Welche Sinn haben heute eigentlich Wettbewerbe – es nehmen sehr viele Leute daran teil, viel Kreativität und Arbeitskraft wird investiert, und wenn’s gut geht, erhält am Ende ein Architekturbüro einen Auftrag. Also, warum ein Wettbewerb?

Architekten haben ja ganz unterschiedliche Gründe, an einem Wettbewerb teilzunehmen: Junge Büros wollen zeigen, was sie können, erfahrene ihre Stellung behaupten, Neues ausprobieren. Generell sind Wettbewerbe die beste Form der Ermittlung des besten Ergebnisses. Die Frage ist, wie ein Wettbewerb organisiert wird, wer in der Jury sitzt, wie die Ausschreibung ausgesehen hat.

Aber wir haben viele gute Architekturen ohne jeden Wettbewerb wie die Erweiterung des Zeughauses durch I.M. Pei – und viele Arbeiten, die aus Wettbewerben hervorgegangen sind und wenig befriedigen, wie die Hotels am Hauptbahnhof.

Davor ist man nicht gefeit, auch nicht mit einer guten Jury. Wir sind alle Menschen – und die Jury kann nur aus dem auswählen, was ihr vorgelegt wird. Und immer wieder sind darunter Entwürfe, die in die Zukunft weisen – die Philharmonie von Hans Scharoun etwa.

Im aktuellen Wettbewerb kannte die Jury die Namen der Architekten. Hat da die Prominenz eine Rolle gespielt?

Selbstverständlich wurde darüber geredet. Aber ich glaube nicht, dass der bekannte Name einiger Architekten letztlich ausschlaggebend war. Es ging um die Qualität. Außerdem, das ist das Schöne am BDA-Preis: Keinen Preis zu bekommen heißt ja nicht, dass man ein schlechter Architekt ist. Man hat sich nur nicht durchsetzen können gegenüber anderen guten Architekten.

Preis mit hoher Bedeutung

Welche Bedeutung hat der BDA-Preis – es gibt ja auch noch den Architekturpreis Berlin?

Ich glaube, eine sehr hohe. Berlin ist ein beschränktes Gebiet, es gibt heftige Konkurrenz unter den Architekten – da hat so ein Preis schon eine Ausstrahlung.

Was heißt eigentlich Qualität in der Architektur?

Alle Projekte haben etwas damit zu tun, dass sie sich um die Definition von Orten über die Architektur kümmern, mit Konzepten, Funktionen, Ästhetik.

Welcher Entwurf fiele Ihnen da besonders ein?

Das Lokdepot. Das geht schon an die Grenze mit dieser roten Farbe, die aus dem industriellen Lokdepot kommt, mit der Anordnung der Wohnungen, der industriellen Anmutung und der Zusammensetzung derjenigen, die da wohnen. Sehr interessant.

Warum haben Sie Chipperfield einen ersten Preis gegeben – ist der nicht schon berühmt genug?

Das ist ein Entwurf der mir sehr gefällt. Chipperfield löst das Thema einer innerstädtischen Brache ganz eigenständig, schließt nicht einfach den Block, sondern arbeitet sich aus dem Block heraus nach vorne. Das gibt eine Spannung, die uns etwas bedeutet hat.

Es wurde nicht nur renoviert

Im CO-Berlin, dem Amerika-Haus, ist doch eigentlich nur renoviert worden…

Da ist durchaus mehr geschehen. Das ist konzeptuell sehr durchdacht. Der Umgang mit den älteren Elementen, der freigelegten Lichtschiene, der Stahlbetondecke, die eingezogene Wand, die das Café vom Museum abgrenzt – da sieht man, dass Moderne auch sehr gut altern kann, keine Wegwerfware ist.

Wird das Projekt von Thinkbuild auch gut altern, das Krankenhausprojekt?

Das ist da gar nicht das Thema. Es geht darum, dass die Architektur an dem Heilprozess in der Klinik mitarbeiten soll, mit Farben, Formen, Ausblicken.

Im Wedding haben sie eine Architektur aus Palettenholz ausgezeichnet. Auch der Publikumspreis ging dorthin. Was fasziniert so an diesem Einfach-Bau?

Ich glaube, das ist eine Architektur, die ganz nah an den Menschen ist. Unauffällig, aber sie integriert sich. Ich fahre da öfter vorbei, und das ist schon spannend, wie da das Gärtnern zu einem städtischen Thema gemacht wird.

Warum hat die Jury so viele Preise vergeben, nicht nur einen ersten Preis und einen zweiten?

Es geht darum, der sehr erfreulichen Vielfalt der Architekturproduktion in Berlin und den verschiedenen Aufgaben gerecht zu werden.

Ist das alles denn nun berlinische Architektur?

Das sind sehr individuelle Projekte, die ganz unterschiedlich die Aufgaben und die Orte angesehen, Und das ist es doch, was Architektur in Berlin auszeichnet.

Die Fragen stellte Nikolaus Bernau.