Protestaktion in Prenzlauer Berg: Demo gegen den Zwang der Arbeit

Der 1. Mai steckt Polizisten und Demonstranten noch in den Knochen, da melden sich einen Tag darauf schon die nächsten Aktivisten. Denn was machen all jene, für die Tag der Arbeit nicht wichtig ist, weil sie gar keine Arbeit haben– und vielleicht auch gar keine wollen? Diese Menschen feiern am 2. Mai den Internationalen Kampftag der Arbeitslosen. Seit zehn Jahren schon. Ihre Botschaft: Arbeitslosigkeit ist kein Unglück.

Etwa 300 Menschen sind am Freitagmittag zum Senefelderplatz in Prenzlauer Berg gekommen. Sie demonstrieren gegen den Zwang zur Arbeit, der ihrer Meinung nach aus der gesellschaftlich dominierten Definition von Menschen über Lohnarbeit ausgeht. Sie fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Einsparung sämtlicher Finanzierungen für Jobcenter oder Beschäftigungsmaßnahmen. Denn nicht Lohnarbeit sei Lebenssinn, sondern Beschäftigung, die Menschen erfüllt.

Viele stadtbekannte Autoren sind in der Menge zu sehen: Schriftsteller und Lesebühnen-Autoren wie Ahne, Spider, Uli Hannemann, Karsten Krampitz, Falko Hennig, Jakob Hein und Mitglieder der Weddinger Lesebühne Brauseboys. Schnell wird klar, dieser Umzug ist keine Demo von Politprofis, sondern eine Performance voller Leichtigkeit, mit dennoch gewichtigem Anliegen: Man kann auch ohne Arbeit glücklich sein, es gibt ein Leben im Müßiggang und ohne Knufferei.

„Warum soll ich denn jeden Morgen in die Fabrik latschen?“, fragt Spider. Und würden Parkscheinkontrolleure nicht lieber im Biergarten sitzen? „Wir sind keine Feinde von Arbeit, sondern vom Zwang zur Arbeit.“ Und immer gibt es irgendwas was zu tun. „Ich habe noch niemanden gesehen, der nicht arbeitet“, sagt Jakob Hein. Jeder definiere für sich, was Arbeit sei. Ahne sagt, er kenne Leute, die nur herumliegen. „Und das ist doch etwas Wunderbares. Arbeit für alle zu fordern, ist irre.“ Man könne basteln, Leute pflegen und Gemüse züchten.

Gut gelaunt ziehen die Demonstranten durch Prenzlauer Berg. „Wir haben Zeit! Wir haben Zeit“, rufen sie. Auf einem Transparent steht ein Zitat von Erich Mühsam: „Sich fügen heißt lügen“.