Ein Mann bekommt einen Preis dafür, dass er ein Jahr Elternzeit nimmt, damit seine Frau ihren Job machen kann – diese Nachricht sorgte in der vergangenen Woche für einen Eklat. Es ging um einen Preis für den Spitzenvater des Jahres. In diesem Jahr ging der Preis an Daniel Eich, den Mann der Astronautin Insa Thiele-Eich. Während sich seine Frau auf ihren ersten Flug ins Weltall im nächsten Jahr vorbereitet, wird sich Eich um das dritte gemeinsame Kind kümmern.

Spitzenvater des Jahres: Das Internet explodierte vor Wut

Der Preis mit einer Prämie in Höhe von fünftausend Euro wird seit 14 Jahren verliehen, auch der Ehemann von BVG-Chefin Sigrid Nikutta, Christoph Mönnikes, ist einer der Preisträger, aber noch nie war die Aufregung so groß. Das Internet explodierte vor Wut und Häme. Tausende Frauen und Männer regten sich drüber auf, dass ein Mann für etwas belohnt werde, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, andere forderten Preise für Mütter.

„Gut, dass Sie’s machen. Aber von mir gibt es keinen Preis dafür, dass sich ein Vater um seine Kinder kümmert. Oder Hausarbeit macht. Oder kocht“, schrieb eine Frau auf Twitter. „Mein Mann hat ein Jahr Elternzeit genommen, jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht ins All geflogen bin“, schrieb eine andere Frau. „Habe eine Maschinenwäsche angemacht und will jetzt einen Preis als Spitzenfrau des Jahres“, schrieb eine andere Frau. Ein Mann kommentierte: „Was ich nicht so ganz verstanden habe: Wo bleiben die 5000 Euro für die meisten Mütter, die Elternzeit nehmen und dafür Karriere auf Eis legen bzw. aufs Spiel setzen?“

Die Aufregung um diesen Spitzenvater wirkt verlogen

Ich möchte auch keinen Preis als Mutter, und Preise fürs Gebären: Das hatten wir alles schon. Und das ist vielleicht der Grund, warum wir bis heute so ein schräges Mutterbild haben. Ich möchte Zeit für meine Kinder, gute Kitas, Schulen und Ärzte.

Ich kann verstehen, dass es wütend machen kann, wie unterschiedlich Mütter und Väter wahrgenommen werden, trotzdem wirkt die Aufregung um diesen Preis verlogen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Väter Elternzeit nehmen, schon gar nicht ein ganzes Jahr. Inzwischen nimmt im Schnitt jeder dritte Vater eine Auszeit nach der Geburt eines Kindes, die meisten davon acht Wochen, die oft für einen gemeinsamen Familienurlaub genutzt werden. Die Norm ist immer noch, dass Frauen zwölf Monate Elternzeit nehmen, eine Norm, die oft von Frauen eingefordert wird. „Ich will mir diese erste besondere Zeit nicht nehmen lassen“, sagte eine Freundin einmal zu mir.

Frauen, die kurze Elternzeit nehmen, werden oft als Rabenmütter stigmatisiert

Es gibt eine Studie vom Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung, die zeigt, dass Männer, die Elternzeit nehmen, sich auch später mehr im Haushalt einbringen. Statt sich über eine einzelne Familie aufzuregen – sollte man nicht drüber nachdenken, wie man mehr Väter dazu ermuntert, Elternzeit zu nehmen? Und wenn das ein Preis ist, warum nicht?

Dass die Gefühle so hoch schlagen, deutet auf eine tiefere Ungerechtigkeit: Frauen, die gerade nicht ins Weltall fliegen und eine kurze Elternzeit nehmen, werden oft als Rabenmütter stigmatisiert und benachteiligt. Das hat eine kürzlich veröffentlichte Studie des Wissenschaftszentrums Berlin bewiesen. Mütter, die nur zwei Monate Elternzeit genommen haben, im Vergleich zu Müttern, die zwölf Monate Elternzeit genommen haben, wurden laut Studie deutlich seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Vielleicht sollten mehr Frauen ins All fliegen.