Pubertantenalarm am Potsdamer Platz! Hunderte kreischender Teenager im Hormon- und Schneegestöber bejubelten am Dienstagabend im Sony-Center mit „Spring Breakers“ von Harmony Korine die erste Filmpremiere nach der Berlinale. Und genau dieser Regisseurskollege war auch der Grund für Dietrich Brüggemann („Drei Zimmer/Küche/Bad“), sich dieses Geschrei anzutun: „Ich betrachte Filme nach den Machern und nicht nach dem Gekreisch von Teenagern. Und Harmony Korine ist eine ernstzunehmende Größe im Arthousefilmbereich.“

In den Kinos wird die wilde Geschichte von vier besten Freundinnen, die die Frühjahrsferien als Dauerparty in Florida verbringen wollen, ab dem 21. März laufen. Wobei die Umschreibung „Frühjahrsferien“ arg verharmlosend klingt, denn in den USA steht der Begriff „Spring Break“ für Exzesse mit viel Alkohol und sexuellen Ausschweifungen, die bestimmte Gegenden von Florida zu Gebieten im Ausnahmezustand machen. So etwa wie das hiesige Komasaufen, bloß mit weniger Klamotten und ohne anschließende Diskussionen, ob die Eltern die Klinik zahlen sollten (müssen sie nämlich sowieso).

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Schauspieler Joern Schlönvoigt (der Philip Höfer aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) hat von den „Spring Break“-Exzessen schon gelesen und wollte sich das jetzt mal im Kino anschauen. Er selbst kann mit Schilderungen eigener Kontrollverluste nicht dienen: „Ich mache nicht so gern Party. In meiner Wohnung habe ich noch nie eine gefeiert. Ich bin total langweilig.“

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Das Kostümbudget dürfte der kleinste Posten auf der Ausgabenliste der Produktion von „Spring Breakers“ gewesen sein, denn die Hauptdarstellerinnen verbringen große Teile der Handlung in stoffsparend geschnittenen Bikinis. Richtig teuer war im Gegensatz dazu wohl die Besetzungsliste, denn mit Vanessa Hudgens und Selena Gomez wurden Teenie-Stars verpflichtet, mit denen wohl das Publikum ihrer größten Erfolge „High School Musical“ (Hudgens) und „Die Zauberer vom Waverly Place“ (Gomez) in die Kinos gelockt werden soll.

Hudgens und die anderen Hauptdarstellerinnen – es waren auch Ashley Benson und Rachel Korine nach Berlin gekommen – durften sich auf dem pinkfarbenen Premierenteppich immer nur sekundenweise im Mantel aufwärmen und mussten ansonsten in Abendkleidern, darunter welche mit nackten Schultern, bei gefühlten minus 5 Grad Interviews geben. Hudgens erzählte bibbernd: „Ich bin zum ersten Mal hier. Ich mag Berlin. Bis auf das Wetter.“

Berufsexhibitionistin Micaela Schäfer (fast nackt kann offensichtlich eine Berufskleidung sein) trug auch wieder ihre Gänsehaut zu Markte und prägte den Satz des Abends: „Ich kann gar nicht mehr denken. Bei mir friert gerade alles ein.“ Gute Besserung!