Berlin - Öffnen trotz Corona – so lautet der Plan der Protestaktion „Wir machen auf“. Gastronomen, Händler und Selbstständige werden dazu aufgerufen, ihre Geschäfte, Restaurants, Bars früher als erlaubt zu öffnen (wir berichteten). Seit anderthalb Wochen haben sich Händler und Unterstützer dafür im Netz organisiert, die meisten in der Telegramgruppe #WirMachenAuf mit rund 60.000 Mitgliedern. Eigentlich sollte die Protestaktion am 11. Januar starten. Dann wurde der Stichtag kurzfristig von Organisator Mecit Uzbay, Besitzer eines Kosmetikstudios in Krefeld, auf diesen Montag, 18. Januar, verschoben. 

Nur 27 Geschäfte nehmen teil

In der Telegramgruppe teilte Uzbay mit, dass er mit der Verschiebung keinen Rückzieher mache. Er wolle „der Regierung eine Frist von sieben Tagen setzen“, so Uzbay. Doch auch weiterhin sind keine Lockerungen des Lockdowns in Sicht. Die Geschäfte bleiben geschlossen. 

Vergangenen Donnerstag wurde eine Liste der Geschäfte veröffentlicht, die an der Protestaktion teilnehmen wollen. Insgesamt sind es 27 Läden bundesweit. Die meisten liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Nur ein einziger Laden, der Subhero Sandwich Store in Friedrichshain, nimmt in Berlin teil. Besitzer Serhat Göden habe sich auf der Liste selbst eingetragen, teilte er der Berliner Zeitung mit. Er wolle aber weiterhin nur Take-Away anbieten und seinen Laden nicht für Gäste öffnen. „Die Gewerbetreibenden und Einzelunternehmer leiden unter den harten Einschränkungen des Lockdowns“, so Göden. Er wolle protestieren, aber nicht gegen die Regeln verstoßen. Die Polizei sei bereits am Freitag zur Kontrolle in seinem Lokal gewesen. 

Für Händler und Gastronomen drohen bei einer Öffnung ihrer Geschäfte weiterhin hohe Geldstrafen. Für den Einzelhandel könne ein Bußgeld bis zu 5000 Euro und für die Gastronomie von bis zu 10.000 Euro verhängt werden, so Marian Lamprecht, Fachanwalt für Verwaltungsrecht in Berlin. 

Händler, Gastronomen und Verbände haben sich bereits bundesweit von dem Boykott „Wir machen auf“ distanziert. Der Grund: Zahlreiche Mitglieder der Telegramgruppe gehören zu der Initiative „Querdenken“ und sprechen in der Gruppe unter anderem von einem Kampf gegen die Regierung. Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg kritisiert, dass die Aktion von „Querdenkern“ unterwandert werde. Der Verband distanziere sich daher klar von der Bewegung. 

Aktion: „Wir machen auf_merksam“

Im Zuge des Lockdowns wurde auch die Aktion „Wir machen auf_merksam“ von Uwe Bernecker vom Frankfurter Modelabel Funky Staff und Günter Nowodworski, dem Inhaber der Agentur Now Communication, ins Leben gerufen. Sie fordern eine baldige Öffnung der Geschäfte oder eine angemessene Entschädigung. Dabei grenzen sie sich klar von „Querdenkern“ und Corona-Leugnern ab.

Auch das Modegeschäft Frau Paul in Potsdam nimmt an der Aktion teil. „Wir werden nicht öffnen und halten uns an die Regelungen“, sagt Geschäftsführer Dirk Sadrinna. „Die staatlichen Hilfen sind in keinster Weise ausreichend, da sie inhaltlich nicht auf die reale Kostensituation der Händler eingehen.“ Nur ein Teil der Fixkosten werde übernommen. Die Händler bleiben auf dem größten Kostenfaktor, dem Wareneinkauf, sitzen. Sadrinna fordert daher Unterstützung. Die Politik dürfe die Händler nicht weiter im Stich lassen.