Berlin - Es ist grün, es ist ruhig, es gibt einen Spielplatz und ein kleines Amphitheater. Nachbarn treffen sich im Hof, es gibt Feste und kleine Aufführungen, tagsüber kommen Kinder der nahe gelegenen Kita zum Spielen, abends wird gegrillt - fast drei Jahrzehnte lang war der Hirschhof in Prenzlauer Berg, im dicht besiedelten Wohnquartier zwischen Kastanienallee und Oderberger Straße ein angesagter Treffpunkt. Anfangs wurde er noch als Geheimtipp gehandelt, seit ein paar Jahren steht er in etlichen Reiseführern. Doch mit all dem ist künftig wohl Schluss.

Denn der Hirschhof ist nur noch Privatsache. Nach jahrelangem Streit zwischen einer Eigentümergemeinschaft der Kastanienallee 10 und dem Bezirksamt Pankow, das den Hirschhof als kommunale Grünfläche führt, hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin jetzt entschieden: Der Hirschhof ist keine öffentliche Grünfläche. Dafür fehle eine "förmliche Widmung" heißt es. Anders gesagt: Die Behörden haben geschlampt, der Bezirk konnte keine Unterlagen vorlegen, wonach der Hirschhof im Bestandsverzeichnis aufgelistet ist. Zu DDR-Zeiten, als Anwohner den Park gebaut hatten, war so eine offizielle Widmung nicht nötig, nach bundesdeutschem Recht aber schon. "Wir müssen das Urteil so entgegennehmen", sagte Stadträtin Christine Keil (Linke) am Freitag. Eine Revision ist nicht möglich.

Wie die Eigentümergemeinschaft nach dem Rechtsspruch reagieren, steht noch nicht fest. "Das wird die nächste Versammlung entscheiden", sagt ihr Anwalt Frank Boermann. "Aus rechtlicher Sicht könnten sie einen Zaun ziehen." Dann wäre der Hirschhof für Besucher nicht mehr zugänglich.

Mit dem Urteil des OVG endet vorerst ein jahrelanger Streit. Mitte der 90er Jahre beschwerten sich Eigentümer angrenzender Wohnhäuser, dass Besucher des Hirschhofes ihre Hauseingänge als Durchgänge benutzten. Andere Eingänge gab es nicht, eine Einigung auch nicht.

Der Bezirk baute daraufhin einen neuen Zugang an der westlichen Seite des Hirschhofes. Dagegen klagten erneut Eigentümer. Jetzt bekamen sie Recht. Zurzeit wird an der Westseite ein neuer großer Spielplatz gebaut, er eröffnet im Frühjahr 2012 und sollte den Hirschhof ergänzen. "Es fehlt an Grünflächen im Viertel und Spielflächen für kleine Kinder", sagt Bernd Krüger, der seit zwölf Jahren in der Oderberger Straße wohnt. Er hofft, dass die Eigentümergemeinschaft und die anderen Bewohner noch eine Lösung finden. "Die Geschichte des Ortes und die bisherigen Verhältnisse der Anwohner dürfen unter dem Urteil nicht leiden." Oskar Neumann, der den Hirschhof seit seiner Kindheit kennt und jahrelang pflegte, sagt: "Glücklich bin ich nicht. Wieder verschwindet ein Stückchen Heimat."

Am Freitag hat ein weiteres Verfahren zum Hirschhof begonnen. Es geht um die Frage, ob der Bezirk private Flächen öffentlich nutzen und Eigentümer enteignen darf. Bezirk und Eigentümer rechnen mit einem jahrelangen Rechtsstreit.