Flaniert man auf dem Boulevard Unter den Linden in Mitte, kann man sich die frühere Pracht des Prinzessinnenpalais gut vorstellen. Das Barockhaus mit der Hausnummer 5 gleich neben der Staatsoper sieht allerdings heruntergekommen aus. Seit dem vergangenen Jahr wird dort gebaut. Was der neue Eigentümer Mathias Döpfner mit dem Ensemble vor hat, bleibt bisher aber sein Geheimnis. Der Vorstandschef des Axel-Springer-Verlages hatte das als Opernpalais bekannte Haus im vergangenen Jahr von der TLG Immobilien gekauft – als Privatmann. Auf Anfrage will er sich zu seinem Engagement in der historischen Mitte nicht äußern.

Architekt Chipperfield baut

In Döpfners Auftrag aber hat der britische Stararchitekt David Chipperfield bereits eine Konzeptstudie mit künftigen Nutzungsszenarien erarbeitet, teilte sein Büro mit. Gleichzeitig hat Chipperfield den Rückbau von Einbauten, die nicht denkmalgeschützt sind, seit dem vergangenen Herbst begleitet. Dabei wurden veraltete Haustechnik sowie Baustoffe mit Mineralfasern entfernt und entsorgt. Derzeit laufen in dem Gebäude weitere Instandsetzungsarbeiten, die aber nicht mehr unter der Regie von Chipperfield erfolgen.

Döpfner hat sich bisher vor allem in Potsdam als Mäzen engagiert. Schon 2007 kaufte er mit Partnern die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke, um sie vor dem Abriss zu bewahren. Heute wird dort unter anderem zeitgenössische Kunst ausgestellt und an die Ereignisse im Kalten Krieg an der Agentenbrücke erinnert. Auch um das Unesco-Welterbe am Pfingstberg in Potsdam will Döpfner sich kümmern. Vor einem Jahr hatte er mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten einen Vertrag über eine private Nutzung der Villa Schlieffen und der Wiederherstellung des angrenzenden Parks geschlossen. Wie er damals sagte, sei es unfassbar schön, historische Baudenkmäler wiedererstehen zu lassen. Er wolle anderen Menschen mit Architektur und Kunst eine Freude machen. Doch Döpfners Engagement könnte jetzt an einem Zaun-Streit scheitern, weil der Springer-Chef einen Teil des Geländes für die private Nutzung beansprucht, obwohl es ursprünglich öffentlich zugänglich sein sollte. Das lehnt die Stadt Potsdam ab.

Ungewisse Zukunft für das Prinzessinenpalais

Ob ähnliche Debatten auch in Berlin zu erwarten sind, ist derzeit unklar. Denn noch hat sich Döpfner nicht festgelegt, wie er mit dem fast 300 Jahre alten Prinzessinnenpalais umgeht. Bauanträge hat er beim Bezirk Mitte noch nicht eingereicht. Das Palais war von 1733 bis 1737 von Architekt Friedrich Wilhelm Diterichs errichtet worden. Das preußische Königshaus erbte dann 1788 das Anwesen, das 1810/11 durch Heinrich Gentz als Wohnhaus für die drei Töchter des Königs Friedrich Wilhelm III. umgebaut und erweitert wurde. Seitdem bürgerte sich auch der Name Prinzessinnenpalais ein.

Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wurde das Palais Anfang der 1960er-Jahre wieder aufgebaut – mit Operncafé, Opernbar, Weinstube und Grillrestaurant. Café und Bar waren bei den Berlinern und Touristen zwar beliebt, um einen Platz zu ergattern, musste man aber einen Kellner kennen oder lange vorbestellen. Nach der Wende mietete sich der Gastronom Manfred Otte ein und betrieb das Haus – das Café etwa war für die mehr als 50 Sorten Torten und Kuchen berühmt. Das lockte viele Prominente an, zu denen etwa Königin Silvia von Schweden gehörte, auch die Schauspieler Sophia Loren und Alain Delon sowie Startenor Placido Domingo waren dort. Ende 2011 lief Ottes Vertrag aus. Das Haus steht seitdem leer.