Der Alte Fritz ist beliebt. Allerorten wird er derzeit gefeiert, anlässlich seines 300. Geburtstags. Am Marktplatz in Friedrichshagen liegen ihm Rosen, Friedhofslichter und ein Blumengebinde des CDU-Ortsvereins zu Füßen. Der Preußenkönig wacht dort, in Bronze gegossen, über die Bölschestraße. Friedrich II. gab dem Köpenicker Ortsteil seinen Namen. Rund um die „Bölsche“, wie die Friedrichshagener ihre Einkaufsmeile nennen, dient der Alte Fritz auch als Schutzpatron des Protests. Viele Menschen hier tragen ihn am Revers – auf einem Button der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI). Seit Monaten kämpft das Bündnis gegen die Flugrouten über die Müggelseeregion.

Doch der Mann mit dem Dreispitz hat den Müggelsee-Anwohnern kein Glück gebracht. Seit vergangenem Donnerstag, als das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) die An- und Abflugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen BER verkündete, ist klar: Eine der Hauptrouten wird direkt über den See führen. Bei Ostwind, also etwa an jedem dritten Tag im Jahr, fliegen die Maschinen beim Start diese Route. Etwa 1300 Meter Höhe werden die Flugzeuge über dem Müggelsee erreicht haben. Von 122 Flugzeugen pro Tag ist die Rede.

Wut und Durchhaltewillen

Die Stimmung an der „Bölsche“ ist eine Mischung aus Wut und trotzigem Durchhaltewillen. „Wir haben nichts anderes erwartet“, sagt Sigrid Strachwitz, Vorsitzende des Friedrichshagener Bürgervereins, zu dem die FBI gehört. Die Route über den Müggelsee sei die kürzeste und für die Fluggesellschaften profitabelste. Vor allem um die Wirtschaftlichkeit sei es bei der Entscheidung gegangen, sagt sie. „Von der Lärmbelastung ist die Müggelseeroute eine der schlimmsten. Das ist ein Skandal.“

Ans Aufgeben denkt Strachwitz nicht – im Gegenteil. „Der Protest bekommt jetzt eine neue Qualität.“ Strachwitz sitzt in einer Bäckerei an der Bölschestraße. Seit vergangenem Sommer werden hier „Flugroutenverbotsbrötchen“ angeboten. „Die verkaufen sich nach wie vor gut“, sagt die Verkäuferin hinter der Theke.

Bis zur Entscheidung des BAF hatten die Friedrichshagener 30 Montagsdemonstrationen mit teilweise mehreren tausend Teilnehmern organisiert. Sie waren mit einem Protestzug vor das Bundeskanzleramt gezogen. Im August 2011 organisierten sie eine Menschenkette mit mehr als 24.000 Teilnehmern rund um den Müggelsee. Das Symbol des Protests waren blaue Bänder. Nach heute hängen die Bänder an den Bäumen in der Bölschestraße und am Müggelseedamm. An der Christophorus-Kirche gegenüber dem Marktplatz weht eine große blaue Fahne.

Das stärkste Argument, das die Friedrichshagener gegen die Müggelseeroute vorbringen, bleibt. „Wir fordern Vertrauensschutz“, sagt Sigrid Strachwitz. Bis die Deutsche Flugsicherung am 4. Juli 2011 ihre endgültige Routenempfehlung bekanntgab, waren die Anwohner des Müggelsees sicher, dass sie vom Fluglärm nicht betroffen sein werden. Tatsächlich ist im Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen auch keine Rede davon. „Weil wir ja ursprünglich nicht betroffen sein sollten, waren wir im Planverfahren komplett ausgeschlossen“, sagt Strachwitz. Das Ganze sei deshalb eine „grobe Täuschung“.