Presley Tourmanager Joe Esposito: "Ich mache das für Elvis!"

Berlin - Die Original-Musiker von Elvis Presley geben am Wochenende zwei Konzerte im Berliner Estrel Hotel. Zu der TCB-Band, die den erfolgreichsten Sänger aller Zeiten zwischen 1969 und 1977 in Las Vegas, im Madison Square Garden und auf Hawaii begleitete, gehören heute noch der mit einem Grammy dekorierte Lead-Gitarrist James Burton, Pianist Glen D. Hardin und Schlagzeuger Ronnie Tutt.

Gesanglich unterstützt werden sie vom österreichischen Rocksänger Dennis Jale sowie dem Gospel-Quartett Elvis Imperials. Zwischen den Liedern gibt Elvis' engster Vertrauter und Tourmanager – Joe Esposito – Einblicke in das Leben mit der Musiklegende. Im Interview erzählt der heute 75-Jährige, wie er Elvis in Deutschland kennenlernte und wie sehr er immer noch präsent ist.

Mr. Esposito, Sie sind immer noch oft bei Elvis-Veranstaltungen dabei. Warum eigentlich?

Ich mache das für Elvis! Ich erzähle gerne Geschichten über ihn. Oft werden mir Fragen gestellt, die auf Unwahrheiten basieren. Es gibt viele Bücher über Elvis, in denen nur Lügen drinstehen. Es gibt wohl in der Tat keinen anderen Künstler, über den so viele Dinge erfunden wurden, wie über Elvis. Deshalb bereise ich die Welt, um das Bild geradezurücken. Denn ich war dabei, die meisten anderen nicht.

Wird man dessen nicht auch mal überdrüssig?

Niemals! Denn ich halte es auch für meine Pflicht, den Menschen die Wahrheit zu erzählen. Ich bin ein glücklicher Mann, Elvis getroffen zu haben und zum sehr engen Freund von ihm geworden zu sein. Ich vermisse ihn immer noch ungeheuerlich. Und das jeden Tag.

Elvis lässt Sie also auch 36 Jahre nach seinem Tod nicht los?

Nein, das wird sich wohl auch niemals ändern. Dank Elvis habe ich so viel erleben dürfen in meinem Leben – dafür bin ich dankbar. Ich bin später mit Künstlern wie den Bee Gees und Michael Jackson auf Tour gewesen, aber wenn mir Leute Fragen stellen, hat es fast immer mit Elvis zu tun.

Was fragen die Leute Sie denn?

Oft geht es darum, wie Elvis damit umging, so berühmt zu sein. Dann antworte ich immer: Er kam bestens damit klar, denn er liebte, was er tat. Selbst Michael Jackson fragte mir über Elvis Löcher in den Bauch.

Sie erzählen gerne positive Geschichten über Elvis. Aber er muss doch auch üble Momente gehabt haben.

Natürlich! Ich habe öfter Streit mit ihm gehabt, übliche Zankereien. Ich habe mehrmals gekündigt und alles hingeschmissen, wenn ich zu betrübt war über seine Uneinsichtigkeit in manchen Dingen. Ich meinte dann zu ihm, ich wüsste, wovon ich rede. Aber er stellte sich stur und war sauer auf mich. Später hat er sich dann entschuldigt. Nie mit Worten, so war er nicht. Er kaufte dir lieber etwas – ein nettes Geschenk. Das konnte eine Uhr oder ein Auto sein. Damit versuchte er, es wieder gut zu machen.

Haben Sie noch alle Geschenke?

Leider nicht. Denn als Elvis noch am Leben war, habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass er in jungem Alter sterben könnte und die Sachen irgendwann einmal viel wert sein würden. Ich erinnere mich daran, als Elvis mal seinen Schrank ausmistete und mir eine wunderschöne Jacke gab, die er bei seinem legendären „Jailhouse Rock“-Auftritt getragen hatte. Ich verschenkte sie an meinen Gärtner! Diese Jacke ist heute bestimmt eine halbe Million Dollar wert, und er weiß es vermutlich nicht mal mehr. Aber was soll’s.

Die Freundschaft zwischen Elvis und Ihnen begann in Deutschland.

Das ist richtig. Wir waren beide in der Armee in Friedberg im Taunus stationiert. So lernte ich ihn kennen. Der Tag, an dem ich ihn traf, seine Hand schüttelte und ihm in die Augen schaute, wusste ich, dass wir Freunde fürs Leben werden würden. Da war vom ersten Moment eine besondere Chemie zwischen uns. Und so war es dann auch. Wir wurden von der Armee entlassen. Ich blieb für einige Wochen in Chicago und dann folgte ich ihm nach Memphis. Von da an wurde ich zu seinem ständigen Schatten. Ich war bis zu seinem Tod sein Tourmanager.

War es denn so einfach, Elvis nahe zu kommen? Lies er Menschen leicht zu seinem inneren Zirkel vordringen?

Da war er wohl wie jeder Mensch: Wenn er eine gute Verbindung zu jemandem hatte, ließ er ihn an sich heran. Und so war das mit uns beiden. Ich bin ein witziger Typ, er war ein witziger Typ. Ich bin sehr organisiert. Das war es dann auch, was ich beruflich für ihn machte. Meine Aufgabe war es, ihn wissen zu lassen, wo er wann zu sein hatte und um welche Uhrzeit er aufstehen musste. Ich sorgte dafür, dass der Wagen und die Angestellten bereit standen. Auch alle Urlaube machten wir zusammen.

Ich habe Bilder gesehen, auf denen Sie beide Tolle tragen.

Ach, meine Tolle war nichts gegen die von Elvis! Aber damals trug das jeder. Es war der Look der Zeit, im Amerika der Sechziger.

Sie waren auch dabei, als er Priscilla kennenlernte.

Ja, ich war da an dem Tag, als sie in sein Haus in Bad Nauheim kam.

War es Ihnen und Elvis klar, dass das ein besonderer Moment sein würde?

Nein, nicht in dem Moment. Sie war natürlich ein wunderschönes Mädchen, das war gleich auffällig, als sie durch die Tür kam. Aber sie war ja erst 14 Jahre jung zu der Zeit. Ein Freund von Priscilla, den wir auch kannten, war bei der Airforce und brachte sie mit auf die Party, damit sie Elvis kennenlernte. Elvis setzte sich mit ihr ans Klavier, spielte einige Songs, und sie sprachen miteinander. So fing es an. Ab dem Abend kam sie öfter zu Besuch, wir holten sie dann in Wiesbaden ab, wo ihr Vater bei der Airforce stationiert war.

Gab es etwas, das Elvis an Deutschland mochte?

Ach, wir hatten nicht so viel Möglichkeiten, rumzufahren und uns umzusehen – ausgenommen natürlich fürs Militär. Aber wir hatten eine echt gute Zeit in Deutschland. Elvis mochte kein Sauerkraut – das war ihm und mir zu sauer.

Elvis soll ja sehr gottgläubig gewesen sein. Hat er viel gebetet?

Ja, manchmal. Bei speziellen Events tat er es, zu Weihnachten und an Ostern. Er war sehr religiös, ein Christ. Aber egal, welcher Religion jemand zugehörig war, es war in Ordnung für ihn. Er war tolerant.

Wie oft sehen Sie die anderen Personen aus Elvis’ näherem Umfeld?

Ich lebe in Las Vegas. Wann immer einer von ihnen nach Vegas kommt, bekomme ich einen Anruf, und wir treffen uns. Sam Thompson, der frühere Bodyguard von Elvis, lebt auch in Vegas. Priscilla und Lisa Marie Presley schauen öfter mal bei uns vorbei.

Wie kann man Elvis lebendig halten, wenn die Zeitzeugen einmal nicht mehr sind?

Der Cirque Du Soleil hatte mit einer Elvis-Show in Las Vegas ja versucht, ihm ein Denkmal zu setzen. Aber das war meiner Meinung nach nicht das Richtige, das ist nun mal ein Zirkus. Ich denke, wenn man so was wie das „Jersey Boys“-Musical machen würde, wo auch das Leben von Elvis erzählt wird, würde das einen Unterschied machen. Ich kann mir jetzt schon jede Szene davon vorstellen und hoffe, das wird noch passieren, damit Elvis weiterlebt.

TCB-Band mit Dennis Jale und Joe Esposito: Sonnabend, 4.1., 20.30 Uhr und Sonntag, 5.1., 17 Uhr. Estrel Hotel, Sonnenallee 225, Neukölln, Tickets: 20 bis 49 Euro

Das Gespräch führte Katja Schwemmers.