Aus Protest gegen die drohende Schließung der Schöneberger Bar „Hafen“ haben sich am Donnerstag zahlreiche Stammgäste des beliebten Treffpunkts in der Motzstraße versammelt. Barbetreiber Ulrich Simontowitz zeigte sich überrascht, dass bereits um die Mittagszeit schon mehrere Dutzend Freunde der Bar gekommen waren. Am Abend war die Kneipe überfüllt. „Der ,Hafen’ ist ein Markenzeichen des Kiezes!“, sagte Stammgast Sebastian, diese „Institution gehört zum Leben in Schöneberg“.

Seit 28 Jahren gibt es das Lokal, anderthalb Jahre lang bangte Barbetreiber Simontowitz um die Verlängerung des Mietvertrages. Kurz vor Weihnachten erfuhr er nach eigenen Angaben, dass Anfang 2019 für ihn Schluss ist. Der Vermieter habe die Schlüsselübergabe für den 3. Januar angesetzt. Als bekannt wurde, dass der „Hafen“ schließen muss, habe es einen großen Aufschrei gegeben, berichtet Simontowitz. Deshalb organisierte er zusammen mit Stammgästen eine sogenannte Unterstützerparty am Donnerstag.

Drohende Schließung von Bar „Hafen“ in Schöneberg:  Parteien engagieren sich

Sie begann um 13 Uhr, just zu der Zeit, als der Vermieter die Schlüsselübergabe angesetzt hatte, und sollte bis in die Nacht dauern. Die Party stand unter dem Motto „10.026 Hafennächte – Und jetzt?“. Auf Facebook interessierten sich mehr als tausend Menschen für die Veranstaltung, weshalb der Betreiber zur Absicherung die Polizei herbeibat.

Die Bar sei ein „Gesamtkunstwerk“, sagte Ulrich Simontowitz, ein „Ort für Aufbruch und Selbstbewusstsein“. Für Homosexuelle und queere Personen sei der „Hafen“ ein fester Treffpunkt. Seit Eröffnung der Bar am 13. November 1990 ginge es darum, „so zu sein, wie man eben ist“, so Simontowitz.

Auch Politiker kennen die Bedeutung des Lokals und setzten sich für die von Schließung bedrohte Bar ein. Die queerpolitischen Sprecher im Abgeordnetenhaus formulierten eine gemeinsame Mitteilung. Darin forderten Melanie Kühnemann-Grunow (SPD), Carsten Schatz (Linke) und Anja Kofbinger und Sebastian Walter (Grüne) den Vermieter auf, den Mietvertrag zu verlängern, damit der „Hafen“ eine Zukunft hätte.

Simontowitz schloss aus, den „Hafen“ an einer anderen Stelle neu zu eröffnen. „Ein Umzug“, so der Betreiber, „ist nicht machbar.“