Auch das Potsdamer Landesparlament hat sich am Mittwochmorgen – vor der Aufsichtsratssitzung – in einer Aktuellen Stunde mit dem Dauerproblemfall BER beschäftigt. Dort wandte sich Helmut Barthel für die mit den Linken regierende SPD  ausdrücklich gegen einen Rauswurf des Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld. „Die Ablösung  halten wir für einen ungeeigneten Schritt, um die Probleme am Flughafen in den Griff zu bekommen“, sagte er. Die bisherigen Personalwechsel hätten auch nicht den erhofften Erfolg gehabt. Denn jeder Rauswurf sei  zwangsläufig immer mit einem Wissensverlust verbunden. Dies wäre auch bei  Mühlenfeld der Fall. „Das würde für  weitere Verzögerungen sorgen“, sagte Barthel.

Gegen Kandidat des Bundes

Seit Tagen wird über die Ablösung diskutiert und Rainer Bomba (CDU) ins Spiel gebracht, der derzeit Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist und bereits seit Jahren als Vertreter des Bundes im BER-Aufsichtsrat sitzt. Barthel schoss nun eindeutig gegen diesen Kandidaten und sagte: „Es wird sich nicht im Handumdrehen ein geeigneter Nachfolger finden lassen, der  nicht verantwortlich involviert ist und der dem hohen öffentlichen Erwartungsdruck stand hält.“ Wichtig seien nun Ruhe und Zuverlässigkeit.

Auch die mitregierende Linke stellte sich hinter Mühlenfeld, auch wenn es am BER „wenig Licht und viel Schatten“ gibt, wie der Abgeordnete Matthias Loehr sagte. Wichtig sei, dass alles getan werden müsse, damit der neue Flughafen  im Jahr 2018 eröffnen kann. „Wäre dafür ein Wechsel an der Spritze dienlich?“, fragte er. „Ich glaube nicht.“

Rainer Genilke von der oppositionellen CDU sagte, dass er sich sicher sei, dass der BER nicht wie aktuell versprochen 2018 öffnen werde. Er geht davon aus, dass es auch nicht mehr  in der aktuellen Legislaturperiode im Land Brandenburg geschehen wird, die im Herbst 2019 endet.  „Wir beschäftigen uns nicht mit den Mängeln, sondern damit, ob wir einen neuen Technikchef brauchen“, sagte er. „Das ist Kindergarten.“

Die Freien Wähler fordern, dass nicht nur über die Ablösung des Geschäftsführers debattiert wird. „Der Aufsichtsrat muss auf dem Prüfstand“, sagte der Abgeordnete Péter Vida. Die Entwicklung am BER gleiche einem Totalversagen und die Personaldebatten sollen nur von den Problemen bei der Fertigstellung ablenken. Er forderte, dass auch die Politiker beider Landesregierungen im Aufsichtsrat zur Verantwortung gezogen werden, denn sie seien für die Einsetzung des Führungspersonals verantwortlich. „Wenn das Personal versagt, muss auch derjenige auf den Prüfstand, der das Personal ausgesucht hat.“

Keine Einstellung des Baus

Der BER-Koordinator der Landesregierung Rainer Brettschneider wandte sich gegen die wiederholten Forderungen, den Bau  ganz einzustellen. „Ein Ende des Projektes löst keines der Verkehrsproblem. Wir hätten dann zwei völlig überlaste Flughäfen und Schulden in Milliardenhöhe.“