Das ist doch wirklich mal eine überraschende Information: Die Bundeskanzlerin hat eine Affäre mit dem Präsidenten Frankreichs. Bevor die Bilder im Kopf – Merkel! Hollande! Küssend! – völlig verrückt spielen, sei klargestellt, dass es sich nicht um Bundeskanzlerin Angela Merkel handelt, sondern um Anna Bremer. Die ist im Sat.1-Film „Die Staatsaffäre“ Sozialdemokratin und wird von Veronica Ferres gespielt.

Merkel: „Das erzähle ich Hollande“

Kurz nach Beginn der Dreharbeiten trafen Ferres und Merkel einander auf einem Empfang und kamen über die Komödie, die am 2. September laufen wird, ins Gespräch. Veronica Ferres erinnert sich: „Angela Merkel hat mit ihrem wunderbaren Humor reagiert als ich ihr erzählte, dass ich die Bundeskanzlerin spiele und eine Affäre mit den französischen Präsidenten habe. Sie meinte nur: ,Ich treffe Hollande gleich, dem werde ich das erzählen.'“ Die Schauspielerin genoss die Dreharbeiten: „Die waren witzig, aufregend, ungewöhnlich und überraschend.“ Was besonders an ihrem Filmpartner Philippe Cariot lag, der in „Die Staatsaffäre“ den französischen Präsidenten spielte: „Ich liebe ihn. Als Schauspieler. Ein wunderbarer Kollege.“

Cariot schätzt den Präsidenten seines Landes nicht besonders („Hollande ist eine Katastrophe...“) und gerät fast ins Schwärmen, wenn er über Merkel spricht: „Sie hat kluge Augen. Ich mag sie. Besonders auch, dass sie durch das Amt nicht hart wurde. Bei Margaret Thatcher hatte ich nie das Bedürfnis, dass die mich in den Arm nimmt. Bei Angela Merkel kann ich mir das vorstellen.“

Auch wenn Veronica Ferres ausdrücklich nicht die Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern eine Bundeskanzlerin spielt, hat sie sich von der Amtsinhaberin etwas abgeschaut: „Ihre typische Raute mache ich mehrmals im Film.“

Stadlober auf Spaziergang

Der neueste Film von Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) heißt „Diplomatie“ und feierte am Montagabend im Cinema Paris Premiere. In dem Film geht es um den 25. August 1944 in Paris. An diesem Tag kapitulierte der deutsche Stadtkommandant General Dietrich von Choltitz. Er verweigerte damit Hitlers Befehl, die schon verminte Stadt in Schutt und Asche zu legen. Als Adjutant des Generals von Choltitz stand bei den Dreharbeiten im Sommer 2013 Robert Stadlober vor der Kamera. Für ihn war das die erste Zusammenarbeit mit Schlöndorff, dessen Filmografie er ebenso beeindruckend findet wie Schlöndorffs „menschliche Gelassenheit im Umgang mit Kunst“.

Während der Wochen in Paris genoss Stadlober besonders die Spaziergänge: „Dort entdeckt man hinter jeder Ecke etwas, das aus einem 20er-Jahre-Roman gefallen sein könnte.“ Die Idee, seine dabei stark gewachsene Liebe zu Paris durch die dauerhafte Anmietung einer Wohnung zu bekräftigen, scheiterte an Profanem: „Ich müsste, um mir diesen Wunsch erfüllen zu können, zunächst mal eine flott sprudelnde Geldquelle entdecken.“

Wer gewinnnt den Preis der Witwe Clicquot?

Auch das dritte Thema der heutigen Kolumne hat mit Frankreich zu tun. Der geschäftliche Erfolg der Witwe Clicquot, die 1805 im Alter von 27 Jahren das Champagnerhaus ihres gerade verstorbenen Ehemannes übernahm, ist die Grundlage für die jährliche Verleihung des nach ihr benannten „Prix Veuve Clicquot“ in 27 Ländern. In Deutschland war dieser Preis bisher Unternehmerinnen vorbehalten. Vor der jüngsten Verleihung am Montagabend im Soho House wurde der Kreis der potenziellen Empfängerinnen stark erweitert. Ab sofort reicht es, dass Damen ausgetretene Pfade verlassen, Neues und Ungewöhnliches wagen und dabei andere inspirieren, um auf die Auswahlliste zu gelangen.

Auf die hat es in diesem Jahr Gesche Joost geschafft, die zum Wahlkampfteam von Peer Steinbrück gehörte und im März zur „Internetbotschafterin für Deutschland“ (heißer Anwärter auf die Trophäe „Seltsamster Titel 2014“) berufen wurde. Regisseurin Feo Aladag („Zwischen Welten“) galt vor der Verleihung des „Prix Veuve Clicquot – Women of Inspiration“ als besonders aussichtsreiche von den fünf Finalistinnen.

Der Preis ging schließlich an die Chirurgin Constance Neuhann-Lorenz, die die Hilfsorganisation Women for Women gegründet hat und regelmäßig in Indien und Bangladesch Frauen mit Brandverletzungem gratis operiert, die angezündet wurden, weil sie zu wenig Mitgift in die Ehe mitbrachten.