Berlin - Die „Freunde des Prinzenbades“ wollen den im September beginnenden Einbau eines Edelstahlbeckens im Sommerbad Kreuzberg verhindern. Mit einer Petition fordern sie den Erhalt der gefliesten Pools. „Türkisblau statt krematoriumsgrau!“ lautet die Überschrift ihres Schreibens, mit dem seit mehreren Wochen Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt werden.

„Im Sommerbad am Insulaner lässt sich erleben, was jetzt auch im Prinzenbad droht: Das magische Blau des Wassers ist durch den Einbau von stahlgrauen Edelstahlbecken verschwunden und damit auch alle Assoziationen an Ozeane, an Himmel, an Weite und an Unendlichkeit“, heißt es in dem Begleittext zu der Unterschriftensammlung, den Robert Brammer verfasst hat.

Das beliebteste Freibad Berlins

Der 62 Jahre alte Kreuzberger zieht im Sommer nahezu täglich seine Bahnen in dem Bad an der Prinzenstraße, das nach Angaben der Berliner Bäderbetriebe (BBB) „das beliebteste Freibad Berlins“ ist. Doch die „Freunde des Prinzenbades“, nach Brammers Worten ein loser Zusammenschluss von Stammgästen, argumentieren nicht nur sinnlich-ästethisch. Sie weisen auch darauf hin, dass es an sonnigen Tagen bei Edelstahlbecken zu Reflexionen kommt, die die Bademeister bei ihrer Arbeit behindern können. Die Schwimmbadaufsicht hätte vom Turm „keine ausreichende Sicht mehr auf die Wasserbecken und laufen Gefahr, mögliche Rettungseinsätze zu übersehen“.

„Abkärchern und fertig“

Robert Brammer hat Ende vergangener Woche die Liste mit mehr als 300 Unterschriften an den Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt übergeben, eine Kopie ging an das Landesdenkmalamt. Die Denkmalschützer werden aufgefordert, „den besonderen Wert der Anlage zu begutachten“ und zu prüfen, ob das Mitte der 1950er-Jahre errichtete Freibad nicht in die Denkmalliste aufzunehmen ist. Bislang stünden nur die Cafeteria und die Umkleidekabinen unter Denkmalschutz.

Wolfram Kaube glaubt nicht, dass das Landesdenkmalamt darauf eingeht. Kaube leitet die Abteilung Bau und Technik der Bäderbetriebe. Als bei dem für die Olympischen Spielen 1936 errichteten, folglich architektonisch wertvolleren Olympiabad in Charlottenburg 2016 Edelstahlbecken eingebaut wurden, hätten die Denkmalschützer keine Einwände gehabt, sagt er.

In den vergangenen Jahren seien bereits bei sieben der 16 Sommerbäder der BBB Edelstahlbecken eingebaut worden. Diese seien hygienischer, aber vor allem ökonomischer als geflieste Becken. Denn der Wartungsaufwand sei minimal, auch vor Saisonbeginn: „Abkärchern und fertig“, sagt Kaube. Bei gefliesten Becken dagegen müssten nach dem Winter oft Kacheln ersetzt werden, denen der Frost zugesetzt hat. Im Schnitt 15.000 bis 20.000 Euro koste es jedes Jahr, beispielsweise das Kreuzberger Sommerbad vor Saisonbeginn wieder startklar zu machen, sagt Kaube. Die zeitaufwendigen Reparaturen verzögerten mitunter den Saisonstart.

„Bei Edelstahlbecken gibt es all diese Probleme nicht“

Seit Saisonbeginn Ende April weisen Schilder im Sommerbad Kreuzberg darauf hin, dass das Sportbecken dringend sanierungsbedürftig ist und dass Anfang September mit den Bauarbeiten begonnen wird. Das Becken verliere in nicht unerheblichen Maße Wasser, sagt Kaube. Das Chlorwasser dringe durch die altersschwachen Fugen und greife dann den Stahlbeton an. Zudem sammele sich Wasser hinter den Fliesen und bilde „mikrobiologische Nester“, die die Wasserqualität beeinträchtigen könnten. „Bei Edelstahlbecken gibt es all diese Probleme nicht“, sagt der Leiter der BBB-Bauabteilung.

Keine Instandhaltungskosten

Der Einbau einer solchen Verkleidung in dieses Becken – inklusiver Erneuerung des Rohrleitungssystems, Sanierung des Bereiches rund um das Becken und dem Einbau behindertengerechter Zugänge – ist nach Kaubes Angaben mit 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Der BBB-Bauexperte räumt ein, dass eine grundlegende Sanierung des Beckens mit Erhalt der Fliesen etwas günstiger kommen würde.

Allerdings entstünden durch die Metallauskleidung künftig keine Instandhaltungskosten mehr. Derart ausgekleidete Schwimmbassins hielten 35 bis 40 Jahre ohne großen Aufwand. Zudem würde eine Sanierung, bei der die Kacheln erhalten bleiben, länger dauern. Die Arbeiten wären dann zu Beginn der Saison 2018 noch nicht abgeschlossen – anders als die Edelstahlvariante.

Edelstahlauskleidung für alle

Das Argument, dass Reflexionen die Sicht der Bademeister behindern, lässt er gelten, sieht es aber nicht als Problem: „Da muss man dann mit Sonnenbrillen arbeiten.“ Das Argument, dass mit den Blau der Kacheln auch das Schwimmbadflair verloren geht, hält er für ein rein subjektives Empfinden. Auch in einem Edelstahlbecken würde das Wasser leicht bläulich schimmern.

In den nächsten zehn Jahren sollen alle Berliner Sommerbäder auf diese Weise modernisiert werden. Auch im Innenbereich kämen Edelstahlverkleidungen zum Einsatz, wenn der Stahlbeton unter den Kacheln angegriffen sei. „Edelstahlbecken liegen voll im Trend in Deutschland und in Österreich“, sagt der BBB-Abteilungsleiter.

Die „Freunde des Prinzenbades“ dagegen verweisen auf das Beispiel Bad Kissingen. Die fränkische Kommune hätte ursprünglich Edelstahlbecken in ihr Bad einbauen wollen. Doch als man merkte, dass dadurch eine optisch völlig andere Anlage entstehe, habe man darauf verzichtet.