Tesla baut eine Gigafactory bei Berlin.
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GrünheideDer Wald lärmt. Der Wald vibriert. Er sieht tatsächlich aus wie ein klassischer Brandenburger Forst: kerzengerade recken sich unzählige Kiefernstämme gen Himmel, stehen in Reih und Glied. Dicht an dicht wie Soldaten. Es riecht angenehm erdig und feucht. Und doch hat das Ganze mit Idylle und Ruhe im Grünen nichts zu tun. Nicht in diesen Tagen, nicht an dieser Stelle.

Östlicher Berliner Ring, Autobahnabfahrt Freienbrink. Die Brücke ist kaum zu Ende, da führt eine Abzweigung rechts in das Güterverkehrszentrum Freienbrink mit  Lagerhallen der Supermarktkonzerne. Hier sind gigantische Zwischenlager, von denen aus das nahe Berlin mit Lebensmitteln und anderem beliefert wird. Gleich gegenüber steht der Kiefernforst. Aber nicht mehr lange.

Der Zaun ist bereits niedergerissen, Bäume wurden gefällt und eine breite Schneise in den Wald gezogen. An diesem Morgen rumpelt ein Tieflader den Weg entlang und lässt Tonnen von Schotter auf den Weg rutschen. Ein Traktor, der aussieht wie ein Schneeschieber, verteilt die Schotterberge – eine mächtige Walze presst die kleinen Steine platt und lässt den Wald vibrieren. „Der alte Forstweg hier wird nun zu einer Baustraße“, sagt ein Mitarbeiter.

Die Tesla-Fabrik bei Berlin.
Grafik: Isabell Galanty

Herzlich Willkommen im Tesla-Wald. Hier, in der Nähe der Gemeinde Grünheide im Brandenburger Kreis Oder-Spree, soll eine Industrieansiedlung entstehen, die bislang die Augen der meisten Politiker glänzen lässt. Schon bald soll der Bau der allerersten europäischen Produktionsstätte des US-Elektroautobauers Tesla beginnen – die weltweit vierte „Gigafactory“ des umtriebigen Milliardärs Elon Musk. Die Politik freut sich, weil es im Kohleland Brandenburg nun um eine Brückentechnologie in die Grüne Zukunft geht.

Betreten verboten! Lebensgefahr

Wenn Tesla tatsächlich bauen sollte, wäre es die größte Großinvestition in der Region Berlin-Brandenburg nach dem BER: drei Milliarden Euro Investitionssumme, bis zu 9000 Arbeitskräfte, die auf dem 420 Fußballfelder großen Fabrikgelände jährlich bis zu 500.000 Elektroautos mit dem Siegel „Made in Berlin-Grünheide“ vom Band laufen lassen.

Der nächste Laster bringt die nächste Ladung Schotter, und wieder lässt die Walze den Wald vibrieren. Offiziell ist das Ganze gar kein Wald mehr, durch den jeder einfach spazieren darf. Obwohl Tesla den Kaufvertrag für das Grundstück noch nicht mal unterschrieben hat, wurde der Wald bereits zur Baustelle erklärt: Ganz vorn am Weg steht ein kleines Schild: „Munitionsbergungsarbeiten. Betreten der Räumstelle verboten! Lebensgefahr.“

Friedhelm Schmitz-Jersch geht die Baustraße entlang. Der Landeschef des Brandenburger Naturschutzbundes (Nabu) will zeigen, worum es beim derzeit laufenden Genehmigungsverfahren überhaupt geht, und wie es um die Hoffnung der Tesla-Gegner steht, dass Fledermäuse oder Adler die Genehmigung oder den Baubeginn so weit verzögern könnten, dass Tesla-Chef Elon Musk vielleicht doch noch die Lust an Grünheide verliert.

Schmitz-Jersch sagt erst mal etwas Grundsätzliches: „Wir sind als Naturschützer natürlich auch Brandenburger und freuen uns, wenn Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Dann stellt er aber klar: „Wir sind aber weder bedingungslos für die Tesla-Ansiedlung noch bedingungslos dagegen: Wir schauen uns den Antrag von Tesla sehr genau an und prüfen, ob das, was hier vorgesehen ist, mit den naturschutzrechtlichen Richtlinien übereinstimmt.“

Der Widerstand formiert sich

Die „Gigafactory“ ist auch eine Industrieansiedlung, bei der langsam immer mehr Leute ihre Zweifel bekommen. Am vergangenen Wochenende gab es in der Nachbarschaft gleich zwei kleine Demonstrationen, eine Bürgerinitiative formiert sich.

Tesla ist geprägt von Elon Musk. Der Milliardär ist ein US-Investor mit einem sehr großen Ego und vielen großen Ideen. Mal ist von der Rettung der Menschheit die Rede, mal vom baldigen Konkurs. Musk ist ein Macher, dem europäisches Tarifrecht egal ist, der keine Gewerkschaften mag und dem die hiesigen Genehmigungsverfahren viel zu lange dauern und der mit der Kraft der Gigasumme, die er angeblich investieren will, alle unter Zugzwang setzt. Ein Mann, dem unterstellt wird, er habe sich Grünheide nur ausgesucht, weil er dort mit dem coolen Namen Berlin punkten könne. Eigentlich wolle Tesla mit dem Standort aber vor allem Billiglöhner aus dem 60 Kilometer entfernten Polen gewinnen – so einer der vielen Vorwürfe.

Am Rande der Baustraße türmen sich die ersten Stapel von Baumstämmen sowie mächtige Berge mit Ästen. Bald schon sollen hier alle Bäume fallen, jeden Tag 15 bis 20 Fußballfelder, denn die „Gigafactory“ ist eine Industrieansiedlung, für die erst einmal Natur zerstört werden muss. Obwohl hier Tausende Bäume stehen, die bis zu 140 Jahre alt sind, ist das 300-Hektar-Areal im Bebauungsplan seit 15 Jahren als Industriegebiet ausgeschrieben – allerdings gilt es als  unerschlossen.

Können Adler den Bau noch verhindern?

Die neue Straße führt durch einen typischen Brandenburger Wald. Es ist kein von allein gewachsener Wald, sondern ein Forst – also eine Baumplantage, die Menschen vor Jahrzehnten angelegt haben und die vor allem dazu dient, so viel Holz wie möglich zu produzieren. Auch ein solcher Forst ist Natur, in der Tiere leben. Nabu-Chef Schmitz-Jersch schaut auf die 80 Jahre alten Kiefern und sagt: „Es ist zu sehen, dass dies kein Wald von besonders hoher ökologischer Wertigkeit ist.“ Doch dann schiebt er nach: „Aber es ist über Kilometer ein geschlossenes Waldgebiet. Und da ist dieser Bau ein erheblicher Eingriff.“ Den gefällten Wald muss Tesla laut Gesetz 1:1 ersetzen. Dass der Konzern drei Mal so viel neu pflanzen will, nennt Schmitz-Jersch rundweg positiv.

Dann zeigt er auf einen der wenigen dicken und alten Bäume. An den Stamm hat jemand mit leuchtgrüner Farbe „A2“ gesprüht. „Der Baum ist so alt, dass dort oben vielleicht geschützte Fledermäuse ihre Winterstarre halten“, erklärt er. Bald wird hier alles gefällt, nur die gekennzeichneten Bäume nicht. Die würden dann untersucht: Fachleute schauen mit Ferngläsern, ob sie in den Wipfeln ruhende Fledermäuse sehen. Oder sie fahren mit einer Hebebühne in die Höhe. Dann werden die Tiere geborgen und an andere Orte gebracht. Könnten die Fledermäuse das Projekt aufhalten? „Nein, das ist keine Gefährdung für Tesla, da die damit kompetent umgehen.“ Es gibt nur sehr wenige gekennzeichnete Bäume.

Und wie steht es um die beiden Adler, die die Tesla-Gegner immer wieder anführen? Der Nabu-Chef stellt klar: „Bei der artenschutzrechtlichen Erfassung sind  auf diesem Gelände keine Adlerhorste gefunden worden.“ Der einzige Horst war der eines Mäusebussards. In dem Fall würden Ersatznester aufgestellt.

Der Wasser wird zum großen Problem

Nach 300 Metern geht es auf der Baustraße nicht mehr weiter. Vier Männer und zwei Frauen kommen und weisen darauf hin, dass niemand auf die Baustelle dürfe – wegen der Munitionssuche. Also wieder zurück. Kurz danach rollt noch ein Polizeiwagen durch den Wald.

Die Gegner des Projekts sehen ein großes Problem darin, dass so viel Wald abgeholzt wird. Aber es gibt eine viel wichtigere Sache, die die gesamte Region schädigen könnte: Sie fürchten, dass Tesla für die riesige Fabrik  mit eigenen Brunnen so viel Grundwasser entnimmt, dass die Region trocken fällt – auch das benachbarte Naturschutzgebiet Löcknitztal, entlang des gleichnamigen Flusses.

Schmitz-Jersch sagt dazu: „Das Wasser ist tatsächlich ein Hauptproblem und jenes Schutzgut, das in besonderer Weise betroffen ist und einer besonderer Sensibilität bedarf.“ Die Hälfte des Tesla-Geländes befinde sich am Rande eines Trinkwasserschutzgebietes. Tesla wolle in der ersten Ausbaustufe aber gar nicht ans Grundwasser heran, sondern nimmt Wasser aus dem Hahn. „Wir fordern den Wasserverband auf, offenzulegen, ob die geplante Kapazitätserhöhung zu einem Problem für die Wasserversorgung werden kann“, sagt der Nabu-Chef. „Wenn bei späteren Ausbaustufen Grundwasser entnommen werden soll, wäre für einen solch massiven Eingriff ein gesondertes wasserrechtliches Genehmigungsverfahren nötig – aus unserer Sicht mit einer gesonderten Verträglichkeitsprüfung.“

Der Traum des Tesla-Fans

Ein Mann mit ernstem Blick steht vorn am Weg. Er trägt eine dunkelblaue Jacke mit einem weißen Tesla-Logo am Arm. Er beobachtet uns. Es könnte ein Wachmann sein, doch dann stellt sich heraus, dass es ein Fan ist – ein Tesla-Fan. Fans erkennt man am leichtesten daran, dass sie immer mit exakten Daten agieren.

„Seit dem 12. November 2019, seit Elon Musk in Berlin gesagt hat, dass er die Gigafactory hier bauen will, betreibe ich einen Twitterkanal“, erzählt Jürgen Stegemann. Der 52-Jährige wohnt in Frankfurt (Oder) und pendelt jeden Tag nach Berlin. Dort arbeitet er als Verwaltungsangestellter. „Jetzt, im Winter, nehme ich jede Woche einen Tag frei und berichte von hier, was an der Baustelle passiert.“ Er habe bereits 2783 Follower auf Twitter. „Ich schreibe auf Englisch, weil die meisten aus den USA sind, aus Skandinavien, Asien oder Neuseeland.“

Stegemann wird auch am Sonnabend berichten, wenn zum ersten Mal die Tesla-Begeisterten in Grünheide unter dem Motto „Gestalten statt verhindern“ demonstrieren – und wenn sich zur gleichen Zeit die Tesla-Gegner zu ihrer dritten Demo treffen.

Die „Gigafactory“ ist auch eine Industrieansiedlung, bei der einige Leute nun Angst bekommen. Denn 9000 neue Arbeitskräfte bedeuten, dass für deren Familien – also für etwa 40000 Menschen – neue Wohnungen gebraucht werden. Befürchtet wird, dass das die Mieten weiter in die Höhe jagt. Befürchtet werden auch die neuen Verkehrsströme für die Arbeiter, das Material und die fertigen Autos. Außerdem rechnen einige Planer damit, dass sich rund um Tesla langfristig andere Firmen ansiedeln. Einige fürchten sich nun vor dem Zuzug von mehr als 100000 Neubürgern – und davor, dass sich so die Region grundsätzlich ändert.

Angst vor einem zweiten Hambacher Forst

Tesla schweigt bislang in der Öffentlichkeit, gibt sich selbstbewusst und visionär – und versteht nicht, dass einige diese Vision nicht teilen und sich fragen: Warum sollen weiterhin Autos gebaut werden – selbst wenn sie elektrisch fahren? Und warum dann keine kleinen wendigen Stadtflitzer, sondern tonnenschwere SUV?

Tesla hat zwar am Donnerstag in Grünheide eine Infobox aufgestellt, um in den beginnenden örtlichen Protest einzugreifen. Aber es fehlt eine Informationspolitik, die den Problemen angemessen wäre. Dies wird von einigen vor Ort als Ignoranz wahrgenommen und schürt  den Unmut.

Das sieht auch der Tesla-Fan Jürgen Stegemann als Problem. Er wirft den Gegnern Panikmache vor und fürchtet, dass sich die Sache weiter hochschaukelt. „Ich habe Angst, dass einige Leute hier  einen zweiten Hambacher Forst draus machen und sich anketten.“

Der Hambacher Forst ist ein Wald nördlich von Köln, den Umweltaktivisten 2018 besetzten, als er für die Erweiterung einer Kohlegrube gerodet werden sollte. Es gab Demos mit 50000 Leuten, und die Polizei spricht von einer Million Arbeitsstunden für die fünfwöchige Räumung.

„Ich verstehe nicht, dass die Leute sich hier so aufregen“, sagt Stegemann. „Hier wird die Zukunft gebaut – emissionsfreie Elektroautos.“ Und wie geht sein Projekt weiter? „Ich komme weiterhin einmal die Woche her und berichte.“ Und wenn es im Frühjahr abends wieder länger hell ist, will er nach der Arbeit vorbeikommen und die Fabrik wachsen sehen. Stegemann stammt von der Ostsee und ist eher nordisch unaufgeregt. Aber dann sagt er: „Die Erfüllung meiner Träume wäre natürlich, bei der Eröffnung der Gigafactory Grünheide dabei zu sein und Elon Musk persönlich zu treffen.“

Leben und leben lassen

Es sind gewaltige Bäume, die da am Rande dieses Gartens stehen. Die Stämme sind wirklich dick, einige haben mindestens einen Meter Durchmesser. Aber die mächtigen Pappeln sind verwundbar, ein dicker Stamm liegt sogar schon am Boden. Die Rinde fehlt zum großen Teil. Sie wurde fein säuberlich vom Stamm getrennt. „Das war unser Biber“, sagt Heidemarie Schroeder beim Rundgang durch ihren Garten. Leben und leben lassen. „Wir unternehmen nichts gegen den Biber. Wir schützen nur ein paar Bäume, die er auf keinen Fall umlegen darf, weil sie sonst auf unser Haus fallen würden.“

Der Garten befindet sich ganz am Rande eines der vielen Siedlungsflecken in der Gegend. Es sind keine drei Kilometer Luftlinie bis zur Autobahn und bis zur geplanten „Gigafactory“. Berlin ist nah, aber der zersiedelte Speckgürtel ist an dieser Stelle nur noch Natur, es gibt keine Infrastruktur in der Gegend, keine Kneipen oder Läden. Nur ein paar Häuser und Naturschutzgebiete links und rechts – und von der Terrasse einen traumhaften Blick über weite Felder. „Wir haben hier nicht mal einen Bäcker“, sagt die 66-Jährige. „Das ist hier der Arsch der Welt. Genau deswegen wollten wir doch hierhin. Hier ist die große Ruhe, mitten in der Natur. Und jetzt das.“

Die schmale Frau meint Tesla – der vermeintlich gute Autobauer, der ihr und ihrem Mann den Traum von ihrem Altersruhesitz zerstört. Die beiden wohnen seit Jahrzehnten in Berlin-Mitte, sind Zahnärzte und wollten im Alter immer raus aus der Stadt. Zuerst wollten sie das Haus der Eltern in Schulzendorf ausbauen, doch dann beschloss die Politik, dass der BER in Schönefeld gebaut wird. „Wir hätten genau unter der Landebahn gewohnt“, erzählt Heide Schroeder.

Eine Bürgerinitiative gründet sich 

Also investierten die beiden viel Geld und jahrzehntelang auch ihre Freizeit in den abgelegenen ehemaligen Arme-Leute-Vierseithof bei Grünheide. Über der Tür seht noch im Holzbalken das Baujahr: 1816. Sie haben das Haus außen sehr schlicht und innen sehr schön saniert. Sie wohnen ganz am Ende des Dorfes. Die ganz tote Ecke. Doch dort wird es nun bald laut. „Tesla hat ja bereits diesen einen direkten Autobahnanschluss in Freienbrink“, erzählt sie. „Aber es sollen wohl noch zwei weitere gebaut werden.“ Und dann laufe der Verkehr zur Gigafabrik auch über die Kreisstraße, die gerade saniert wird. Die ist nicht weit von ihrem Grundstück im Wald entfernt.

Heide Schroeder erzählt, dass sich jetzt langsam der Protest formiert, dass sie eine Bürgerinitiative gründet – geplanter Name: „3G“ – das steht für: Grünheide gegen Gigafactory. „Die Leute hier fühlen sich völlig allein gelassen, übergangen, betrogen“, sagt sie. Die Politik stehe scheinbar ganz aufseiten von Tesla, sagt sie. „Die Grünen kämpfen nicht für den Umweltschutz und die SPD nicht für den Tariflohn in der Fabrik und für gute Arbeitsbedingungen.“

Die Kritiker wollen auch nicht nur als Meckerer wahrgenommen werden, sondern sagen auch, dass es vernünftige Alternativen zu diesem Standort gibt. In der Lausitz mit ihren zerstörten Landschaften an den Kohlegruben gebe es reichlich Industriebrachen, bei denen nicht erst so viel Natur neu vernichtet werden müsse. Auch am Berliner Ring gebe es Gewerbegebiete, die keine Wälder seien, sondern fertig erschlossen.

Die Befürchtung: Tesla gräbt der Region das Wasser ab

Die Wasserproblematik ist das eigentliche Problem: Derzeit reden alle nur über die erste Ausbaustufe, in der noch kein Grundwasser gebraucht wird. „Aber auch das Wasser aus dem Hahn ist schon jetzt knapp“, erzählt Schroeder. In den beiden vergangenen Dürrejahren hieß es beim Wasserverband immer wieder: Wir wissen nicht mal, ob wir genügend Löschwasser für die Waldbrände bereitstellen können. „Seit Jahren schlagen Verantwortliche des Verbandes vor, hier nicht mal mehr kleine Industrieansiedlungen zu erlauben, weil das Wasser dafür nicht ausreicht.“

Heide Schroeder schüttelt den Kopf, klappt ihren Laptop auf, zeigt Karten, Tabellen und die Zahlen aus dem Bauantrag von Tesla. „Tesla würde in der ersten Ausbaustufe halb so viel Wasser verbrauchen wie die 160000 Leute, die in unserer Region leben“, sagt sie. „Wie soll der Wasserverband das schaffen?“

Und die Gegner glauben, dass dies erst der Anfang ist. Wenn der erste Teil der Fabrik stehe, könne doch der zweite, dritte und vierte Teil gar nicht mehr untersagt werden. „Und dann baut Tesla tiefe Brunnen und gräbt der Region sprichwörtlich das Grundwasser ab“, sagt sie. Dann würden die Moore austrocknen, die Seen ihr Wasser verlieren.

Suche nach einer Alternative

Heide Schroeder kann unablässig argumentieren, kann einen Fakt auf den nächsten türmen, bis ein hoher Berg entsteht. Ein Berg an Argumenten, die doch niemand ignorieren könne. Aber glaubt die Ärztin wirklich daran, dass sie und ihre Mitstreiter Tesla noch aufhalten können? „Ich glaube es nicht so recht, aber ich hoffe es ganz fest“, sagt sie. „Langsam begreifen die Leute, was ihnen blüht und dass sich alles hier grundsätzlich ändern wird – die gesamte Region.“

Heidemarie Schroeder geht hinaus in den Garten und erzählt, dass sie auf ihrem schönen Altersruhesitz auf ihre Brunnen angewiesen ist, denn es ist das letzte Grundstück – danach kommt kein Wasserabnehmer mehr, und weil es keinen Durchfluss gebe, werde nun mal keine öffentliche Wasserleitung bis zu ihrem Garten gebaut. „Wenn bei den anderen die Brunnen leer sind, können sie noch den Wasserhahn aufdrehen. Wir können das nicht.“ Sie schaut über die weite Landschaft vor ihrer Terrasse, über die Felder, die Bäume und Wälder. „Wenn es nicht mehr schön ist, was soll ich dann noch hier, in einer Steppe. Noch dazu mit ganz viel Verkehr und Lärm“, sagt sie.

Der Himmel ist kalt und klar. Die Sonne versinkt langsam und rotglühend hinter den Bäumen am Horizont. Nicht mal Vögel sind mehr zu hören. Die Stille regiert. Die Bäume über der Biberburg sehen aus wie schwarze Silhouetten vor dem Sonnenuntergang. Leben und leben lassen. Das ist das Motto von Heidemarie Schroeder. Aber sie ist der Meinung, dass Elon Musk und Tesla sie hier nicht leben lassen wollen. „Es ist wirklich sehr schön hier“, sagt sie. „Aber wir schauen uns bereits nach einer Alternative um. Aber wo soll man im Berliner Umland noch etwas Bezahlbares finden, das auch noch schön ist?“