Neil MacGregor saß noch nicht neben Präsident Hermann Parzinger, den Generaldirektoren und Direktoren in der Jahrespressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Bisher bleiben die bisherigen Chefs also unter sich, obwohl der Brite von Politik und Medien schon als Retter des Projekts Humboldt-Forum gefeiert wird.

Er stand also dennoch im Zentrum der Fragen: Ja, so Parzinger, MacGregor habe im Januar „zehn Tage“ intensiv in Berlin gearbeitet. Mehr ginge wohl kaum, muss er sich auch noch um Radio und Fernsehen und die Planung des Weltmuseums in Mumbai/Bombay kümmern. MacGregor könne, meint Parzinger, auch noch Einfluss nehmen, obwohl die Museen schon Details ihrer Ausstellungen planten. Vor allem im ersten Geschoss des Humboldt-Forums, das bisher Bibliotheken zugedacht ist, und im Veranstaltungsbereich sei viel zu tun.

Parzinger zeigte sich wenig begeistert vom abrupten Weggang von Schlossbau-Chef Manfred Rettig. Immerhin erhält das Humboldt-Forum nun endlich eine eigene Verwaltung in Form der Humboldt-Forum GmbH. Sie wird wesentlich aus der bisherigen Stabsstelle der Preußen-Stiftung heraus besetzt und soll etwa 35 Mitarbeiter haben. Damit dürfte Parzingers Einfluss gesichert sein.

Die Staatsbibliothek verbuchte 962000, die Staatlichen Museen hatten fast 3,8 Millionen Besuche im vergangenen Jahr, dabei sind der Pergamonaltar, die Neue Nationalgalerie, die Friedrichswerdersche Kirche, Teile der Sammlung Berggruen geschlossen, die Eintrittszeiten teils erheblich reduziert worden. 2015 kündigte Parzinger als Ausgleich noch eine Pergamon-Sonderausstellung an. Die scheint inzwischen unter den Tisch gefallen zu sein. Auch sonst gibt es keinerlei Ausgleichsangebote für die Museumsbesucher. Kein Geld.

Verhandlungen im Bundestag

Zwar hat die Stiftung von den Hauptfinanziers Bund und Berlin zum Etat von fast 290 Millionen Euro noch 7,5 Millionen dazubekommen. Etwa 18 Prozent erwirtschaftet sie selbst. Dennoch waren es 2015 immer noch 5,5 Millionen zu wenig für Personal, Anschaffungen und Bauten. Deswegen konnte die Gemäldegalerie, die eine der bedeutendsten Niederländer-Sammlungen der Welt bewahrt, lange die Stelle des Niederländer-Kurators nicht besetzen. Auch jetzt geht das nur, weil Generaldirektor Eissenhauer künftig zugleich die Galeriedirektion übernimmt und so Geld frei wird.

Restaurierungen werden gestreckt, die Bauinstandhaltung klemmt, keiner weiß, wie die kommende Großsanierung der Neuen Staatsbibliothek am Kulturforum bezahlt werden soll. Die Staatsbibliothek hat wegen ihrer chronischen Unterfinanzierung angekündigt, nach 300 Jahren Anstrengung den Anspruch auf die Universalbibliothek aufzugeben. Die eisern konkurrierende Bayrischen Staatsbibliothek kann sich darüber freuen.

Immerhin, die James-Simon-Galerie, der Eingangsbau zur Museumsinsel also, „sei im Plan“, berichtete Parzinger. Kein Wort verliert er mehr über die dramatische Kostensteigerung von schon sehr teuren 74 auf unverschämte 140 Millionen Euro. Eine Zukunftsidee für Dahlem hatte er nicht, nur, dass dort faktisch für die nächsten Jahre das Depot bleibt. Und was ist mit dem Betriebsetat des Humboldt-Forums? Nach Parzinger wird der 50 bis 55 Millionen Euro betragen. Die Verhandlungen mit dem Bundestag hätten begonnen. Vielleicht legt auch MacGregor ein gutes Wort für die angemessene Finanzausstattung des Großprojekts ein.