Seit dem 2. Februar gilt die Wolfsverordnung in Brandenburg - es ist die bundesweit erste. Sie legt auch fest, wann ein streng geschützter Wolf als „Problemtier“ eingestuft und geschossen werden darf. „Nun ist ein erster entsprechender Antrag von einem Nutztierhalter gestellt worden“, sagte Thomas Frey, Sprecher des Potsdamer Landesumweltamtes, das eine solche Ausnahmegenehmigung zum Abschuss erteilen muss.

„Der Antrag auf Entnahme eines Wolfs im Landkreis Potsdam-Mittelmark wurde geprüft und am 5. März abschlägig beantwortet“, sagte Frey.

Voraussetzungen nicht erfüllt

Wölfe können vom Umweltamt dann offiziell als „Problemwölfe“ eingestuft werden, wenn sie sich zu oft Nutztiere wie Schafe oder Kälber von den Weiden der Bauern holen oder wenn sie die natürlich Scheu vor Menschen verloren haben und sich in menschliches Siedlungen wagen.

Im aktuellen Fall  des Dobbrikower Rudels südlich von Beelitz wurde gar die „Entnahme“ des gesamten Rudels gefordert. Der Landwirt, der die Ausnahmegenehmigung beantragte, hat bereits zwei Tiere verloren. „Das Landesamt macht deutlich, dass die in der Wolfsverordnung genannten Voraussetzungen für das Töten oder Fangen eines Wolfs nicht gegeben waren“, sagte Frey. Denn die Wolfsrisse erfolgten im März und Oktober vergangenen Jahres.

Damals war die neue Wolfsverordnung aber noch gar nicht „rechtswirksam“  und kann also nicht herangezogen werden.

Bauern müssen erst Zäune bauen

Aber vor allem, müssen die Landwirte laut Verordnung vor dem möglichen Abschuss erst einmal gewisse Schutzvorkehrungen treffen.

„Erst wenn Wölfe mehrfach als wolfssicher anerkannte Zäune überwinden, kann die sogenannte Entnahme geprüft werden. Wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, können Wölfe auch nicht entnommen werden“, sagte Frey.

Der Tierhalter bekam vom Land Entschädigungen für seine getöteten Tiere von jeweils 800 Euro sowie 15.000 Euro für den Bau von Zäunen. Die stehen inzwischen und seither konnte auch kein Wolf mehr dort ein Tier reißen.

Erster Abschuss im Februar

Derzeit liegen drei Entnahme-Anträge beim Amt vor. Es ist übrigens in diesem Jahr bereits eine Abschussgenehmigung erteilt worden. Es gab einen an Räude erkrankten Wolf in Sachsen, der im Grenzgebiet zu Brandenburg auch  Haushunde angegriffen hat und sich Menschen bis auf wenige Meter näherte.

Für dieses Problemtier stelle das Potsdamer Landesumweltamt selbst vorsichtshalber einen Entnahme-Antrag. Doch das Tier kam nicht nach Brandenburg und wurde Anfang Februar in Sachsen geschossen.

Gegner rufen zu Wolfswachen

Die Wolfsgegner machen weiter gegen die international streng geschützten Tiere mobil. Am Freitag sind landesweit sogenannte Wolfswachen auf Weiden von Bauern geplant. „Es wird 20 im Land Brandenburg geben und eine sogar in Berlin, in Lübars“, sagte Reinhard Jung vom Bauernbund. „Im vergangenen Jahr waren es in Brandenburg acht Wolfswachen mit etwa 1000 Teilnehmern.“

Derzeit seien viele Leute vor Ort sehr motiviert. Die Gegner fordern die gezielte Dezimierung der Population. „Wenn wir es diesem Jahr nicht schaffen, die Anzahl der Wölfe zu begrenzen haben wir bald 1000 Wölfe bundesweit und das wäre für Weidetierhaltung katastrophal.“