Prenzlauer Berg - Seit fast zwei Wochen stehen Schüler des Gymnasiums am Europasportpark auf ihrem Schulhof immer wieder im Feinstaub. Betroffen sind auch die hierhin ausgelagerten Schüler der Grundschule im Blumenviertel. Denn hier im südöstlichen Zipfel von Prenzlauer Berg finden Abrissarbeiten in einem elfgeschossigen Plattenbau direkt neben der Schule statt. Und die beauftragten Arbeiter werfen große Platten des nicht mehr benötigten Alt-Estrichs einfach so aus den oberen Etagen herunter. Diese Platten knallen auf eine Fläche, die unmittelbar an den nur durch Bauzäune abgegrenzten Schulhof grenzt. Das staubt – und nun hat man zwischen dem Bauschutt auch noch eine große Menge Asbest gefunden.

Vorgehen der Arbeiter ist nicht zulässig

„Das geht gar nicht, die Kleinen könnten durch den Bauzaun da hinüberlangen und reingreifen“, fürchtet eine Erzieherin. An diesem Montag verfügte die Besitzerin des Elfgeschossers, die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), nach wiederholten Elternprotesten und einer Anfrage der Berliner Zeitung endlich einen Baustopp. Größere Stücke von den Balkonen einfach so herabzuwerfen, sei „natürlich nicht zulässig und wurde dem eingesetzten Dienstleister untersagt“, teilte BIM-Sprecherin Johanna Steinke mit. „Leider mussten wir feststellen, dass dieser Dienstleister sich nicht an die Anweisungen gehalten hat und ein weiteres Mal Estrich auf diesem Weg und nicht über die Schuttrutschen entsorgt hat.“

Polizei, Bezirksamt und das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi) wurden eingeschaltet. Mitarbeiter waren bereits mehrfach vor Ort.

Große Menge von Asbest in der Nähe des Schulhofs

Die BIM-Sprecherin betonte, dass der Estrich schadstofffrei sei. „Asbest befindet sich in gebundener Form aber als Fugenmaterial an den Fassaden und auf dem Dach.“ Die Fugenmasse und Dachhaut würde zu gegebener Zeit zerstörungsfrei abgebrochen und unter sogenannter Staubabsaugung aufgenommen und vor Ort unmittelbar verpackt, betonte sie. Allerdings haben Mitarbeiter des LAGetSi tatsächlich in unmittelbarer Nähe zum Schulhof eine große Menge krebserregenden Asbests gefunden. Es handelt sich um Reste eines Wellendachs aus DDR-Zeiten, wie es oft für Garagenkomplexe eingesetzt wurde. Dieses kontaminierte Material hat offenbar jemand in einer Nacht- und-Nebel-Aktion einfach so dort abgelegt.

Das eigenmächtige Vorgehen der Baufirma wäre nicht bekanntgeworden, hätten Eltern und Lehrer aus Sorge um die Schüler nicht umgehend die Regelverstöße dokumentiert, mit dem Handy gefilmt und den verschiedenen Behörden gemeldet. Die Immobilie in der Conrad-Blenkle-Straße 34 soll später als Lager der Senatsfinanzverwaltung genutzt werden.