Seit einigen Jahren existiert ein neues Schlagwort im Hochschulsystem. Die Rede ist von der „Third Mission“, der dritten Aufgabe. Neben Lehre und Forschung sollen Hochschulen auch ihre gesellschaftliche Verpflichtung erfüllen, indem sie mit Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Einrichtungen zusammenarbeiten. Die dritte Mission kennzeichnet die Erwartung, dass Universitäten und Fachhochschulen ihr Wissen mit der Gesellschaft teilen und gemeinsam mit ihr weiterentwickeln.

Wie aber sehen die Vorstellungen von der dritten Mission genau aus? Und auf welche Weise unterscheiden sie sich nach nationalem Hintergrund und länderspezifischen Herausforderungen? In der letzten Woche wurde eine durch die Körber-Stiftung beauftragte Studie des in Oslo lehrenden Bildungsforschers Peter Maassen vorgestellt, die sich mit der dritten Mission befasst.

Sie untersucht die Formen öffentlichen hochschulischen Engagements in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Japan, Südafrika und Chile. Bei der Lektüre wird schnell sichtbar, dass die Situation in den einzelnen Ländern sehr verschieden ist. Das Konzept der dritten Mission entstand zunächst dort, wo Hochschulen durch Gebühren und Stiftungsvermögen privat finanziert sind. In Großbritannien, aber auch den USA, sollte der Wissenstransfer eine drohende Isolation der Universitäten verhindern.

Durch verstärktes soziales Engagement und wirtschaftliche Zusammenarbeit wollten die Hochschulen den Austausch mit der Gesellschaft verstärken. Nicht mehr im elitären Elfenbeinturm forschen, sondern öffentlich wirksam werden – das war die Devise. Heute ist die dritte Mission für zahlreiche Länder ein Konzept, das Hochschulen den Wissenstransfer in unterschiedlichste Sektoren ermöglicht. Dabei spielen politische und gesellschaftliche Herausforderungen eine wichtige Rolle. Für Gesellschaften mit hoher sozioökonomischer Ungleichheit wie Chile und Südafrika bedeutet das, durch Wissenserwerb mehr Chancengleichheit herzustellen.

Das Konzept der „offenen Wissenschaft“ gehört zu der dritten Mission 

Im Vereinigten Königreich hat die dritte Mission dagegen eine primär wirtschaftliche Dimension, verbunden mit der Forderung, dass Wissenschaft direkte Effekte erzielen müsse. Diese neoliberale Position spielt auch in Deutschland mit seinem öffentlich finanzierten Bildungssystem eine zunehmende Rolle. Das in höhere Bildung investierte Geld sollte, so das Credo, effizient eingesetzt und durch zusätzliche Budgeteinwerbungen vermehrt werden.

Hochschulen müssten sich Projektpartner in der Wirtschaft suchen und der Gesellschaft im Sinne einer Bringschuld erklären, was sie tun. Neue Herausforderungen für das Hochschulsystem ergeben sich auch aus der Digitalisierung. Zur dritten Mission gehört mittlerweile das Konzept der „offenen Wissenschaft“, die in ihre Arbeitsprozesse, Hypothesen und Experimente Einblick vermittelt, ehe das fertige Ergebnis eines Projekts vorliegt. Aus dem Transfer wird damit ein Austausch, der gemeinsame Problemlösungen ermöglichen soll.

Erfolgreich ist die offene Wissenschaft aber nur, wenn der Dialog über akute Forschungsfragen mit Experten und nicht mit Halbgebildeten geführt wird. Die „Demokratisierung des Wissen“ hat dort ihre Grenze, wo man das Kompetenzprinzip in Frage stellt. Denn nicht alles, was zur Wissenschaft gehört, kann mit allen geteilt werden.