Berlin - Zum Schluss waren die Pro-Deutschland-Leute überhaupt nicht mehr zu vernehmen. Zu laut war der Lärm, den Hunderte Gegendemonstranten in der Liebigstraße in Friedrichshain machten.

Unter dem Motto „Der Islam gehört nicht zu Deutschland, Islamismus stoppen“  hatte die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland am Wochenende in Berlin einen zweitägigen Kundgebungs-Marathon mit einer Handvoll Leuten organisiert. Gewerkschaften, Parteien und linke Gruppen hatten zu Gegenprotesten aufgerufen. Aus Angst davor, dass diese in Gewalt münden,  verwandelte die Polizei die Innenstadt in ein Heerlager. Es gab  weiträumige Straßensperren, auch U-Bahn-Zugänge wurden zugemacht.

Am Sonntagvormittag und -mittag hatten 45 Pro-Deutschland-Leute  bereits Kundgebungen abgehalten vor dem Rathaus Kreuzberg, der Linksautonomenhochburg „Köpi“ in Mitte und auf der Warschauer Brücke in Friedrichshain. Mehrere hundert Gegendemonstranten waren gekommen und skandierten Sprüche wie: „Nazis  raus“  oder „Deutschland ist Scheiße, Ihr seid die Beweise“. Ein Polizeisprecher charakterisierte die Proteste jedoch als „laut, aber friedlich“. In der  Liebigstraße trennte schließlich ein massives Polizeiaufgebot Pro Deutschland von rund 400 Protestierern.

Zwischenfälle nur in Neukölln

Pro Deutschlands „freiheitliche Stadtrundfahrt“ sollte zu „politischen Brennpunkten“ führen. Bei ihren Stationen am Sonnabend und Sonntag hielt Pro Deutschland jedes Mal rund zehn Minuten lange Kundgebungen ab und beschimpfte die Gegendemonstranten als Schmarotzer. Am Sonnabend hatten sie vor drei Moscheen in Wedding und Neukölln Halt gemacht, um dort Mohammed-Karikaturen zu zeigen. Die Al-Nur- und die As-Sahaba-Moschee in Neukölln und Wedding sind laut Verfassungsschutz Anlaufpunkte von Salafisten, einer besonders radikalen Strömung des Islamismus.

Die Pro-Deutschland-Demonstranten hatten die Hoffnung, dass sich die Gläubigen zu wütenden Reaktionen hinreißen lassen, wie bereits bei gleichen Veranstaltungen im Mai in Solingen, wo es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und der Polizei gekommen war. Zwischenfälle gab es  aber nur an der Flughafenstraße in Neukölln. Dort bewarfen Demonstranten die Rechtspopulisten mit gelben Farbbeuteln und  Flaschen. Im Vorfeld hatte die Polizei  mit den betreffenden Moscheegemeinden gesprochen, damit diese mäßigend auf ihre Mitglieder einwirkten. Die muslimische Gemeinde in Berlin hatte deshalb auch nicht zu Gegendemos aufgerufen.

NPD-Chef verklagt Pro-Deutschland-Chef

Erschienen war am Sonnabend auch der Berliner NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke. Er wurde von Pro-Deutschland-Geschäftsführer Seidensticker der Kundgebung verwiesen, und es kam zu einem hitzigen Wortgefecht, nach dem Schmidtke von Seidensticker wegen Beleidigung angezeigt wurde, angeblich. „Ich lasse mich nicht als V-Mann des Verfassungsschutzes bezeichnen“, sagte Schmidtke.

Am Sonnabend waren etwas über 50 Pro-Deutschland-Leute zum Marsch gekommen, am Sonntag  nur 45. Um ihr Demonstrationsrecht zu gewährleisten, waren an beiden Tagen 1800 Polizisten im Einsatz, darunter Einheiten aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei. Unterstützt wurden sie auch von einem Hubschrauber, dessen Besatzung nach Wurfgeschossen auf den Dächern Ausschau hielt. Eine Einheit der Bundespolizei stand in der Liebigstraße mit Leiter, Ramme und ballistischem Schild bereit, um Häuserdächer zu stürmen, sollten Gegendemonstranten von dort aus Steine werfen.   

Nach Angaben der amtierenden Polizeipräsidentin Margarete Koppers habe die Präsenz der Beamten dazu beigetragen, die politischen Lager auseinanderzuhalten. Und CDU-Innensenator Frank Henkel, der sich die Polizeieinsätze ansah, gab sich zufrieden mit dem Verlauf beider Tage: „Die Polizei agierte besonnen und hochprofessionell.“