Berlin - Die Eltern von zwei türkisch- und einem arabischstämmigen Schüler haben gegen die Senatsbildungsverwaltung geklagt. Ihr Vorwurf: Der hohe Migrantenanteil in der Klasse 7.5 des Leondardo-da-Vinci-Gymnasiums in Buckow habe dazu geführt, dass die drei Schüler im vergangenen Schuljahr dort das Probejahr nicht bestanden haben. Die ungewöhnliche Klage wird am kommenden Donnerstag vor dem Berliner Verwaltungsgericht behandelt.

Die Eltern stören sich daran, dass ihre Kinder in eine Klasse mit einem besonders hohen Anteil türkischstämmiger Kinder kamen, die zudem zumeist von einer Nord-Neuköllner Grundschule mit schwieriger Schülerschaft kamen. „Aus unserer Sicht führte die Klasseneinteilung zu einer ethnischen Diskriminierung für die Kläger“, sagte Rechtsanwalt Carsten Ilius, der die drei Schüler vertritt.

Die strukturelle Benachteiligung der Klasse sei auch nicht durch besondere Fördermaßnahmen ausgeglichen worden. „Deshalb wollen meine Mandanten festgestellt haben, dass die Situation an dem Gymnasium diskriminierend war“, sagte Ilius. Er gebe zu, dass der konkrete Fall rechtlich extrem verwickelt sei.

Gymnasialklassen unterschiedlich

Die Schule habe die neuen 7. Klassen sachgerecht und gemäß ihres Ermessensspielraum her eingerichtet, betonte hingegen Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Zu Schuljahresbeginn seien acht 7. Klassen eingerichtet worden. Dabei lag der Anteil der Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache in einer Klasse – einer „Lateinklasse“ bei nur 13 Prozent, in zwei anderen Klassen hingegen bei jeweils 63 Prozent. Die Schule habe die Einteilung nach Fremdsprachenwahl, der Teilnahme am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht und der Leistungsdurchmischung getroffen, betonte die Bildungsverwaltung. Zudem sei darauf geachtet worden, dass Freunde aus der Grundschule in eine Klasse kommen.

Der Vorwurf, dass Schule angeblich bewusst besonders viele Migranten in eine Klasse stecken, taucht immer wieder auf. Die zwei türkischstämmigen Schüler waren mit einer Gymnasialempfehlung und einem Notenschnitt von 2,0 und 2,1 an das Gymnasium gekommen. Der dritte Schüler hatte eine Sekundarschulempfehlung erhalten. Am Ende der 7. Klasse hatten die beiden Jungs acht beziehungsweise neun Fünfen auf dem Zeugnis, das Mädchen fünf.

Die Bildungsverwaltung sieht auch deshalb keine Diskriminierung, weil die andere 7. Klasse mit genau dem gleichen Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache deutlich besser abgeschnitten hat. In der Klasse der drei Schüler, deren Eltern klagen, bestanden hingegen 11 von 32 Schülern das Probejahr nicht. Das zweitschlechteste Ergebnis hatte aber dann die Klasse, die den geringsten Anteil von Migrantenkindern hatte.

Inzwischen besuchen die drei Schüler eine Sekundarschule, haben dort gute Noten und wollen gar nicht an das Gymnasium zurück. Das wiederum könnte dafür sorgen, dass die Klage gar nicht zulässig ist. Sonst beschäftigen Eltern nämlich das Verwaltungsgericht, um einen Schulplatz einzuklagen.