Mehr als 6.000 Kubikmeter Holz für fast 150 Genossenschafts- und 40 Eigentumswohnungen, verteilt auf fünf Gebäude. Gemeinschaftsräume, dazu ein Schwimmbad, ein Demenzwohnheim, ein Kiosk und sogar eine Kita mit 25 Plätzen: Das „Quartier Wir“ im Süden Pankows ist ein ambitioniertes Projekt.

Noch liegt Bauschutt auf dem Gelände an der Piesporter Straße, doch bereits im Januar sollen die ersten Mieter einziehen. Bis zum Frühjahr sollen dann schon 250 Menschen hier leben. Und: Sechs Genossenschaftswohnungen sind für Familien von Geflüchteten vorgesehen.

„Quartier Wir“: „Wir wollen damit denjenigen helfen, die es auf dem Berliner Wohnungsmarkt ohnehin am schwersten haben“

Deshalb wirbt die Baugenossenschaft Begeno16 gemeinsam mit der Stiftung Trias und dem sozialpsychiatrischen Dienst für Geflüchtete Xenion um Kleinkreditgeber. Gesucht werden Menschen, die mit Hilfe von Mikro-Genossenschaftsanteilen ab 3.000 Euro das Vorhaben finanzieren. Von den 250.000 Euro, die für die sechs Wohnungen benötigt würden, seien bereits 160.000 Euro gesammelt worden, sagt Bea Fünfrocken von Xenion. Die übrigen 90.000 Euro sollen im Laufe des Jahres zusammenkommen.

Die Finanzierung folgt dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe: Wenn die geflüchteten Familien erst einmal die Möglichkeit haben, auf eigenen Beinen zu stehen, so die Hoffnung, können sie in absehbarer Zeit auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. „Wir wollen damit denjenigen helfen, die es auf dem Berliner Wohnungsmarkt ohnehin am schwersten haben“, sagt Fünfrocken.

Geflüchtete bei der Wohnungssuche: „Der begrenzte Aufenthaltstitel wirkt wie ein Stigma“

Sie weiß, welche Hürden Geflüchtete meistern müssen, um Zugang zu Wohnraum zu erlangen. Solange das Asylverfahren laufe, müssten sie zumeist in Unterkünften bleiben, könnten nur in begründeten Ausnahmefällen in Wohnungen ziehen. „Der begrenzte Aufenthaltstitel wirkt wie ein Stigma.“ In die sechs Wohnungen sollen unter anderen eine irakische Familie, eine alleinerziehende Mutter aus Dagestan, eine aus Bosnien oder zwei junge Frauen aus Iran und Afghanistan einziehen. Die Wohnungen seien für „Überlebende von extremer Gewalt und Krieg“ vorgesehen, erklärte Dietrich Koch, ebenfalls von Xenion. „Der jahrelange Verbleib in Flüchtlingsunterkünften, ein fehlendes Zuhause und die Isolation von der Mehrheitsgesellschaft machen Integration schwierig“, so Koch.

Mit dem Projekt solle ein „Brückenschlag“ gelingen. Oder wie Fünfrocken es ausdrückt: Mit dem „Quartier Wir“ solle die „tolle Willkommenskultur in Deutschland zu einer Ankommenskultur werden.“ Auch der baupolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Andreas Otto, unterstützt das Projekt: „Das ,Quartier Wir’ könnte eine Mischung aus Genossenschafts- und Solidarsiedlung im Crowdfunding-Stile werden“, so Otto. Zudem sei das Quartier durch den Holzbau ökologisch verträglich und binde CO2 . „Insofern ist das ein Projekt mit Pioniercharakter, das künftig auch für Bedürftige oder Obdachlose funktionieren könnte.“

Künftige Bewohner wissen, dass ein vielfältiger Kiez entsteht

Dass die Mischung aus jungen Familien, Geflüchteten und sozialen Einrichtungen zu Verwerfungen führen könnte, glauben die Projektbetreiber nicht. „Es ist zwar ein großes Abenteuer und natürlich wird es Reibungen geben“, so Fünfrocken, bisher aber hätte sich niemand beschwert und künftige Bewohner hätten im Wissen zugesagt, dass hier ein vielfältiger Kiez entstehe. „Es gab hier keine nationalistischen Auseinandersetzungen. Wenn dies auftreten sollte, ist es unser Job, da zu vermitteln.“