Am heutigen Montag beginnt für rund 400.000 Schüler wieder die Schule. Für die etwa 33.000 Erstklässler ist in der kommenden Woche Schulstart. Mittlerweile besucht jeder zehnte Schüler der Stadt eine freie Schule. Doch der Privatschul-Boom stößt jetzt offenbar an seine Grenzen.

Seit Jahren nimmt die Zahl der Privatschulen in Berlin zu. Von Alternativschulen und Waldorfschulen über Montessori-Angebote und konfessionelle Schulen bis hin zu exklusiveren bilingualen Schulen ist alles dabei.

Zum Beginn des neuen Schuljahres öffnen aber nur zwei kleinere Neugründungen: die evangelische Stephanus-Schule für Kinder mit geistiger Behinderung in Weißensee und die Apego-Gemeinschaftsschule in Waidmannslust, ausgerichtet auf selbstbestimmtes Lernen und lateinamerikanische Sprachen.

„Es gibt kaum noch freie Grundstücke oder Gebäude“, erklärt Andreas Wegener vom Privatschulverband. Um Lehrer müsse man mit staatlichen Schulen konkurrieren, die in der Regel besser bezahlen. Zudem dauere es jahrelang, bis eine neugegründete Schule staatliche Zuschüsse in Anspruch nehmen könne.

Ein sogenanntes Vollkostenmodell ist in Arbeit

Mehr denn je setzen die Privatschulen inzwischen auf ein neues Finanzierungsmodell, das laut rot-rot-grünem Koalitionsvertrag bis 2019 vorliegen soll. Bisher erhalten freie Schulen 93 Prozent der Personalkosten, die staatliche Schulen haben. Die Betriebskosten werden indes nicht erstattet.

Das soll sich ändern, ein sogenanntes Vollkostenmodell ist in Arbeit. „Verschiedene Haushalte werden dafür derzeit durchforstet“, sagt Wegener.

Allerdings gibt es aus Sicht der Privatschulen bereits jetzt größere Probleme: Die staatlichen Tariferhöhungen der vergangenen Jahre kommen durch das langwierige Berechnungsverfahren erst mit mindestens einem Jahr Verzögerung bei den freien Schulen an. Zudem sorgen die vielen Quereinsteiger und Lehrer ohne volle Lehrbefähigung, die zuletzt an den öffentlichen Schulen eingestellt wurden, für Unruhe.

Weil sie erst einmal weniger verdienen, rechnen die Privatschulbetreiber damit, das auch ihr Zuschussanteil zunächst noch weiter absinken wird. Denn der richtet sich ja nach dem Durchschnittsverdienst an den staatlichen Schulen. Schon vor vielen Jahren waren die bezirklichen Reinigungskräfte durch private ersetzt worden. Dadurch fiel dieser ganze Posten bei den Personalkosten raus.

Beim jetzigen System häufen sich regelmäßig große Schuldenberge bei neuen freien Schulträgern

Zuletzt sorgte eine Studie aus dem Wissenschaftszentrum Berlin für heftige Diskussionen. Die Autoren stellten die These auf, dass das hohe Schulgeld einiger Berliner Privatschulen sogar gegen Bestimmungen des Grundgesetzes verstoße. Schüler aus ärmeren Familien würden vom Schulbesuch ausgeschlossen. Inzwischen gibt es ein Gegengutachten der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Und auch Detlef Hardorp, der die Waldorfschulen vertritt, weist dies zurück. „Beim jetzigen System häufen sich regelmäßig große Schuldenberge bei neuen freien Schulträgern wegen fehlender Ausgleichszahlungen und wegen Schulneubauten an, die letztlich nur über höhere Elternbeiträge abbezahlt werden können“, sagt Hardorp.

Tatsächlich werden die Privatschulbauten nicht auskömmlich finanziert. „Mehrfach wurde der Zuschuss strukturell gekürzt“, sagt Hardorp. Dass der staatliche Zuschuss jedes Jahr von der Summe her ansteige, hänge lediglich mit den Tariferhöhungen zusammen.

Die freien Schulträger sind prinzipiell bereit, mehr Kinder aus armen Familien aufzunehmen. Allerdings fordern sie dafür Personalzuschläge mindestens in dem Umfang, wie sie jetzt die staatlichen Schulen erhalten. Die Beratungen über das neue Finanzierungsmodell gehen jetzt in die heiße Phase. Die Berechnungen werden abgeschlossen, für das kommende Jahr wird eine politische Entscheidung erwartet.