Rheinsberg - Einen Wein zu verkosten, ist recht einfach: Weine schmecken trocken oder süß, schal oder rassig, dünn oder kraftvoll, fruchtig oder erdig. Bei Wasser scheint die Sache komplizierter zu sein, aber mit etwas Mühe sind auch hier echte Unterschiede herauszuschmecken: Weich oder hart, salzig oder süßlich, sauer, nach Eisen oder gar modrig.

Für den Test steht im Büro der Preussenquelle in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) ein Glas bereit. Das Wasser darin ist klar, hat keinerlei Schwebeteilchen und keinen ablenkenden Geruch. Die winzigen Blasen der Kohlensäure steigen in feinen Bahnen im Wasser auf. Der erste Schluck: Es schmeckt leicht, es schmeckt nach nichts. „Das ist gut so“, sagt Reinhard Haugk, der 58-jährige Geschäftsführer. „Das ist unser großes Plus.“

Feinschmecker wollen neutrales Wasser

Für den Laien klingt das erst einmal ungewöhnlich. Denn beispielsweise schmeckt Gerolsteiner, das Wasser des in Rheinland-Pfalz ansässigen Weltmarktführers für kohlensäurehaltiges Mineralwasser, recht salzig. Und italienische Restaurants reichen gern das äußerst beliebte, aber ziemlich teure San Pellegrino – ein ebenfalls kräftig mineralisch schmeckendes Wässerchen, das bei Stiftung Warentest nicht so gut wegkommt.

„Feinschmecker mögen kein Wasser mit kräftigem Geschmack“, sagt Haugk. „Sie wollen neutrales Wasser. Das beeinträchtigt nicht den Geschmack des Weins, des Whiskys oder des Essens. Unser Wasser können Sie den ganzen Tag trinken, ohne einen pelzigen Geschmack im Mund zu bekommen.“

In Zeiten, in denen in Nobelrestaurants die Wein- deutlich dicker ist als die Speisekarte, gehört es zum Standard, auch eine Wasserkarte anzubieten. Wasser in verschiedenen Geschmacksrichtungen sind schon deshalb gefragt, weil Alkohol bei mittäglichen Geschäftsessen nicht mehr üblich ist.

Zwar ist die Rheinsberger Quelle mit 19 Mitarbeitern der kleinste Mineralwasser-Hersteller in Brandenburg, aber sie hat sich seit dem Produktionsstart 2007 eine lukrative Nische erobert. Das Sommelier-Magazin kürte die Rheinsberger Spezialität zu einem der sieben Mineralwasser, die auf eine gute Karte gehören.

Echte Handarbeit

„Wir sind ein Premium-Wasser und wollen es bleiben“, sagt Haugk. Jährlich werden nur sechs Millionen Liter abgefüllt. Bei Marktführer Gerolsteiner sind es 612 Millionen. „Wir wollen kein Großabfüller werden, obwohl wir viel mehr produzieren könnten“, sagt er. „Aber wenn es ein gutes Produkt nicht überall gibt, weckt dieser Mangel durchaus Begehrlichkeiten und fördert den guten Ruf der Marke.“ Deshalb werden die Flaschen des Unternehmens ausschließlich in der gehobenen Gastronomie verkauft, vor allem in Berlin.

Gefördert wird das Wasser im Park des Schlosses Rheinsberg. Dort verbrachte der spätere Preußenkönig Friedrich II. vor der Krönung seine „Rheinsberger Jahre“. Das Wasser wird aus einer 172 Meter tiefen Wasserblase gefördert, die wohl schon seit der letzten Eiszeit existiert. „Wenn wir weiter so produzieren, reicht die Quelle etwa 40 Jahre“, sagt Vertriebsleiter Andreas Henschel.

Über eine 2,3 Kilometer lange Leitung wird das Rohwasser ins Gewerbegebiet gebracht. Mineralwasser darf bei der Produktion nicht verändert werden, es darf nur durch Sand- und Mangan-Filter laufen, um Schwebstoffe und Eisen herauszubekommen. Anders als bei den Massenabfüllern erledigen nicht die Abfüllmaschinen die Arbeit allein. In Rheinsberg herrscht noch Handarbeit wie in einer Manufaktur. Das Wasser wird von drei Mitarbeitern an mehreren Maschinen, die an einer Art Fließband stehen, abgefüllt, mit Etiketten beklebt und kontrolliert. „Bei uns wird jede einzelne Flasche mehrfach liebevoll in die Hand genommen“, sagt Henschel.

Jubiläumswasser „Friedrich 300“

Die Quelle wurde bereits 1995 entdeckt, als Rheinsberg noch ein Thermalbad werden wollte. Doch statt einer Thermal- wurde seinerzeit eine Mineralwasserquelle gefunden. Davon erfuhr Reinhard Haugk, der früher eine Firma für Automobilteile hatte und etwas Neues suchte. Doch es dauerte eine Weile bis zum Produktionsstart: Es mussten nicht nur tiefere Bohrungen in den Boden getrieben werden, es waren auch fast 200 Untersuchungen und Genehmigungen und fast vier Millionen Euro nötig, bis die erste Flasche abgefüllt werden konnte.

Da Rheinsberg und der Alte Fritz zusammengehören, gibt es zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs nun das Jubiläumswasser „Friedrich 300“. Es wird in einer Flasche mit einem speziellen Etikett abgefüllt und soll ab 1. April ausschließlich im Park Sanssouci verkauft werden. „Die Idee ist, dass ein Teil der Einnahmen direkt für die Erhaltung der Parkanlagen eingesetzt wird“, sagt Reinhard Haugk. „Wir verbinden gutes Marketing mit einem guten Zweck.“