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Britt Stordeur wird sich an diesem Mittwoch in ihren blauen VW-Bus setzen, nach Berlin fahren und 1,8 Millionen Euro abholen. In einem Saal im Landwirtschaftsministerium wird Ilse Aigner (CSU) stehen. Die Ministerin wird Britt Stordeur die Hand schütteln und sicherlich Sätze sagen wie: Wir freuen uns, die Uckermark bei der Verwirklichung ihrer Ideen zu unterstützen.

Beide Frauen werden für ein gemeinsames Foto lächeln, dann wird Britt Stordeur ihre Unterlagen zusammenpacken und zurück nach Prenzlau fahren.

Sie hat sich viel vorgenommen für die nächsten drei Jahre: Polnische Fachkräfte sollen in die Uckermark kommen, ein Verein für Zugezogene gegründet werden. Und auch sonst will Britt Stordeur mehr als 50 Ideen mit diesem Geld fördern, um die Uckermark reizvoller zu machen.

So will das Projekt Campus Handwerk arbeitslose Akademiker und Handwerksbetriebe zusammen bringen, um innovative Produkte zu entwickeln. Der Tourismus soll durch schwimmende Bungalows belebt werden – das Vorhaben heißt Annenwalder Schiffchen. Und mit dem Projekt KombiBus werden Leerfahrten von Bussen für den Post- und Lebensmitteltransport genutzt.

Das Fördergeld reicht nicht aus

Seit Mittwoch ist die Uckermark eine von vier deutschen Modellregionen einer Bundesinitiative zur Förderung ländlicher Gebiete: Mit dem Geld des Projekts "LandZukunft" soll die Uckermark wirtschaftlich aufgepäppelt und für die Bewohner lebenswerter werden.

Und daran arbeitet Britt Stordeur unermüdlich. In den Tagen vor dem Treffen mit Ilse Aigner saß sie viele Stunden an ihrem Schreibtisch in der Kreisverwaltung. Die 45-Jährige ist seit drei Jahren Amtsleiterin für Kreisentwicklung in Prenzlau, sie hat die vielen Projektideen koordiniert und die besten beim Ministerium schließlich eingereicht. „Die 1,8 Millionen Euro sind zu wenig, um wirklich Strukturen zu ändern. Wir können am Ende nicht die gleiche Schönheit garantieren wie im Bayerischen Wald“, sagt sie. „Da müsste man eine Null ranhängen.“

128.000 Menschen leben noch im Landkreis

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Die Probleme der Uckermark beginnen gleich hinter Britt Stordeurs Bürofenster: marode Klinkerbauten, zerfallene Verwaltungsgebäude, und dazwischen eine verlassene Baustelle, auf der einmal ein Wohnhaus stand. Etwa 128.000 Menschen leben noch in der Uckermark, so viele wie zuletzt vor 150 Jahren. Bis 2030 sollen es weniger als 100.000 sein, drei Viertel aller Uckermärker passten dann ins Berliner Olympiastadion. Dabei ist die Region Deutschlands zweitgrößter Landkreis, größer als das Saarland und Bremen zusammen. Doch jedes Jahr verlassen 2000 Menschen das Gebiet, das sind jeden Tag fünf, die weggehen aus der Uckermark. Nach UN-Maßstab gilt die Region bereits als entvölkert, wie das Australische Outback oder viele Wüstengebiete. „Hier wandert ja keiner ab, der Hartz IV bekommt. Sondern es wandern genau die ab, die das Schild lesen können: Achtung Bahnhof!“, sagt Britt Stordeur. „Die steigen in den Zug und fahren ab, das ist ja das Problem.“