Berlin - Die Feuerwehr schlägt Alarm in eigener Sache. Mit Trillerpfeifen und Sirenengeheul, in voller Schutzkleidung und mit einem Leiterwagen ziehen etwa 100 Feuerwehrleute durch die City-West. „Berlin, du verbrennst deine Feuerwehr“, steht auf einem Transparent. Auf einem anderem ist zu lesen: „Wir retten Berlin. Wer rettet uns?“ Personalmangel und steigende Einsatzzahlen, viele Überstunden und schlechte Bezahlung – die Liste der Kritikpunkte ist lang. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt ein Brandmeister. „Das Klima auf den Wachen ist miserabel“, erzählt ein anderer.

Die Demonstration, organisiert von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG), führt am Freitagvormittag vom Adenauerplatz zum Wittenbergplatz. Dort liegt die Landesgeschäftsstelle der CDU. Von der Union sind die Feuerwehrleute besonders enttäuscht. Im Wahlkampf habe ihnen deren Spitzenmann Frank Henkel volle Unterstützung zugesichert, sagt der Anmelder der Demo, Mike Schulz. „Als wir im Sommer schon mal demonstriert haben, hat uns Henkel versprochen, dass er sich für 150 neue Stellen bei der Feuerwehr einsetzen wird.“ Doch das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD sieht ganz anderes aus: Die Polizei soll 250 neue Stellen bekommen. Von der Feuerwehr ist keine Rede. Was Schulz besonders ärgert: Zur Begründung für die neuen Stellen bei der Polizei werden immer wieder die vielen Einsätze wegen brennender Autos genannt. „Aber wer rückt denn aus und löscht die Autos? Das sind doch wir.“

Hohe nervliche Belastung

„Wir wurden mal wieder vergessen“, sagt Schulz. Die 3.500 Feuerwehr-Einsatzleute in Berlin seien für die Politik offenbar eine vernachlässigbare Größe. René John, Hauptbrandmeister aus Lichterfelde sagt, für alle möglichen Sachen werde Steuergeld verschwendet. „Für höhere Diäten, für eine Bibliothek in Tempelhof und das Stadtschloss.“ Er warte dagegen immer noch auf die Bezahlung von Überstunden aus den 90er Jahren.

Bei der Feuerwehr gilt eine 48-Stunden-Woche. „Welche Berufsgruppe arbeitet sonst noch so viel?“, heißt es immer wieder. Dazu komme die Belastung durch den Schichtdienst und viele Überstunden. Andreas Ott (49) von der Feuerwache Lichterfelde hat zurzeit 140 Überstunden angesammelt. Patrick Siebert (30), Feuerwehrmann in Wittenau, kommt in diesem Jahr schon auf rund 400 Überstunden.

Über 1.000 Mal im Monat wird auf Sieberts Feuerwache Alarm ausgelöst. Weil es brennt, weil ein Unfall passiert ist, weil jemand dringend Hilfe braucht. Die nervliche Belastung sei hoch, sagt der Familienvater. Der Verdienst nicht. Mit sieben Dienstjahren komme er auf 1.800 Euro netto.

Der Frust entlädt sich

„Ich bin seit zehn Jahren dabei und habe etwa 1.700 Euro Grundgehalt“, sagt Mike Schulz. Während alles immer teurer werde, habe er unterm Strich immer dasselbe verdient. Weil die Zulage für Wechselschichten gestrichen und weil eine neue Gehaltsstruktur eingefügt wurde, bekämen einige Kollegen inzwischen sogar weniger als früher. Besonders schlecht treffe es die Anwärter bei der Feuerwehr, sagt Mike Schulz „Die kommen auf rund 840 Euro im Monat – und das, obwohl sie eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen müssen.“ Viele hätten Familie. „Die können Wohngeld beantragen.“

Wie groß der Frust ist, bekommt Robbin Juhnke zu spüren. Der innenpolitische Sprecher der CDU kommt zu den Demonstranten vor der Landesgeschäftsstelle – und wird beschimpft, weil seine Fraktion der Diäten-Erhöhung Ende 2009 um 9,6 Prozent zugestimmt hat. Juhnke sagt, er wolle die Belange der Feuerwehr vertreten. Aber die Haushaltslage sei ja bekannt. Auch andere Berufsgruppen hätten gerne mehr Geld, etwa die Lehrer. Es müssten immer Kompromisse gefunden werden. Den Feuerwehrleuten rät er, in den politischen Gremien mehr Präsenz zu zeigen: „Kommen Sie ins Abgeordnetenhaus.“ Antwort eines Feuerwehrlers: „Machen Sie das mal bei einer 48-Stunden-Woche.“