Berlin - An der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule in Moabit weist der Speiseplan heute keine besonderen kulinarischen Höhepunkte auf. Die Schüler haben die Wahl zwischen leicht verkochten Kartoffeln mit Quark oder leicht verkochten Kartoffeln mit Fischbulette und grünen Bohnen. Als Mensa dienen den Schülern drei kleine gelblich gestrichene Räume und ein weißer Containerbau auf dem Schulhof. Die Schüler haben zum Essen nur wenig Zeit, schon rückt die nächste Klasse an. Insgesamt wird im Vier-Schicht-Modus gegessen.

Vor dieser Kulisse plädierte Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch am Mittwoch für eine soziale Staffelung der Elternbeiträge fürs Schulessen. Wer ein Haushaltsbruttoeinkommen von gut 50 000 Euro hat, dessen Beitrag soll anteilig um 10 bis 15 Prozent höher liegen als es die vom Senat beschlossene Neuregelung vorsieht. Dafür könnten die Beiträge für ärmere Familien, die keine Hilfen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes erhalten, abgesenkt werden.

Der Senat und die Koalitionsfraktionen lehnen hingegen eine soziale Staffelung der Essenpreise wegen des damit verbundenen bürokratischen Aufwandes ab. Das Gesetz wird am heutigen Donnerstag im Bildungsausschuss beraten. Statt 23 Euro sollen Eltern ab Februar 2014 monatlich 37 Euro für das Grundschulessen bezahlen. 3,25 statt 2 Euro kostet eine Portion dann, der Elternanteil soll nach dem Willen des Senats wie bisher bei 70 Prozent liegen, das Land gibt 30 Prozent. Die Oberschulen, die in Berlin nicht staatlich subventioniert werden, bleiben bei dieser Neuregelung außen vor, allerdings dürften die Caterer in der Folge auch dort höhere Preise verlangen.

Bio-Anteil von 15 Prozent

Inzwischen stehen auch die Musterverträge für die ab August anstehenden Neuausschreibungen weitgehend fest. Demnach wird ein Bio-Anteil von mindestens 15 Prozent für das Essen festgelegt, wie Ulrich Davids (SPD), Schulstadtrat in Mitte, bestätigte. Das ist deutlich weniger als in Steglitz-Zehlendorf, wo derzeit ein Bio-Anteil von 30 Prozent vorgeschrieben ist. Generell sollen die Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gelten. So würde im Schulessen täglich Obst oder Rohkost enthalten sein, die Speisen würden weniger frittiert sein, eher gegart.

„Wir haben mit unseren Auftraggebern vereinbart, dass noch laufende Verträge zum Februar 2014 vorzeitig gekündigt werden“, sagte Rolf Hopp vom Berliner Verband der Schulcaterer. Allerdings laufen in vier Bezirken die Essenverträge bereits zu Beginn des kommenden Schuljahres aus, also im August. Der Bezirk Mitte hat bereits vereinbart, in dieser Übergangszeit statt der dort bisher üblichen 2 Euro nun 2,50 Euro pro Portion zu zahlen. Für 90 Schultage. „Das kostet uns 250 000 Euro zusätzlich“, sagte Stadtrat Davids. Auch Marzahn-Hellersdorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg stehen deshalb in Verhandlungen. Man werde eine Rückerstattung des Geldes bei der Finanzverwaltung beantragen, sagte Davids. Alle anderen Bezirke stellen die Verträge einfach zum 1. Februar 2014 um.

Streit um die Kosten für das Essen

Ein weiterer Streitpunkt zeichnet sich bereits zwischen Senat und Caterern ab. Wie viel von dem Geld landet tatsächlich auf dem Teller und geht nicht für Personal, Transport oder Firmengewinn drauf? Rolf Hoppe vom Catererverband will künftig zwischen 33 und 50 Prozent der Eltern- und Landeszuschüsse für die Esswaren ausgeben, wie er am Mittwoch sagte. Die Bildungsverwaltung verweist hingegen darauf, dass „bundesweit ein geldwerter Wareneinsatz von 50 Prozent beim Schulmittagessen angesetzt“ wird. Erika Takano-Forck von der AG Schulessen des Landeselternausschusses verwies darauf, dass auch die besten Zutaten nichts nützen, wenn das Essen verkocht ankommt. Deshalb sollten Caterer qualifiziertes Personal einstellen und den vorgeschriebenen Mindestlohn auch tatsächlich zahlen.