Projekt Pankower Tor: Krieger baut sich ein Denkmal

Berlin - Kurt Krieger hat sich das billigste Sofa im gesamten Möbelhaus ausgesucht. Modell Vantara, 299 Euro, ein Aktionspreis. Nun sitzt er da und redet, wie er sagt, über die „bewegte Geschichte“ seines Unternehmens, über seine Pläne und Großprojekte. Es gibt nicht viele dieser Gelegenheiten. Der Berliner Unternehmer mit den meist wirr liegenden grauen Haaren meidet die Öffentlichkeit. Sein Privatvermögen wird auf 700 Millionen Euro geschätzt, auf der Liste der reichsten Deutschen steht sein Name auf Platz 151. Weil es in seinen Möbelhäusern Sofas für 299 Euro gibt.

Auf der Billigware zeigt der Möbel-Millionär im Untergeschoss seines Stammhauses in der Pankstraße in Wedding alte Bilder aus seinem Album. Damals, 1969, begann in diesem Haus die Erfolgsgeschichte des Kurt Krieger, 21 Jahre alt. Mit einem Kredit von 16 Millionen D-Mark hat Krieger die frühere Schokoladenfabrik zum Möbelhaus umgebaut. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr. Höffner, Sconto, Möbel-Kraft. Ihm gehören heute über 60 Möbelhäuser von Bratislava bis Kiel. Nach Ikea ist er die Nummer 2 auf der Liste der erfolgreichen Möbelhäuser. Soeben hat Kurt Krieger das Höffner-Stammhaus in Wedding für fünf Millionen Euro komplett umgebaut.

Sogar das Besteck von Höffner

Kurt Krieger ist 64 Jahre alt. Er lebt in einem Haus am Wannsee. Komplett eingerichtet mit den Waren seiner Möbelhäuser. Ist alles von Höffi“, sagt er. Das Sofa („mit so einem Ding vorn zum Beinehochlegen“), die Küche, auch das Besteck. Kurt Krieger könnte sich auf ein ruhiges Rentnerdasein vorbereiten, seine Tochter Sonja (33) führt die Geschäfte. Doch Kurt Krieger will kein Rentner sein, er will noch 20 Jahre arbeiten. Und er will sich ein Denkmal setzen. In Pankow, wo er aufgewachsen ist, hat Kurt Krieger vor zwei Jahren das brach liegende Gelände des früheren Güter- und Rangierbahnhofes gekauft. „Pankower Tor“ nennt er das Bauprojekt, er plant ein riesiges Einkaufszentrum mit zwei Möbelhäusern, Neubauten, Büros, eine Schule, einen Stadtpark mit 1300 Bäumen. 350 Millionen Euro will er investieren.

19 Mal musste Krieger seine Pläne ändern, erst dann stimmte der Bezirk der Planung zu. Nun mischt sich auch der Senat ein. „Kommunale Landesinteressen müssten besser berücksichtigt werden“, fordern Politiker. Also ändert Krieger sein Konzept erneut. Jetzt soll dort, wo er ursprünglich den Park errichten wollte, ein neues Wohngebiet mit 1500 Wohnungen gebaut werden. Ein Drittel davon soll den Kriterien des sozialen Wohnungsbaus entsprechen, für untere und mittlere Einkommen bezahlbar sein. „Das Gelände in Pankow ist ein sehr guter Standort für Wohnungen“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland.

Kurt Krieger darf dazu nichts sagen. So steht es im städtebaulichen Vertrag zwischen ihm und dem Senat. Krieger weiß jetzt, ohne sozialen Wohnungsbau läuft auf dem Gelände nichts. Alle Planungen und Berechnungen sind hinfällig. Krieger sagt, wenn man so ein großes Projekt mit dem Senat und dem Bezirk Pankow plane, berge das „ein großes Risiko.“ Doch Krieger braucht Baurecht, das gilt für die Brache noch nicht. Bis Weihnachten stehen nun 30 Sitzungen mit dem Senat und dem Bezirksamt in seinem Kalender. Dann folgt eine Standortkonferenz. Für Krieger, den Projektentwickler, gehören solche Sitzungen zum Arbeitsalltag. Er tritt dort charmant auf, er lobt Politiker, erzählt Anekdoten und Geschichten. Über seine Kindheit in Pankow und Wedding. Krieger ist ein ungeduldiger Mensch, ein Macher. Doch seine Projekte brauchen immer mehr Zeit, als er einplant. Weil es immer Widerstand gibt.

Verhandlungen und Kompromisse

17 Jahre dauerte es, bis Krieger sein Möbelhaus in Hamburg eröffnen konnte. „Es gab 500 Termine“, sagt er. Oder Nürnberg: 14 Jahre Verhandlungen und Kompromisse. Oder Berlin: Kriegers Projekt am Güterbahnhof Grunewald, 13 Hektar groß ist das Gelände, einen Kilometer lang. Anwohner fürchten Autos und Lärm, wenn Krieger dort ein Möbelhaus baut. Es gibt Protest. Krieger lässt das Vorhaben ruhen. „Die Zeit arbeitet für uns“, sagt er. In Kiel hat er sich jetzt mit 300 Kleingärtnern geeinigt. Dort, wo ihre Parzellen stehen, soll bald ein Möbelhaus stehen. Ein Vierteljahr hätten die Verhandlungen gedauert, sagt er. Dann hatten sich beide Seiten geeinigt. Die Gärten verschwinden.

In zehn Städten plant Krieger neue Möbelhäuser und Einkaufszentren. In Berlin ist ihm das „Pankower Tor“ am wichtigsten. Krieger lobt Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Müller. Er habe schon schwierigere Verhandlungen geführt. „Mal sehen, wer sich am Ende durchsetzt“, sagt er.