Die Internetseite des Wohnprojekts Neon Wood verspricht „unvergessliche Semester im Herzen der Stadt“. In den gerade fertiggestellten Apartments an der Warschauer Straße, Ecke Frankfurter Tor in Friedrichshain könnten die Bewohner „entspannen“, sich „verwirklichen“ und von hier aus Berlin entdecken. Vorausgesetzt, dass sie das nötige Geld haben.

Denn ein 18 Quadratmeter großes, möbliertes Apartment vom Typ Classic kostet im Neon Wood ab 635 Euro Miete monatlich. In der nächst höheren Kategorie, in der das Apartment noch einen Balkon hat, sind schon 680 Euro Miete zu zahlen, in der Deluxe-Version mit 24 Quadratmetern und Balkon beginnen die Mietpreise schließlich bei 750 Euro.

„Mit dem Projekt werden prinzipiell alle Studenten in Berlin angesprochen, insbesondere jedoch Erstsemester und internationale Studenten“, sagt Addick Addicks von der Cresco Urban Yurt GmbH, die die Apartments vermietet. Im Vergleich zu den Mieten in den Wohnheimen des Studierendenwerks, sind die Neon-Wood-Apartments allerdings fast dreimal so teuer.

Die 9500 Wohnheimplätze des Studierendenwerks kosten im Schnitt nur 220 Euro. Sogar die neu errichteten, vollmöblierten Mikro-Apartments der landeseigenen Berlinovo sind mit 340 Euro für 16 Quadratmeter nur etwa halb so teuer.

Berliner Wünsche wurden abgelehnt

Dass Cresco am Frankfurter Tor so teure Apartments anbieten kann, liegt daran, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das ehemals bundeseigene Filetgrundstück im Jahr 2013 privatisiert hat. Die 10.381 Quadratmeter große Fläche ging damals nach einem Bieterverfahren für 15,75 Millionen Euro an die Cresco Capital Frankfurter Tor mit Sitz in Luxemburg.

Forderungen Berliner Politiker, die Immobilie lieber an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) zu verkaufen, damit diese dort bezahlbare Wohnungen anbieten kann, wurden vom Bund ignoriert. „Bei bundespolitischen Entscheidungen seien lokale Interessen nicht zu berücksichtigen“, wird der Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann (CDU/CSU) in einem Protokoll über die Sitzung des Bundestags-Haushaltsausschusses vom 2. April 2014 zitiert.

„Jetzt regen sich alle über die hohen Mieten auf und sind über den Investor empört“, sagt die Linken-Abgeordnete Gesine Lötzsch, Vorsitzende des Haushaltsausschusses. Das sei zwar gerechtfertigt, doch müsse die Geschichte schon ganz erzählt werden: „Der Bundesfinanzminister verkauft zu Höchstpreisen Grundstücke an Spekulanten und nicht an kommunale Wohnungsgesellschaften“, sagt Lötzsch. „Der CDU-Minister treibt zusammen mit Spekulanten die Mieten in Berlin in eine unerschwingliche Höhe.“ Das sei verwerflich.

Addick Addicks vom Vermieter hält die Mietpreise in den Studenten-Apartments dagegen für „gerechtfertigt“. Er verweist unter anderem darauf, dass den Studenten umfangreiche Angebote wie „eine große Lobby mit Studiermöglichkeiten, Games Room und Ansprechpartner vor Ort“ zur Verfügung stehe. Die Vermietung laufe „sehr gut“, sagt er. „Wir gehen von einer Vollvermietung zu Beginn des Wintersemesters 2017 aus.“ Dass die hohen Preise überhaupt verlangt werden können, liegt aber auch an fehlenden Alternativen. Beim Studierendenwerk stehen 4 150 Studenten auf der Warteliste.

Die WBM konnte nicht mithalten

Die Folgen der Privatisierung bundeseigener Flächen zeigen sich noch an anderer Stelle. Auf dem früheren Mauerstreifen an der Stallschreiberstraße in Mitte hat der Bund im Jahr 2015 ein rund 17 500 Quadratmeter großes Baugrundstück für 29,1 Millionen Euro an die Firma Formart verkauft.

Sie hatte in einem Bieterverfahren „das wirtschaftlichste Angebot“ gemacht. Die zwischenzeitlich in Instone Real Estate umbenannte Firma errichtet auf dem früheren Mauerstreifen 409 Eigentumswohnungen – zu Preisen ab 4900 Euro pro Quadratmeter. Nach Maklerangaben reicht das Preisspektrum der 40 bis 156 Quadratmeter großen Wohnungen von 269.000 Euro bis 1,48 Millionen Euro.

Neben den Eigentumswohnungen entstehen zwar 139 Mietwohnungen, darunter 120 Sozialwohnungen für Mieten ab 6,50 Euro je Quadratmeter, doch wird dies an der Aufwertung eines ganzen Stadtviertels nur wenig ändern. Dabei leben gerade in der benachbarten Otto-Suhr-Siedlung viele Menschen mit geringen Einkommen.

Wäre der Mauerstreifen nicht privatisiert worden, sondern an eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft Berlins verkauft worden, hätte diese dort sehr viel mehr preiswerte Mietwohnungen errichten können – und der Verdrängung durch hohe Mieten etwas entgegensetzen können. Von Seiten des Landes Berlin hatte sich die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) in einer Bietergemeinschaft um das Areal bemüht, aber mit 16,5 Millionen Euro zu wenig Geld geboten.

Trotz Kritik der Opposition im Bundestag setzte der Bund die Privatisierung durch. Berlin bekommt trotzdem etwas von der Fläche ab. Die landeseigene Howoge darf die 139 Mietwohnungen erwerben. Zu welchem Preis, das bleibt ein Geheimnis. Am Mittwoch wurde die Grundsteinlegung gefeiert.