Programm der Republica 2015: Youtuber, Pussy Riot und Netflix

Das wird wieder ein Auflauf in der STATION am Gleisdreieck in Kreuzberg. 6000 Gäste erwarten die Organisatoren von Dienstag bis Donnerstag. Die werden sich dann zwischen 16 Bühnen und noch mehr Workshopräumen tummeln, um bei weit über 400 Vorträgen die neuesten Trends und Debatten der digitalen Gesellschaft aufzuspüren. Oder einfach mit einem zufällig gefundenen interessanten Gesprächspartner die Zeit verquatschen, wie Republica-Geschäftsführer Andreas Gebhard das bereits in den letzten Jahren beobachtet hat.

Finding Europe lautet das Motto der Republica 2015, aber das ist mehr ein ehrenwerter, jedoch vergeblicher Versuch der Organisatoren, für sich und die anderen ein bisschen Überblick und Ordnung über das riesige Programm zu schaffen. Vorträge wie „Mensch, Macht, Maschine – Wer bestimmt, wie wir morgen arbeiten?“ (Donnerstag um 10 Uhr) oder „Fremd gehen immer nur die anderen – Liebe und Beziehung in den Zeiten der Digitalität“ (Donnerstag um 12.30 Uhr, u.a. mit der Bloggerin Journelle) zeigen deutlich, dass das Internet alle Lebensbereiche durchdringt und das (fast) überall.

Die Organisatoren haben in ihr eher beliebiges Europa-Motto denn auch eine Reihe von Subkonferenzen, Unter-Schwerpunkte und Themen-Tracks eingezogen. Da geht es dann auch um „Global Innovation Gathering“ mit Innovatorinnen aus aller Welt, es geht um Digitalisierung im Bereich Gesundheit, ebenso wie um „Schwarmdummheit“ oder um neue Bildungsansätze und den Umgang von Kindern mit dem Netz. Also letztlich um alles.

Die Media Convention präsentiert sich am gleichen Ort zur gleichen Zeit auf drei Bühnen mit einem ähnlich ehrgeizigen Ansatz. Hier geht es nach Aussage der Macher um das „Spannungsfeld zwischen kreativen und technologischen Prozessen“, aber auch wieder um mehr. Zum Beispiel um das Fernsehen der Zukunft. Das wird ein Thema beim Gespräch mit Netflix-Chefs Reed Hastings sein (Dienstag, 16 Uhr, Bühne 1). Es ist sein erster öffentlicher Auftritt in Deutschland seit Einführung des deutschen Netflix-Angebots im September 2014. Gleich danach sind Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Peter Verzilow, Kern der russischen Aktivistengruppe Pussy Riot, an der Reihe (Bühne 5).

Die Media Convention, die vom Medienboard Berlin-Brandenburg veranstaltet wird, findet nur am Dienstag und Mittwoch statt, hat aber an beiden Tagen ein besonderes Abend-Angebot: Am Dienstag präsentiert Sky um 20.15 Uhr ein Screening der ersten Folge der fünften Staffel von „Game of Thrones“. Am Mittwoch laden die Youtuber von Rocket Beans TV, Etienne Gardé und Simon Krätschmer, zu einem Live Let’s Play Grand Theft Auto ein. Start ist gegen 18:45 Uhr. Der Eintritt ist jeweils frei!

Sie wollen nicht nur spielen. Die Youtuber werden auch für Diskussionen sorgen. So wird es am Donnerstag um die interessante Frage gehen: „Sind Youtuber wachstumsgeile Kommerzhuren?“, während einer von ihnen, LeFloid (Florian Mundt) schon am Vortag Auskunft darüber geben will, wie das so ist mit dem Geldverdienen auf Youtube. Ihm zur Seite steht unter anderem Sebastian Romanus, der für die Maker Studios in München auf der Suche nach neuen Youtube-Talenten ist. Ebenfalls am Mittwoch stellen Videoexperte Bertram Gugel und SPD-Medienpolitiker Björn Böhning die „Flüchtige Macht“ von Youtube in Frage, denn „Facebook & Co. greifen an“. So ist eben immer alles in Bewegung im Netz.