Die Tür stand schon in Flammen, als ein Gebäudereiniger am Donnerstag früh, gegen 3 Uhr, das Feuer auf dem Bezirksamtsgelände an der Fröbelstraße, Ecke Prenzlauer Allee 70 entdeckte. Der Mann alarmierte gleich den Wachschutz und die Feuerwehr, und er begann auch sofort, den Brand mit einem Feuerlöscher zu ersticken.

Der Mann verhinderte Schlimmeres. Die Feuerwehr löschte noch die Glut. „Die Tür wurde durch das Feuer stark beschädigt, und der Hausflur des Gebäudes war stark verraucht“, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler fanden schnell eine Erklärung für die Aktion. Denn nur vier Stunden nach dem Anschlag bekannte sich eine linksradikale Gruppe mit dem Namen Gruppo Informale im Internet zu der Tat. „Das Ordnungsamt sorgt für eine Ordnung, welche wir ablehnen“, heißt es in dem Schreiben.

Die Gruppe habe auch den Spruch „Ihr Ordnungswahn gegen unsere Solidarität“ an die Fassade gesprüht. Die Täter hatten sich für ihren Anschlag Haus 6 auf dem Gelände ausgesucht. Dort befindet sich das Bürgeramt, und auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben dort ihre Büros. Direkt über der Eingangstür liegt das Arbeitszimmer von Stadtrat Torsten Kühne (CDU), der auch für das Ordnungsamt zuständig ist. Kühne verurteilte am Donnerstag den Anschlag. „Ich kann die Argumentation im Bekennerschreiben nicht nachvollziehen.“

Dem Gebäudereiniger sei es zu verdanken, dass das Feuer keinen schlimmeren Schaden angerichtet habe. Die Mitarbeiter des Bezirksamtes konnten am Donnerstag ohne Einschränkungen arbeiten, auch das Bürgeramt hatte geöffnet. Die beschädigte Tür blieb geschlossen, die Bürger mussten den Eingang um die Ecke benutzen.

Die Polizei nimmt das Bekennerschreiben ernst. In jüngster Vergangenheit habe sich die Gruppierung zu mehreren Brandstiftungen und Sachbeschädigungen an Fahrzeugen und Gebäuden bezichtigt, heißt es. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Weitere Aktionen angedroht

Die Gruppe bekennt sich in ihrem Schreiben auch zu einem Anschlag auf eine Filiale der Commerzbank in der Erich-Kurz-Straße in Friedrichsfelde. Am 1. März 2013 war dort gegen 2 Uhr ein Brand gelegt worden. 25 Feuerwehrleute brauchten eine Stunde, um ihn zu löschen. Die Täter beschreiben nun genau, wie sie den Brand entzündet haben. Und sie liefern eine Begründung. Eine Tochtergesellschaft der Bank habe „eine Zwangsversteigerung angeleiert, die den Wagenplatz neben der Köpi betrifft.“ Die Köpi ist ein ehemals besetztes Wohn- und Kulturzentrum in der Köpenicker Straße in Mitte. Am Tag des Anschlags auf die Commerzbank wurde der Wagenplatz neben der Köpi verkauft. Die Täter drohen nun mit weiteren Aktionen, „wenn sich an unseren Projekten und Häusern vergriffen wird.“