während des Telefonats verfolgen die Beamten das Gespräch zurück und können die Anruferin orten. Nur 20 Minuten später dann die erlösende Nachricht: Die Frau wurde in einem Einkaufszentrum geschnappt, die kleine Lani ist in Sicherheit. „Und dann haben die Polizisten mir gesagt, dass mein Kind in Hannover ist“, erzählt Grace T. Dorthin war die Frau geflüchtet.

Motiv völlig unklar

Das Motiv der Frau ist bislang völlig unklar. Es handelt sich nach Informationen dieser Zeitung um eine 19-Jährige ohne festen Wohnsitz, die bei wechselnden Freunden und Bekannten gewohnt haben soll. Zudem soll sie psychische Probleme haben. Ob sie schon mal straffällig wurde, ist nicht bekannt.
Die 19-Jährige wird nun nach Potsdam gebracht. Dann wird entschieden, ob sie in Untersuchungshaft kommt oder in eine geschlossene Klinik eingewiesen wird.
Das kleine Mädchen wurde direkt nach der Befreiung mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Zwar wurden bei einer ersten Untersuchungen keine offensichtlichen Verletzungen festgestellt. Dennoch entschieden die Ärzte, dass das erst vier Monate alte Kind noch eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik bleiben soll. Erst dann soll die kleine Lani wieder an ihre Eltern übergeben werden.