Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), und für deren Geschäftsführer, Hartmut Mehdorn, wird es eine der schwierigsten Sitzungen seit Langem. Öffentlich wird über seine Ablösung spekuliert, und der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit zweifelte an, ob Mehdorn tatsächlich wie angekündigt einen Zeitraum würde nennen können, zu dem der neue Hauptstadtflughafen BER in Betrieb gehen kann.

So ist es wohl zu erklären, dass sich der sonst nicht allzu medienaffine Mehdorn zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen hat. Am Mittwoch ließ er einen 27-seitigen Bericht an Pressevertreter verschicken, in dem er detailliert seine bisherige Arbeit bilanziert, die Probleme an der BER-Baustelle zusammenfasst und skizziert, wie er das Vorhaben zu Ende bringen will.

Ausführlich beschreibt Mehdorn in dem Papier, in welch schlechtem Zustand er die Flughafengesellschaft und die Baustelle übernommen habe. Die Auswirkungen der Umplanungen und Erweiterungen des Baus seien dramatisch unterschätzt worden. Zahlreiche Systeme wie die Entrauchungsanlage seien überlastet gewesen. „Es war so, als würde man ein Fahrrad mit fünf Mann beladen und sich wundern, dass sich das Gefährt kaum noch sinnvoll steuern lässt“, schreibt Mehdorn. „Die Flughafengesellschaft war als Bauherr überfordert. Ein kompetenter Flughafenbetreiber wurde zum inkompetenten Flughafenbauer.“

Unter seiner, Mehdorns, Führung sei die Flughafengesellschaft darum vollkommen neu aufgestellt worden, insbesondere mit dem Aufbau des sogenannten Sprint-Teams. Dies habe erfolgreich gearbeitet, und es sei gelungen, 39 von 40 Gebäuden fertigzustellen.

Beim vierzigsten Gebäude, dessen Fertigstellung noch nicht absehbar ist, handelt es sich jedoch leider um das wichtigste: um das Hauptterminal. Wie es um den Fortgang der Arbeiten steht, insbesondere an der nicht funktionstüchtigen Entrauchungsanlage, lässt sich aus Mehdorns Bericht auch herauslesen. „Die Planung der Entrauchungsertüchtigung für den Gebäudeteil A-Riegel befindet sich in der Grundlagenermittlung“, schreibt Mehdorn. Will sagen: Es gibt keinen Plan, und es wird noch lange dauern, ehe er vorliegt.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Im zweiten Quartal 2015 soll die Sanierung der Kabelstränge im Terminal abgeschlossen sein, die BER-Techniker haben damit immerhin eines der großen Rätsel des Gebäudes gelöst.

Und überhaupt: Wenn der Flughafen irgendwann mal fertig ist, wird er großartig sein, verpricht Mehdorn: „Der BER wird einer der schönsten Flughäfen Europas.“ Noch dazu sei er modular erweiterbar. Die mögliche Kapazitätserweiterung wird eines der Themen auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag sein. Bislang favorisierten Mehdorn und auch viele Politiker eine Weiternutzung des alten Terminals in Schönefeld. Nun ist eine zweite Variante im Gespräch: die Erweiterung der Pier Nord und perspektivisch auch der Pier Süd, die erhebliche neue Kapazitäten schaffen könnte.

Die Leitung der Aufsichtsratssitzung, die in Motzen südlich von Berlin stattfindet, wird Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) übernehmen. Einen Aufsichtsratsvorsitzenden gibt es nach dem Rückzug von Klaus Wowereit derzeit nicht. Dessen Nachfolger als Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), zieht zwar in den Aufsichtsrat ein, übernimmt aber nicht den Vorsitz.