Sollte es noch Zweifel geben an der großen kulturellen Integrationskraft Berlins, am Mittwoch wurden sie am Potsdamer Platz erneut ausgeräumt. Mehrere Hundert Südkoreaner drängten sich im krachledernen Ambiente eines Bierzeltes namens „Salzburger Hütte“ in der so genannten Winterwelt. Sie tranken Prosecco statt Bier, lauschten koreanischen Klängen statt Blasmusik und danach den Reden zur Einweihung eines Pavillons. Dieser pittoreske sechseckige Bau steht am Rande des Tilla-Durieux-Parks, derzeit verdeckt von der Kunstschnee-Rodelbahn. Erst wenn die im neuen Jahr verschwunden ist, wird der Bau tatsächlich wirken können.

Standort und Zeitpunkt der Einweihung des „Pavillons der Einheit“ seien bewusst gewählt, betonte der südkoreanische Botschafter Lee Kyung Soo. Der Potsdamer Platz sei ein bewegender Ort, der für vieles gleichzeitig stehe: für Kriegszerstörung und Wiederaufbau, für die Teilung Deutschlands und deren Überwindung. Der koreanische Bau stehe nun an einem Platz, „an dem die Spur der Mauer noch wie eine Narbe verläuft“. Der Pavillon sei gedacht als eine Stätte der Besinnung, um an den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland zu erinnern, aber gleichzeitig auch um dazu anzuregen, sich der seit 70 Jahren bestehenden Teilung Koreas bewusst zu werden.

Deutschland als Vorbild

Auch diese Spaltung in zwei Staaten ist eine Folge des Zweiten Weltkriegs, wie es die deutsche war. Nach der Kapitulation Japans besetzten die Alliierten die 1910 von Japan annektierte koreanische Halbinsel. Der UN-Treuhandrat übertrug 1945 zum Missfallen der Koreaner die Verwaltung den USA und der Sowjetunion, die das Land am 38. Breitengrad unter sich aufteilten. Im Juni 1950 versuchte Nordkorea durch einen militärischen Überfall auf den Süden die Vereinigung des Landes gewaltsam zu erzwingen. Drei Jahre später war dieser Versuch gescheitert, das Land ist bis heute geteilt. Er hoffe jedoch, so der Botschafter, dass eine friedliche Wiedervereinigung auch in Korea gelingen könne. Deutschland sei da ein Vorbild.

Der auf Granitsäulen ruhende Holz-Pavillon am Potsdamer Platz ist ein Nachbau. Das Original steht in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in den Anlagen eines Palastes aus dem Joseon-Reich (1392–1910), der seit 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Dort jedoch muss der Pavillon ein völlig anderes Bild bieten als in Berlin. Zwischen Laub- und Obstbäumen in seiner Nähe blühen je nach Jahreszeit Blumen und reifen Früchte, schreibt die Architektin Cho In Souk in einem Informations-Material. Koreanische Pavillons würden an Stellen errichtet, an denen man die Natur in ihrem ursprünglichen Zustand auf sich wirken lassen könne.

In Berlin hingegen überwiegt zwischen den Neubauten die politische Botschaft. Verstärkt wird sie noch durch drei originale Mauerteile, die mit Erklärungen in Deutsch und Englisch entlang des historischen Grenzverlaufs wieder aufgestellt worden sind.