Berlin - Die einen lieben und füttern sie, für andere sind sie „fliegende Ratten“: Stadttauben. Auf dem Potsdamer Platz in Berlin bekommen sie nun eine luxuriöse Herberge auf einem Hochhaus. So soll der bei Touristen beliebte Platz langfristig vom Taubendreck befreit und der Bestand der Tiere eingedämmt werden, hoffen die Initiatoren von der Potsdamer Platz Management GmbH (PPMG). Aus Sicht von Tierschützern sind Taubenhäuser die sinnvollste Methode, Taubenprobleme zu lösen. „Luxus wie dieser muss aber nicht sein“, sagt die Tiermedizinerin Almut Malone mit Blick auf das aktuelle Projekt.

Ein Architektenbüro hat den Luxus-Taubenschlag in Form einer ruhenden Taube entworfen, eine Metallbaufirma hat die Stahlkonstruktion mit Aluminium- und Glasverkleidung gebaut. Sie ist acht Meter lang, fünf Meter breit und vier Meter hoch. 68 Nistplätze sind hier untergebracht. Die Tauben sollen gezielt angesiedelt und gefüttert werden. Ihre Eier werden gegen falsche Kunststoff-Eier ausgetauscht. So könne der Bestand schonend reduziert werden, sagte Stefanie Eschen, Sprecherin des Tierschutzvereins, der Projektpartner der PPMG ist. Am Donnerstag soll das „Tauben-Loft“ offiziell eröffnet werden.

Da die Tiere sich am liebsten im Schlag aufhalten und dort auch den Großteil des Kots hinterlassen, soll die Umgebung künftig weitgehend verschont bleiben. Pro Taube fallen schließlich etwa zehn Kilo Dreck pro Jahr an. Eine Mitarbeiterin werde die Tiere füttern, das Haus reinigen und die Eier austauschen, sagte Eschen. Bereits 2007 habe der Verein auf seinem eigenen Gelände ein Muster-Taubenhaus gebaut.

Ein Taubenhaus mit Strahlkraft

In Berlin gibt es darüber hinaus noch weitere betreute Taubenhäuser, die von Almut Malone und dem früheren Tierschutzbeauftragten Klaus Lüdcke initiiert wurden. Dazu zählen vier Taubenschläge in Reinickendorf und einer in Spandau. Letzterer ist ein Keller einer Bibliothek und wurde bereits zuvor von Tauben genutzt. Diese wilde Nutzung werde aber nun kontrolliert, sagte Malone. Auch am Kottbusser Tor in Kreuzberg gebe es nun einen betreuten Taubenschlag. Gepflegt werden diese Herbergen von verschiedenen Qualifizierung-Trägern.

In etwa 60 deutschen Städten hätten sich derartige Tauben-Unterkünfte bewährt, sagt Malone. Modellhaft sei die Stadt Augsburg, die sogar einen eigenen Taubenwärter bezahle. Die Kosten für die Häuser und die Betreuung seien nicht höher als die für die Reinigung des Taubendrecks und den Bau von Vergrämungsanlagen, die die Vögel am Niederlassen hindern.

„In Berlin leben schätzungsweise 10.000 Tauben“, sagt Lüdcke mit Verweis auf Zählungen des Naturschutzbundes. Als Brennpunkte gelten Bahnhöfe, da die Tauben dort zumeist gute Bedingungen finden. Lüdcke, der das Amt jetzt kommissarisch fortführt, ist im Gespräch mit der Deutschen Bahn. Er hoffe, dass nun auch das Unternehmen aktiv wird - und dass das Luxus-Taubenhaus am Potsdamer Platz in dieser Hinsicht eine positive Strahlkraft habe. (dpa)