Beim Namen Sigmund Freud hat man eher das Bürgerhaus in der Wiener Berggasse 19 vor Augen, wo noch immer die berühmte Analyse-Couch steht. Man stellt sich den großen Psychoanalytiker kaum in einem Gebäude am Flughafen Tempelhof vor – in enger Nachbarschaft zum Berliner Polizeipräsidenten. Doch genau hier sollen bald die ersten jungen Leute unter Freuds Namen mit dem Studium beginnen.

Die Wiener Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) eröffnet eine eigene Berliner Außenstelle in den Räumen am Platz der Luftbrücke 1. „Wir können im Herbst mit 25 Studenten starten“, sagt Katharina Reboly, die Koordinatorin des neuen Standorts. Sie war eine der ersten Studierenden der Wiener Privatuni, die seit fast zehn Jahren besteht.

Möglichst viele Wege

Heute hat die SFU in Wien etwa 1 000 Studenten, davon sind etwa ein Drittel Deutsche. Sie besitzt weitere Standorte in Linz und Paris. „Dort können auch die Berliner Studenten ohne Zeitverlust ein Semester oder Praktikum absolvieren“, sagt Katharina Reboly.

Bereits jetzt gibt es fast dreißig Privathochschulen in Berlin – darunter auch psychologisch orientierte, etwa die 2009 gegründete International Psychoanalytic University Berlin in Moabit. Sie hat 420 Studenten, und der Name Sigmund Freud würde wohl eher zu ihr passen. Denn sie bildet klinische Psychologen und Psychoanalytiker aus. Die jetzt neu nach Berlin kommende Wiener Privatuni dagegen betont die Breite ihres dreijährigen „geisteswissenschaftlich orientierten Psychologiestudiums“.

Der Bachelor soll verschiedene Wege öffnen, zur klinischen Psychologie oder zur Arbeits- und Sozialpsychologie. Die Studenten lernen in sehr kleinen Gruppen. Sie erhalten auch Einblicke in Neuro-, Sprach- und Wirtschaftswissenschaften oder Soziologie. „Unsere Studenten müssen auch eine Studie lesen, kritisch beurteilen und selbst durchführen können“, sagt Reboly. Gezielt würden psychologisches Erfahrungswissen und kommunikative Fähigkeiten gefördert. Der Abschluss entspreche EU-Kriterien und sei in Deutschland staatlich anerkannt. Man könne an der SFU einen Master anschließen. Auch über einen Berliner Master denken die Organisatoren nach.

Gebühren von 913 Euro im Monat

Ausgewählt werden die Studenten über persönliche Gespräche. „Wir sind der Auffassung, dass eine Schulnote allein nichts darüber aussagt, ob man später ein guter Psychologe wird“, so Katharina Reboly. Die SFU bietet damit auch eine Alternative für Studenten, die bisher vergeblich versuchten, in Berlin zu studieren. Der schlechteste Bewerber, der an der Freien Universität (FU) im Wintersemester noch einen Psychologie-Platz bekam, hatte eine Abiturnote von 1,1 und bereits sechs Jahre auf den Platz gewartet.

Allerdings ist das Studium an der privaten SFU teuer. Es kostet 913 Euro im Monat, 5 379 Euro im Semester. „Dennoch kenne ich niemand, der aus finanziellen Gründen nicht bei uns studieren kann, wenn er dafür geeignet ist“, sagt Reboly. Die Privatuni selbst stelle Leistungsstipendien zur Verfügung.

Erste Informationsveranstaltung der SFU: 26. April, 16 Uhr, im Gotischen Saal im Viktoria Quartier nahe dem U-Bahnhof Platz der Luftbrücke, Zugang über die Methfesselstraße 24-40.