Berlin - Problematische Vorfälle an der Berliner Polizeischule und der Bericht darüber sind am Montag Thema im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Dazu sind mehrere Experten und betroffene Menschen von der Ausbildungsstätte zur Anhörung eingeladen. Mit den Innenpolitikern sprechen sollen der Leiter der Polizeiakademie, Jochen Sindberg, ein Vertreter der Polizeischüler und ein Mitglied des Personalrates. Eingeladen ist außerdem Ahmad Mansour, ein Psychologe und arabischstämmiger Deutsch-Israeli, der sich mit Integrationsfragen und der muslimischen Einwanderergesellschaft befasst.

Anonyme Vorwürfe zu Zuständen an der Schule für den Polizeinachwuchs hatten im November für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Rede war von Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung und schlechtem Deutsch in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien.

In dem Bericht der Polizei, der am Montag diskutiert werden soll, heißt es, der hohe Anteil von Polizeischülern aus Zuwandererfamilien sei nicht Ursache für problematisches Verhalten. Allerdings kritisieren Ausbilder, dass Pünktlichkeit, Höflichkeit oder die Bereitschaft zur Anstrengung „nicht mehr in sehr hohem Maße” präsent sein.

Zwar gebe es keine massiven Störungen, aber „gravierende Verstöße im Einzelfall”. Zitiert wird auch aus einer Einschätzung an der Akademie, dass es in jeder Klasse ein bis zwei Polizeischüler gebe, deren Verhalten als nicht zufriedenstellend, „wenn nicht gar problematisch” angesehen werde.

In diesem Jahr wurden laut dem Bericht bis zum 15. November 35 Disziplinarverfahren gegen Auszubildende des mittleren und höheren Dienstes eingeleitet. Im gesamten Vorjahr waren es 30, 2015 noch 22 Verfahren. Geprüft werde in solchen Fällen auch die charakterliche Eignung.

Wegen der laufenden Aufstockung der Polizei in Berlin werden in diesem Jahr deutlich mehr Polizisten ausgebildet als früher. Von 1200 Auszubildenden ist die Rede. Die Zahl der Lehrer an der Schule konnte aber nicht so schnell erhöht werden, so dass das Personal unter Druck steht. (dpa/bb)