Der Souvenirshop im ersten Stock steht leer, im Untergeschoss hat die Dönerbude ihre Rolladen geschlossen. Und im Erdgeschoss, eigentlich in bester Lage, sind die Fronten von mehreren Geschäften mit Werbung plakatiert, um die gähnende Leere dahinter zu verbergen. 20 Jahre sind die Potsdamer Platz Arkaden alt, bei ihrer Eröffnung 1998 setzten sie neue Standards und weckten große Hoffnung. Jetzt aber scheint das betagte Einkaufszentrum den Kampf gegen die jüngere, glänzendere „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz verloren zu haben. Es blutet langsam aus. Zurzeit sind 14 Prozent der Fläche nicht belegt.

In den Potsdamer Platz Arkaden "ist alles tot"

„Hier ist alles tot“, sagt Eduardo Noriega. Er arbeitet als Hausmeister direkt in der Nähe und verbringt seit Jahren fast jede Mittagspause in den Arkaden. Früher hat er das genossen: Auf einer der mit Leder gepolsterten Bänke im Erdgeschoss zu sitzen und die vorbeitreibenden Kauflustigen zu beobachten. Spätestens aber, seit im Herbst 2014 die „Mall of Berlin“ eröffnet habe, schließe am Potsdamer Platz ein Geschäft nach dem anderen. „Die Leute kommen nur noch, wenn es draußen regnet“, sagt Noriega. Es fehle an qualitativ guten Restaurants, noch mehr aber an Atmosphäre und Lebendigkeit, findet er. Rein, das Nötigste einkaufen, schnell wieder raus, das sei hier das Motto.

„Die Shopping-Welt hat sich gewandelt“

Das zuständige Unternehmen ECE Projektmanagement will das jetzt mit einem Umbau und einer Kompletterneuerung der Arkaden ändern. Der europäische Marktführer in der Planung und Betreuung von Einkaufszentren handelt dabei im Auftrag des kanadischen Investors Brookfield Properties, der 2016 für mehr als eine Milliarde Euro große Teile des Potsdamer Platzes aufkaufte. „Nach 20 Jahren ist das nötig“, sagt ECE-Sprecher Lukas Nemela. „Die Shopping-Welt hat sich gewandelt.“ In den 90ern habe ganz das Einkaufen im Fokus gestanden – heute gehe es immer mehr um das Erleben drumherum. Mit Blick auf die Renovierung erklärt Nemela auch den aktuellen Leerstand: Man habe schon früh einige Mietverträge nicht verlängert.

East Side Mall: So sieht Berlins 69. Shopping-Mall aus!

Nach der gerade bekanntgegebenen Planung wird die Ladenstraße im Obergeschoss entfernt, auf den insgesamt 40.000 Quadratmetern Fläche soll die Zahl der Läden von 130 auf 90 schrumpfen. Große Player, sogenannte Flagship-Stores, erhalten so mehr Platz: Ihre Glasfassaden sollen in Zukunft über zwei oder sogar drei Stockwerke reichen. Als Herzstück der neuen Arkaden ist ein gehobener Restaurantbereich geplant – eine zentrale Markthalle mit 5.500 Quadratmetern Fläche. Die dunklen Holzbänke in den Gängen werden durch Lounge-Bereiche ersetzt, die Beleuchtung wechselt von Neon auf Natur.

Inhaltlich soll das breite Spektrum des Angebots von günstig bis leicht gehoben wie bisher erhalten bleiben, versichert Nemela, einige Premiummarken sollen allerdings neu eingekauft werden. Angekündigt sind außerdem Erweiterungen in den Bereichen „Entertainment“ und „Leisure“. Denkbar seien hier zum Beispiel ein Jumphouse mit Riesen-Trampolinen oder eine Kletterwand, so Nemela. Ein Kino mache wegen doppelter Konkurrenz in minimaler Distanz hingegen wenig Sinn. Noch aber stehe nichts fest – konkrete Gespräche mit neuen Kunden seien gerade erst gestartet.

Nicht der einzige radikale Umbau in Berliner Malls

Noch 2019 soll die radikale Modernisierungskur im laufenden Betrieb beginnen. Wie viel Brookfield Properties sich den Umbau kosten lässt, verrät das Unternehmen nicht.
Es wird nicht der einzige radikale Umbau in Berliner Malls bleiben, das ist schon jetzt abzusehen. Viele Shoppingcenter in der Hauptstadt stammen wie die Arkaden am Potsdamer Platz noch aus den 90er-Jahren. „Da gab es einen richtigen Boom“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Berlin-Brandenburg. „Viele dieser Häuser kommen jetzt in das Alter, wieder hergerichtet werden zu müssen.“

Ein letzter, großer Neubau am Pankower Tor ist bereits geplant und bekannt. Ansonsten aber sieht Busch-Petersen Berlin mit dann 70 Shoppingcentern am Scheitelpunkt angekommen. Er geht davon aus, dass nach dem umstrittenen neuen Center in Pankow Bilanz gezogen und in einigen, weniger rentablen Häusern die Türen unter Umständen ganz geschlossen werden. “Zwischen 65 und 70“ schätzt Busch-Petersen die Zahl der überlebenden Einkaufszentren am Ende der Konsolidierung.

Mit dem beherzten Umbau, glaubt Busch-Petersen, seien die Potsdamer Platz Arkaden dann auf der sicheren Seite – auch wenn die Konkurrenz am Leipziger Platz weiter lockt. Mit dem Fokus auf Restaurants und vor allem einem starken Eingriff in die Architektur habe ECE die richtigen Entscheidungen getroffen. Na dann: Vielleicht auf weitere 20 Jahre.