Berlin - Präzise gleitet das Messer durch die Tomaten, Putenmedaillons in Eihülle liegen bereit, sie werden gleich ins heiße Öl gelegt. Die Spitzenköche Markus Semmler und Gerd Hammes hobeln Parmesan und schwenken Pfannen, als würden sie für zahlende Gäste kochen.

Doch am Freitag bereiteten sie Schulessen zu. Der Landeselternausschuss (LEA) hatte sie animiert, im Speiselokal „Das Restaurant“ in Wilmersdorf eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, und dabei zu zeigen, wie sich der Preis eines Gerichts auf dessen Qualität auswirkt. Semmler und Hammes kochten zuerst Spaghetti Bolognese.

Die Zutaten pro Portion sollten dabei nicht teurer als 50 Cent sein. Danach gab es eine Puten-Piccata mit Nudeln, Preisrahmen: ein Euro. Auch Stadträtin Elfi Jantzen aus Charlottenburg-Wilmersdorf und Rolf Hoppe, Sprecher der Berliner Schulcaterer, probierten die Gerichte.

Qualitätskontrollen gefordert

Anlass für die Aktion war eine in der vergangenen Woche erschienene Studie im Auftrag der Senatsverwaltung. Sie besagt, dass das Berliner Schulessen zu günstig ist, als dass es gehaltvoll und vitaminreich sein könnte. Laut Studie kostet eine Portion Grundschulessen in Berlin durchschnittlich nur 2,01 Euro. Um eine gesunde Ernährung sicherzustellen, müsste jede Portion allerdings zwischen 3,17 und 3,36 Euro kosten, so die Autoren der Studie. Zur Zeit wird das Schulessen in Berlin anteilig von den Eltern der Schüler sowie dem Land getragen: Einkommensunabhängig zahlen Eltern rund 1,50 Euro pro Gericht, die Stadt gibt etwa 50 Cent dazu. Welcher der Schulcaterer eine Schule beliefert, entscheidet jeder Bezirk eigenverantwortlich.

Wie kann man das Schulessen nun verbessern, um eine ausgewogene Ernährung der Kinder zu garantieren? Diese Frage stand am Freitag beim Kochen mit den Spitzenköchen im Vordergrund – und erhitzte die Gemüter. Um zu zeigen, dass man auch für wenig Geld gutes Essen zubereiten kann, referierten die Köche ihre Nudelpreise: sehr billig. Catering-Sprecher Hoppe unterbrach sie: „Wir können keine günstigeren Nudeln kaufen, bei uns müssen sie länger frisch bleiben im Wasser!“

Erika Takano-Forck von der AG-Schulessen des LEA forderte derweil Qualitätskontrollen für Essen in Schulen, die berücksichtigen, ob es gesund und ausgewogen ist. „Bisher werden die Gerichte nur vom Gesundheitsamt unter hygienischen Aspekten geprüft oder engagierte Eltern kommen zum Probeessen. Um zu kontrollieren, wie gesund das Essen ist, brauchen wir ein weiteres Kontrollorgan“, sagte sie. Erst auf dieser Grundlage könne man über den zukünftigen Preis des Essens sprechen.

Am Ende kommen beide gut weg

Rolf Hoppe vom Verband der Schulcaterer tat dies dennoch schon am Freitag – in der gegenüberliegenden Ecke der überfüllten Küche. „Etwa drei Euro braucht man, um ein ausgewogenes Essen zu kochen“, sagte er. „Einen Euro für die Zutaten, den zweiten fürs Personal und den dritten Euro für den Verwaltungsaufwand der Caterer.“

Bezirksstadträtin Elfi Jantzen erwartet den kommenden Montag mit Spannung: Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung veranstaltet zusammen mit dem Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses eine Anhörung zur Zukunft des Schulessens. „Ob eher die Eltern oder die Stadt in Zukunft finanziell stärker belastet werden sollten – darüber kann ich noch nicht urteilen“, sagte Jantzen. Sollte es die Eltern treffen, steht ein Zuschuss für Einkommensschwache im Raum. „Da wäre dann aber die Frage, wer die Einkommensnachweise prüft“, so die Bezirksstadträtin.

Viele offene Fragen in einer dampfgefüllten Küche. Am Rande des Trubels stand Grundschülerin Maike Schmidt (8) und drehte verschüchtert die Nudeln auf ihrem Teller. Gemeinsam mit Sechstklässler Bruno Bergmann (11) war sie als Testesserin zu Gast. Den Kindern schmeckten beide Gerichte, das günstige und das teure. „Aber die Nudeln in der Schule, die mag ich nicht“, sagte Maike. „Die sind immer so pappig. “