Der Wettbewerb im Berliner Luftverkehr wird härter – und die Preise sinken. Seit einiger Zeit profitiert die Lufthansa davon, dass nach der Air-Berlin-Pleite die Nachfrage nach ihren Flügen gestiegen ist. Doch bald wird der Kundschaft eine neue Alternative geboten – noch dazu in Berlin-Tegel, wo die Lufthansa derzeit die größte Airline ist.

Die britische Fluggesellschaft Easyjet gab am Mittwoch bekannt, dass sie am 5. Januar den Linienflugbetrieb von und nach Tegel aufnehmen wird. Auf 15 internationalen und vier innerdeutschen Routen greift Easyjet die Konkurrenz an.

Bis zu 15 Millionen Fluggäste

In Tegel trumpft das Unternehmen, das mit niedrigen Flugpreisen wirbt, mächtig auf. Easyjet hat sich die vier am stärksten genutzten innerdeutschen Flugstrecken ausgesucht. 102 Mal pro Woche fliegen die orangerot und weiß lackierten Maschinen von Tegel nach München. Nach Frankfurt am Main gibt es 68 Flüge pro Woche, nach Stuttgart 54 und nach Düsseldorf 26 Flüge wöchentlich.

Zu den Zielen im Ausland, die Easyjet von TXL ansteuert, gehören Budapest, Kopenhagen, Palma de Mallorca, Paris, Rom, Stockholm, Tel Aviv, Wien und Zürich. Fast eine Million Tickets stehen für die Tegel-Flüge bis zum 24. März zum Verkauf, teilte die Airline mit. Die Preise beginnen bei 42,29 Euro pro Person und Weg. 2018 soll das Angebot weiter verbessert werden.

Tarifverträge für Easyjet-Mitarbeiter

Bislang ist Easyjet in Berlin ausschließlich in Schönefeld vertreten – seit 2004. Von dort werden derzeit 51 Strecken bedient. Zuletzt beförderte die Fluggesellschaft pro Jahr 5,3 Millionen Menschen von und nach Berlin. Trotz des Versprechens niedriger Preise und des großen Kostendrucks in der Low-Cost-Branche gilt Easyjet als fairer Arbeitgeber.

Das Personal werde besser bezahlt und behandelt als zum Beispiel beim irischen Konkurrenten Ryanair, der ebenfalls in Schönefeld stark vertreten ist, sagte Holger Rößler, der bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Berlin und Brandenburg für den Flugverkehr zuständig ist. Ebenfalls anders als bei Ryanair gibt es für Easyjet-Mitarbeiter in Schönefeld Tarifverträge.

Maschinen werden ausgelagert

Nach Informationen der Berliner Zeitung will Easyjet in Tegel zunächst mit zwölf Flugzeugen beginnen. Davon gehören drei der Fluggesellschaft, die anderen sollen im sogenannten Wet-Lease-Verfahren von anderen Unternehmen einschließlich Personal angemietet werden. Dem Vernehmen nach der Anteil der gemieteten Flugzeuge in den kommenden Monaten sinken.

Vom Sommer 2018 will Easyjet von Tegel aus insgesamt 25 Flugzeuge betreiben. Da in Tegel allerdings nicht genug Stellplätze für einen Aufenthalt über Nacht zur Verfügung stehen, sollen bis zu sieben Maschinen woanders übernachten, unter anderem in Wien und Zürich.

Für Geschäftsreisende interessant

Beobachter halten es für möglich, dass die britische Airline die Zahl ihrer Passagiere von und nach Berlin relativ bald auf rund 15 Millionen pro Jahr verdreifacht. Das wäre rund die Hälfte des Fluggastaufkommens von und nach Berlin. Im Durchschnitt seien die Flugzeuge zu 90 Prozent ausgelastet.

Easyjet freue sich, „mehr Wettbewerb und niedrigere Tarife anbieten zu können, insbesondere auf innerdeutschen Strecken, für die es derzeit nur eine sehr beschränkte Auswahl gibt“, sagte Thomas Haagensen, der für das Europa-Geschäft zuständige Manager der Airline. Der Easyjet-Flugplan für Berlin-Tegel sei wegen früher Abflugzeiten auch für Geschäftsreisende interessant.

Angebot für Air-Berlin-Personal

Easyjet hatte im Oktober die Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin angekündigt. Insidern zufolge dürfte die EU-Kommission den Deal anders als bei der Lufthansa voraussichtlich ohne Auflagen durchwinken. „Wenn wir in den nächsten Wochen grünes Licht aus Brüssel bekommen, werden wir die Nummer 1 in Berlin“, sagte Haagensen jüngst im Reuters-Interview.

Von der EU-Genehmigung hängt es ab, ob Easyjet wie geplant 25 Jets der Air Berlin samt Start- und Landerechte übernehmen darf. In Brüssel endet die erste Prüfphase am 12. Dezember, wobei mit einem positiven Bescheid der Kommission gerechnet wird, da das Easyjet-Angebot die befürchtete Vormachtstellung der Lufthansa abmildern würde. Die Gewerkschaft Verdi unterstützt das Übernahmeangebot an rund 1000 Beschäftigte der Air Berlin. Nach anfänglichem Zögern der Belegschaft soll es nun viele Bewerbungen geben. (mit dpa)