Berlin - Gut, ein rühmliches Ende war das jetzt nicht. Aber wir wollen versöhnlich sein: Es ging schon in Ordnung. Die letzten Occupy-Bewohner vom Bundespressestrand am Hauptbahnhof – hundsgemeine Ironiker nannten sie schon das „Dreckige Dutzend“ – mussten den prominenten Platz räumen. Und sie taten es mit Ansage friedlich. Wenn man sich erinnert, dass die Räumung der Liebigstraße 14 vor einem Jahr zu innenstadtweiten Gewaltaktionen mit den üblichen Formen von Protestmilitanz ablief, erkennt man schnell den Unterschied in Milieu und Habitus. Am Humboldthafen zelteten die gut erzogenen Bürgerkinder, die vor allem reden wollen und Zeichen setzen gegen Ungerechtigkeit und Bankenmacht, aber dafür nicht Oktoberrevolution spielen müssen.
Wo auch immer die netten jungen Leute jetzt unterkommen bei diesem Sauwetter, bleibt festzuhalten, was Occupy in Berlin bisher war. Nämlich ein im Konkreten nicht gerade sonderlich beeindruckender Ausläufer der globalen Occupy-Bewegung.

Und hier wird es interessant. Während der 1. Mai und seine antikapitalistischen Freunde des Flaschenwurfs seit mehr als zwei Jahrzehnten kaum zum Vorbild für irgendetwas außerhalb der engeren Kreuzberger Szene taugen, ist die Occupy-Bewegung von Anfang an fast nur mit Sympathie begleitet worden. Sie hat es geschafft, sich als freundliche Freiluftvariante der weltweiten Kapitalismuskritik zu inszenieren und dabei eines zu tun, was vielen gar nicht mehr einfällt. Nämlich darauf zu bestehen, dass der öffentliche Raum in den Städten zunächst und vor allem für die Öffentlichkeit da sein soll – und nicht für gesicherte Behörden, bewachte Bürogebäude oder private Investorenpaläste. Dafür steht die globale Marke Occupy. Auch in Berlin.