Potsdam: Verhandlung um Sicherheitsverwahrung von Doppelmörder

Potsdam - Silvio S. ist ein Mörder. Er hat zwei Kinder sexuell missbraucht und getötet: den sechs Jahre alten Elias aus Potsdam und den vier Jahre alten Mohamed, ein Flüchtlingskind, das in Berlin verschwand. Die lebenslange Haft gegen den 35-Jährigen, ausgesprochen von der 1. Großen Strafkammer des Potsdamer Landgerichts vor knapp drei Jahren, ist bereits rechtskräftig. Ebenso die besondere Schwere der Schuld. Damit kann Silvio S. nicht nach 15 Jahren Haft auf Bewährung aus der Haft entlassen werden.

Verhandlung um anschließende Sicherungsverwahrung beginnt am 10. Mai

Doch das Urteil reichte Peter Petersen, dem Staatsanwalt in diesem Verfahren, nicht. Er legte gegen den Beschluss der erstinstanzlichen Kammer, keine anschließende Sicherungsverwahrung zu verhängen, Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Er gewann, und der BGH verwies den Fall im Juni 2017 zurück nach Potsdam.

Nun ist es offiziell: Wie eine Sprecherin des Landgerichts am Dienstag erklärte, wird die Verhandlung um die anschließende Sicherungsverwahrung gegen Silvio S. am 10. Mai dieses Jahres beginnen. Sie werde insgesamt drei Prozesstage dauern, sagte Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst. Verhandelt wird dabei über die Hintergründe, die zu einer Sicherungsverwahrung führen können.

Richter lehnten Sicherheitsverwahrung zuerst ab - BGH spricht von Fehler

Der gelernte Fliesenleger Silvio S., der noch bei seinen Eltern im brandenburgischen Dorf Kaltenborn bei Niedergörsdorf lebte, hatte im Juli 2015 den sechsjährigen Elias von einem Spielplatz in Potsdam entführt. Er fuhr mit dem Jungen an einen unbekannten Ort, er fesselte den Erstklässler, missbrauchte ihn und brachte das Kind um. Die Leiche verscharrte Silvio S. in seinem gepachteten Schrebergarten in Luckenwalde. Der vierjährige Flüchtlingsjunge Mohamed verschwand am 1. Oktober 2015 vom Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit. Silvio S. erschlich sich mit einem Kuscheltier das Vertrauen des zu dieser Zeit unbeaufsichtigten Jungen. Er fuhr mit dem Kind in sein Elternhaus. Dort missbrauchte und strangulierte er Mohamed. Die Leiche verbarg er in einer Plastik-Badewanne unter Katzenstreu.

Zwar verurteilten die Richter den zweifachen Mörder zu lebenslanger Haft und erkannten die Schwere der Schuld an, doch lehnten sie die anschließende Sicherungsverwahrung ab – weil sie keinen Hang zur Begehung weiterer schwerer Straftaten sahen. Dem konnte der BGH nicht folgen. Er sprach von Fehlern des Potsdamer Gerichts. So hätte die Kammer nicht ausreichend bewertet, dass Silvio S. beide Taten innerhalb sehr kurzer Zeit und zudem äußerst brutal verübt habe.

Gericht rechnet mit Medienandrang für Verfahren gegen Doppelmörder Silvio S.

Für Matthias Noll, den Anwalt von Silvio S., kommt eine Verhängung der Sicherungsverwahrung nicht infrage. Er hält sie sogar für sinnlos, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vollstreckt werden könne. Das neue Gericht müsse einen Hang für schwere Straftaten feststellen. Dies aber habe der psychiatrische Sachverständige ausgeschlossen. Zudem müsse es von einer Gefährlichkeit seines Mandanten ausgehen. Nach Nolls Worten warte Silvio S. in der sozialtherapeutischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel auf den Prozess. „Meinem Mandanten geht es den Umständen entsprechend gut“, so der Verteidiger. Silvio S. werde dort auch nicht angefeindet.

Verhandelt wird nun vor der 5. Großen Strafkammer. Vorsitzender Richter ist Klaus Feldmann. Der 52-Jährige führt derzeit auch den neuen Prozess gegen den einstigen NPD-Funktionär Maik Schneider wegen schwerer Brandstiftung. Schneider soll für den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen verantwortlich sein. Für das Verfahren gegen den Doppelmörder Silvio S. wird wieder mit einem enormen Medienandrang gerechnet. Eine Entscheidung will das Gericht am 24. Mai verkünden.