Berlin - "Halt die Klappe Alice“ steht auf einem Schild, das eine Frau vor sich her trägt. Etwa 30 Frauen und Männer haben sich am Donnerstag vor der Urania versammelt, wo die Feministin Alice Schwarzer ihr Buch „Prostitution. Ein deutscher Skandal“ vorstellen soll. Sie sind gekommen, um gegen das von Schwarzer geforderte Verbot von Prostitution zu protestieren. Doch nur wenig Sexarbeiterinnen selbst sind dem Aufruf gefolgt.

„Warum soll Alice denn die Klappe halten“, fragt eine ältere Frau, die sich an dem Pulk vorbei einen Weg zum Eingang bahnt. „Weil ein Verbot Sexarbeit kriminalisiert“, sagt die Sozialarbeiterin Maya Perrier.

Anders sehen das die Femen-Aktivistinnen Klara Martens und Bérénice Broich, die mal nicht barbusig auftreten, dafür aber schmucke Haarkränze tragen. „Ich halte Prostituierte für egoistisch. Sie erwecken den Eindruck, dass jede Frau käuflich ist“, sagt Martens.

Gabriele von Ginsheim will sich die Lesung von Alice Schwarzer anhören. Sie kenne sie schon lange aus Kölner Frauenzentren. Einverstanden ist sie mit den Thesen der Feministin dennoch nicht. „Prostitution zu verbieten, ist der größte Schwachsinn aller Zeiten.“ Sie verstehe nicht, was ihre alte Weggefährtin antreibe. „Alice sollte sich mal etwas Ruhe gönnen“, sagt sie.

Alice Schwarzer sitzt unterdessen in einem Hinterzimmer und gibt Interviews. Die Demonstranten bekommen sie nicht zu Gesicht.