Der Verein Pro Quote demonstriert vor der Berliner Staatsoper gegen den Auftritt von Placido Domingo.
Foto: Annika Leister

BerlinMit Plakaten wie „Can’t touch this!“ und „Gelten Regeln nicht für Stars?“ hat der Verein Pro Quote Bühne am Donnerstagabend mit sechs Frauen vor der Staatsoper gegen den Auftritt von Startenor Plácido Domingo protestiert. Domingo stand ab 19 Uhr als Gast in der Aufführung von Verdis „La Traviata“ auf der Bühne. Dem 78-Jährigen wird von mehreren Frauen in den USA sexuelle Belästigung vorgeworfen.

„Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte die Regisseurin Angelika Zacek von Pro Quote Bühne. „Die Schweigekultur ist in Deutschland noch viel zu groß, Metoo hat hier noch gar nicht richtig begonnen.“ Pro Quote Bühne setzt sich für Gleichberechtigung und mehr Frauen in Führungspositionen im Kulturbetrieb ein. Am Dienstag hatte sich der Verein mit einem offenen Brief an den Intendanten der Oper, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit der Forderung nach einem Auftrittsverbot gewandt.

Was zählt mehr: Kunstfreiheit oder Frauenrechte?

Mehrere Konzerthäuser in den USA hatten Konzerte mit Domingo abgesagt, bis die Vorwürfe geklärt sind. Staatsopern-Intendant Matthias Schulz lehnte das ab und sprach von einer „Vorverurteilung“. Dem widerspricht Zacek: Man verurteile Domingo nicht vor, man fordere nur eine Auftrittspause bis seine Unschuld bewiesen sei. „Dass Schulz ihn auftreten lässt, ist eine Vorverurteilung – ein voreiliger Freispruch“, so Zacek.

Manche Besucherin hatte von dem Protest bereits im Vorfeld gehört, intensiv darüber nachgedacht und mit Freunden diskutiert, was man höher hänge: die Kunstfreiheit oder Frauenrechte? Die Antwort darauf falle nicht leicht, sagt eine 61-Jährige, nicht zuletzt, weil man dann kaum noch eine Ausstellung oder ein Theaterstück besuchen könne. Schließlich sei von vielen Künstlern, wie Picasso, ein zumindest zweifelhafter Umgang mit dem anderen Geschlecht belegt. „Genau deswegen sind die Proteste aber so wichtig und richtig.“

Auch Zacek von Pro Quote Bühne sieht nicht primär die Kunden in der Pflicht. „Das ist ein bisschen wie beim Klimaschutz: Zuerst tragen die Intendanten und Konzerne die Verantwortung“, sagt sie. „Sie treffen die Entscheidung, ob jemand auftritt oder nicht.“

Künstler könnten und müssten dringend lernen, zwischenmenschliche Grenzen zu wahren, so Zacek. „Der Satz: ´Ich bin Künstler` darf kein Deckmantel mehr sein, um andere zu verletzen.“