Die Premium-Taxis kommen! Das hört sich luxuriös an. Doch wer jetzt an Fernsehbildschirme in den Lehnen oder Sektkühlschränke denkt, liegt falsch. Es handelt sich um ganz normale Taxis, es werden auch keine Preisaufschläge kassiert. Neu ist nur die Garantie, dass die Taxifahrer eine Zusatzausbildung absolviert haben, bei der sie unter anderem Folgendes gelernt haben: rücksichtsvoll fahren, nett zum Kunden sein, das Taxi sauber halten.

Nichts Besonderes? Stimmt! Hier werden Selbstverständlichkeiten als Premium-Angebot verkauft. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass in der Branche in den vergangenen Jahren einiges schiefgelaufen ist und Kunden Vertrauen verloren haben. In der Tat ist der „VIP QUality Taxi Service“ der Not geboren. Es ist ein Versuch, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Taxi-Apps machen Funkzentralen überflüssig, Car-Sharing-Anbieter schnappen junge Kundschaft weg. Noch gefährlicher sind die Chauffeurdienste für das Taxigewerbe. Wer ein paar Mal in einer neuen Limousine mit einem geschniegelten Fahrer durch die Stadt gefahren ist, hat keine Lust mehr auf das Berliner Taxiroulette: Wird es im Auto diesmal nicht nach ungewaschener Kleidung riechen? Wird der Fahrer diesmal Tiraden auf alles und jeden unterlassen? Es sind Unwägbarkeiten, die vor allem Stammfahrgäste nerven. Das ist auch der Grund, warum Premium-Taxis zunächst vorrangig für Großkunden wie Firmen, Fünf-Sterne-Hotels und Botschaften da sind.

Doch einen nachhaltigen Erfolg wird die Branche nur verbuchen, wenn auch ganz normalen Fahrgästen Qualität garantiert wird: nette Fahrer, saubere Taxis. Der Senat kann mithelfen, dass das Gewerbe in Ordnung kommt – zum Beispiel, indem er Schwarzarbeit endlich energischer verfolgt. Der Premium-Service ist eine gute Idee. Aber er kann nur ein Anfang sein.