Berlins oberste Denkmalschützer haben sich offenbar sehr ausführlich mit der DDR-Geschichte und dem sozialistischen Wohnungsbauprogramm beschäftigt. Ihre Einschätzung des Ernst-Thälmann-Parks in Prenzlauer Berg liest sich an manchen Stellen wie Erich Honeckers Rede zur Eröffnung des Viertels im Jahr 1986.

So sei mit dem Bau der Plattenbausiedlung das Versprechen Friedrich Engels’ umgesetzt worden, nach dem die Lösung der Wohnungsfrage nur unter sozialistischen Verhältnissen möglich sei, steht in dem Gutachten. Der Thälmann-Park sei zudem „ein Produkt des komplexen Wohnungsbaus“, das in „einer außergewöhnlichen Vielfalt und in vorbildlicher Qualität“ umgesetzt worden sei. Das Wohngebiet sei „eine Leistungsschau des real existierenden Sozialismus“.

Einzigartige Aussagekraft

Während sich etliche Neubauviertel der DDR seit der Wende komplett verändert haben, besitze der Ernst-Thälmann-Park „wegen seines Erhaltungszustandes eine inzwischen einzigartige Aussagekraft über die Wohnbedingungen in einer sozialistischen Mustersiedlung der späten DDR“, begründen die Denkmalschützer ihre Entscheidung.

Sie begutachten derzeit die Großsiedlungen, die nach 1945 gebaut wurden, etwa die Gropiusstadt oder Objekte der Internationalen Bauausstellung IBA 1987. Beim Thälmann-Park war man sich schnell einig, das Ensemble mit Läden, Schwimmhalle, Kita und Park und dem gigantischen Denkmal komplett zu schützen.

Doch was heißt das nun für die etwa 4000 Bewohner der Hochhaussiedlung, die ein Vorzeigeprojekt der Partei- und Staatsführung war? Steigen nun die Mieten, weil das Viertel nun noch begehrter wird? Dürfen die Häuser modernisiert werden? „Das weiß ich alles auch noch nicht“, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er hofft jedoch, dass es leichter werde, Fördermittel zu bekommen, etwa um den ungepflegten Park zu erneuern, den verseuchten Boden (eine Altlast des früheren Gaswerkes) auszutauschen oder endlich das Kulturhaus Wabe zu sanieren.