Berlin - Der Plan der Schöneberger Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) in der Nähe des Straßenstrichs an der Kurfürstenstraße sogenannte Verrichtungsboxen aufzustellen, löst bei Anwohnern und Gewerbetreibenden der Gegend Kopfschütteln aus. Viele wollen, dass der Strich ganz verschwindet. Auch der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), hatte sich bereits für einen Sperrbezirk ausgesprochen. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt der nördliche Teil des Straßenstrich-Gebiets.

„Das ist doch Schwachsinn“, sagt Murat Oflaz über Schöttlers Sex-Boxen-Plan. Er ist Betreiber des Imbisses „Bärlin Burger“ an der Haltestelle Bülowstraße. Direkt gegenüber könnten die Boxen aufgestellt werden, Oflaz hält nichts davon. Der Strich soll ganz verschwinden, findet er. Das sei wichtig für Familien, Kinder und die Geschäftstreibenden in der Gegend. „Wir leiden“, sagt er.

Mitte-Bürgermeister von Dassel hatte 2017 als erster Grüner in Berlin Sperrzeiten und sogar einen Sperrbezirk rund um die Kurfürstenstraße gefordert. Seine Partei lehnt dies ab, ebenso wie der Senat, der einen Sperrbezirk verordnen müsste.

Auf Anfragen lässt von Dassel mitteilen, dass er sich in den nächsten Tagen ausführlich zur Situation an der Kurfürstenstraße äußern wolle.

Schöneberger Bürgermeisterin will kein Sperrgebiet 

Experten und Hurenvereine lehnen Restriktionen in dieser Form ab. Sperrzeiten würden zur zeitlichen Konzentration der Prostitution führen und Sperrgebiete würden das Geschäft nur an andere Orte verdrängen, sagte Simone Wiegratz vom Verein Hydra, in dem sich Prostituierte autonom organisieren. „Das ist keine Lösung.“ Auch die Boxen würden bei weitem nicht jedes Problem lösen, könnten unter Umständen aber für Entspannung zwischen Prostituierten und Anwohnern sorgen.

Die Schöneberger SPD-Bürgermeisterin Schöttler will kein Sperrgebiet in der Kurfürstenstraße. Prostituierte würden so aus der Stadt gedrängt, ihre Arbeit illegalisiert und noch gefährlicher, und die bisher etablierten Hilfesysteme brächen weg, sagte sie der Berliner Zeitung. „Das wird es mit mir nicht geben.“